Die Augsburger Karl-Heinz Englet und Horst Woppowa führen Riege der internationalen Gäste bei der Kanuslalom-WM an.

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Altstars tauschen Erinnerungen aus. Hier mit dem damaligen Pressechef Klaus Wäschle (rechts) | Fito: Karl Luckner

Die Idee kam Horst Woppowa schon vor langer Zeit: Der frühere Abteilungsleiter der Kanuten des TSV Schwaben Augsburg wollte zur Kanu-WM und zum 50-jährigen Bestehen des heimischen Eiskanals die noch lebenden Olympioniken von 1972 einladen. „Ich träumte davon, dass die Athleten 50 Jahre nach dem ersten olympischen Kanu-Wettbewerb an diese tolle Sportstätte zurückkommen“, so Woppowa.

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Woppowa holte mit seinen Kontakten zahlreiche Altstars zurück an die Strecke | Foto: Karl Luckner

Dann begann ein langes Puzzlespiel für Woppowa und seine Frau. Kontakte zu den vielen nationalen Verbänden wurden geknüpft und allmählich kam man an Mail-Adressen, Telefonnummern oder Postanschriften von vielen noch lebenden Athleten. „Ich habe dann mal unverbindlich angefragt und die Resonanz war überwältigend, fast alle wollten kommen“, erinnert sich Horst Woppowa.

Zum Kanu-WM 2022 am neuen Eiskanal sind nun fast 70 Sportler angereist, darunter sechs der Medaillengewinner von 1972. Auch Kampfrichter und Offzielle von damals sind in der Stadt, Woppowa war übrigens 1972 einer von ihnen. Von den ehemaligen überragenden DDR-Kanuslalom-Paddlern hatte Reinhard Eiben Pech, er musste kurzfristig wegen Corona absagen. Dafür ist seine Teamkollegin Angelika Bahmann an den Austragungsort zurückgekehrt, an dem beide vor 50 Jahren Olympia-Geschichte geschrieben hatten: sie gewannen bei der Kanu-Premiere der Sommerspiele in Augsburg Gold. Eiban im Canadier-Einer und Bahmann im Kajak-Einer.

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Auch aus Polen und Tschechien waren Altstars angereist. | Foto: Karl Luckner

Auch die Silber- und Bronzemedaillengewinnerinnen des Wettbewerbs, die Bundesdeutschen Gisela Grothaus und Magdalena Held, sind zu Gast. Der Deutsche Reinhold Kauder, der 1972 Zweiter hinter Eiben wurde, Harald Gimpel, Bronzemedaillengewinner im Kajak-Einer der Männer, und Willi Baues, Silbermedaillengewinner im Canadier-Zweier, runden die Medaillengewinner von vor 50 Jahren ab, die auch am Dienstagabend bei der offiziellen Eröffnung der WM auf dem Augsburger Rathausplatz vorgestellt wurden.

„München und der berühmte Augsburger Eiskanal sind ein so wichtiger Teil der Geschichte des Kanuslaloms, daher ist es eine große Ehre für unseren Sport, die vielen Medaillengewinner von 1972 wieder begrüßen und ihre Leistungen feiern zu können“, sagte Kanu-Weltpräsident Thomas Konietzko.

Nicht nur ehemalige Olympioniken sind diese Woche beim Wiedersehen von 1972 dabei. Auch Karl Heinz Englet, der mit der olympischen Fackel lief und das olympische Feuer in Augsburg entzündete, fiebert bei der WM mit, ebenso wie der damalige Stadionsprecher Johannes Walch oder der Pressechef von Augsburg 1972, Klaus Wäschle, und eben Horst Woppowa. Eine Woche lang wird gefeiert mit einem offiziellen „Bayerischen Abend“ im Klubhaus der Kanuschwaben und einem Gruppenfoto aller Teilnehmer von 1972 am Donnerstag. Geschenke gab es auch, darunter eine Erinnerungs-Medaille für die Altstars.

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Maria Cwiertniewicz, genannt „Walzenmaria“ kam zurück nach Augsburg | Foto: Karl Luckner

Eine von ihnen ist die Polin Maria Cwiertniewicz, genannt „Walzenmaria“, weil sie sich immer mit vollem Risiko auf die Strecke stürzte. „Ich hatte nie Angst und freue mich so viele Freunde und Kollegen von früher wiederzutreffen. Alle sind gesund und ohne Rollstuhl hier, wie wunderbar“.

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Einstmals entzündete Karl Heinz Englet das olympische Feuer | Foto: Karl Luckner

Karl-Heinz Englet und Horst Woppowa sind ihrem Sport bis zum heutigen Tag mit Leib und Seele treu geblieben. Beide gehören den Kanu Schwaben Augsburg an und waren in den vergangenen Jahrzehnten die „Motoren“ aller großen Veranstaltungen auf dem Augsburger Eiskanal. Beide sind aus dem Historie des heimischen Kanusports nicht mehr wegzudenken. Englet war als Marketing-Verantwortlicher der Mann, der Sponsoren und Gelder für den Kanu-Rennsport beschaffte. Woppowa war bei vielen Großveranstaltungen weltweit als Betreuer oder Funktionär im Einsatz.

Karl Luckner