Karriere auf dem freien Markt oder im öffentlichen Dienst?

Für viele junge Menschen stehen in den kommenden Wochen die Abitur-Prüfungen an. Andere beenden ihr Studium und suchen ihren ersten Job. Grund genug, sich Gedanken um die Zukunft zu machen. Für viele stellt sich dabei die Frage: „Strebe ich eine Karriere auf dem freien Markt oder lieber im öffentlichen Dienst an? Beides bietet Vor- und Nachteile.

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„Der öffentliche Dienst und die Privatwirtschaft sind für die Studierenden an Universitäten und Fachhochschulen die attraktivsten Tätigkeitsbereiche“ – so steht es Schwarz auf Weiß im Studierendensurvey. 

Dies ist eine vom Bundesministerium für Forschung und Bildung geförderte Erhebung über die Situation und Wünsche von Studenten aus ganz Deutschland. Durchgeführt wurde sie von 1983 bis 2017 vom Fachbereich Soziologie der Universität Konstanz. 

Aktuell wird gerade an einer neuen Studierendenbefragung gearbeitet. Deutlich geringer sei bei Studenten der Wunsch in Organisationen ohne Erwerbscharakter (Rundfunk, Stiftungen, Gewerkschaften) im Hochschulbereich oder in internationalen Organisationen zu arbeiten. 

Sicherheit versus hohes Gehalt

Allgemein wird im öffentlichen Dienst die Sicherheit der beruflichen Tätigkeit – vor allem natürlich wenn man verbeamtet ist – geschätzt. In der freien Wirtschaft rechnen sich viele höhere Gehälter und bessere Aufstiegs- und Karrierechancen aus. Zudem sei hier ein flexibleres Arbeiten deutlich einfacher möglich. Aber stimmen diese weit verbreiteten Klischees überhaupt? Oder entsprechen sie längst nicht mehr der Realität?

Dass man im öffentlichen Dienst zwar oft einen ruhigen Job mit geregelten Arbeitszeiten habe, dafür aber nicht so viel verdiene – das lässt sich pauschal so nicht sagen. Polizisten klagen beispielsweise über viele Überstunden und eine hohe Arbeitsbelastung. Und auch die Behauptung, dass im öffentlichen Dienst generell etwas weniger verdienen zu sei, ist nicht in allen Bereichen haltbar. 

Öffentlicher Dienst sucht Fachpersonal

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Die Unternehmensberatung PwC ist in ihrer Studie zum Thema „Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst – Prognosse und Handlungsstrategien bis 2030“ zu folgendem Ergebnis gekommen: „Das Gehaltsniveau von einfachen und mittleren Tätigkeiten liegt hier deutlich über dem der Beschäftigten insgesamt.“ 

Gleichzeitig hat die Unternehmensberatung aber auch herausgefunden: „Das Gehaltsniveau im öffentlichen Dienst ist nicht grundsätzlich niedrig, jedoch ausgerechnet bei besonders wettbewerbsintensiven Berufsgruppen.“ Dazu zählt PwC beispielsweise den IT-Bereich. Dort würden in der freien Wirtschaft deutlich höhere Gehälter gezahlt.

Wie der Titel der PwC-Studie bereits vermuten lässt, haben Abiturienten und junge Menschen mit Studienabschluss in den kommenden Jahren aber aufgrund des Fachkräftemangels gute Chancen, einen Job im öffentlichen Dienst zu finden. „Das Jahr 2030 wird geprägt sein durch einen breiten Mangel a´n Lehrern und Verwaltungskräften“, stellt die Unternehmensberatung fest. 

Bis zu 800.000 Fachkräfte könnten dem öffentlichen Sektor in zehn Jahren fehlen“, prognostizieren die Experten. In den lehrenden Berufen könnten dann bis zu 194.000 Stellen unbesetzt bleiben, bei den Verwaltungskräften 151.000. Vor allem für kleinere Kommunen und Institutionen in ländlichen Regionen werde es aufgrund des Trends junger Leute in größere Städte zu ziehen, zunehmend schwieriger geeignetes Fachpersonal zu finden. 

Deshalb rät PwC dem öffentlichen Dienst diesen als „vielfältigen, sicheren und familienfreundlichen Arbeitgeber mit gemeinwohlorientierter Ausrichtung“ stärker als attraktiven Arbeitgeber deutlicher in den Vordergrund zu stellen. Zumal in einigen Bereichen des öffentlichen Dienstes gerade spannende Herausforderungen – Stichwort Digitalisierung in der Verwaltung – bevorstehen. 

Langfristige Sicherheit

Der öffentliche Dienst bietet nicht nur den Vorteil von sicheren Jobs, sondern auch eine Reihe von weiteren Vorteilen, wie beispielsweise im Bereich Altersvorsorge und Mitbestimmung der Arbeitnehmer durch Personalräte oder ein Weihnachts- und Urlaubsgeld. Auch das Gehalt wird regelmäßig und pünktlich auf dem Konto sein. Dies führt nicht nur zu einer hohen Planungssicherheit im finanziellen Bereich für die Mitarbeiter – auch im privaten Bereich kann sich dies auszahlen. 

So sind Beamte und andere Angestellte aus dem öffentlichen Dienst nicht nur gern gesehene Mieter, sondern können auch bei Krediten oder Finanzierungen profitieren. Durch eine Verbeamtung ist das Einkommen quasi auf Lebenszeit gesichert, was viele Anbieter mit besonderen Konditionen honorieren, selbst, wenn die Ausgangssituation nicht ideal ist – etwa bei einem überzogenen Konto. 

Doch neben den Vorteilen gibt es natürlich auch Nachteile. So haben insbesondere (Verwaltungs-) Beamte mit einem Imageproblem zu kämpfen. In einer Forsa-Umfrage nach dem Ansehen von 31 verschiedenen Berufen landete der Beamte nur auf dem 23. Platz. Was stellenweise widersprüchlich ist, da hiermit viele wohl nur das Berufsbild des Verwaltungsbeamten verstehen. Denn in derselben Umfrage landeten Tätigkeiten wie Richter, Lehrer oder die des Polizisten (in denen es ebenfalls viele Beamte gibt) auf den vorderen Plätzen.

Formale Qualifikationen notwendig

Ein weiterer Nachteil im öffentlichen Dienst: Persönliche Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten für Individuen sind auf Grund teilweise veralteter Strukturen nicht besonders groß. Zwar gibt es durchaus die Möglichkeit in der Hierarchie zu klettern, PwC hat aber festgestellt: „Im Unterschied zur Privatwirtschaft verknüpft der öffentliche Dienst jedoch weiterhin Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten eng mit dem Erwerb eines entsprechenden formalen Qualifizierungsabschlusses.“ Sich nur durch Leistung – ohne die entsprechende formale Qualifizierung – hochzuarbeiten, ist also kaum möglich. 

Selbst wenn man die entsprechenden Qualifikationen erworben habe, zahle sich dies nur selten ausreichend in barer Münze aus. „Das Erreichen von Leistungspositionen führt (im öffentlichen Dienst, Anm. d. Red.) nicht zu mit der Privatwirtschaft vergleichbaren Gehaltsverbesserungen“, heißt es in der PwC-Studie.

Nicht zuletzt sei laut der Unternehmensberatung auch die technische und räumliche Ausstattung in vielen Einrichtungen des öffentlichen Diensts aufgrund eines weitreichenden Sanierungsstaus nicht mehr „up to date.“ Hier rät PwC den Hebel anzusetzen und dringend erforderliche Modernisierungsmaßnahmen durchzuführen. Sollte dies in naher Zukunft geschehen, wäre zumindest einer der Nachteile schon einmal behoben. 

Privatwirtschaft zahlt manchmal besser

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Längst nicht in allen Berufen, aber dennoch in einigen Bereichen wie der schon angesprochenen IT-Branche können Berufstätige deutlich mehr verdienen als im öffentlichen Dienst. Das gilt insbesondere für hochqualifizierte Führungs- und Fachkräfte. Klassische Beispiele hierfür sind Ingenieure oder Wirtschaftsexperten. 

Der Nachteil: Jobs in der freien Wirtschaft sind gerade in Krisenzeiten nicht sicher. Zudem ist es gut möglich, dass man im Lauf der Karriere öfters den Job (und damit eventuell auch den Wohnort) wechseln muss. Dies kann aber natürlich auch eine Chance sein: Ein Jobwechsel kann hier immer eine Alternative sein, wenn man den Eindruck hat, sich beruflich in einer Sackgasse zu befinden oder wenn man mit seinem Verdienst nicht mehr zufrieden ist. 

Gerade in Branchen in denen Fachkräftemangel herrscht, haben Bewerber allerdings aktuell eine ausgezeichnete Verhandlungsbasis um hoch dotierte Arbeitsverträge auszuhandeln, da die Unternehmen schlicht darauf angewiesen sind, die entsprechende Stelle mit einem geeigneten Bewerber zu besetzen. 

Mehr Raum für Kreativität

In der Privatwirtschaft besteht für Arbeitnehmer deutlich mehr Raum um eigene Ideen einzubringen oder kreativ tätig zu werden. Wer sich besonders anstrengt, erhält von manchen Firmen zudem Bonuszahlungen. Auch moderne Formen der Arbeitsgestaltung, wie beispielsweise Home-Office oder flexible Arbeitszeiten werden bei Unternehmen auf dem freien Markt deutlich öfter angeboten als im öffentlichen Dienst. 

Was gefällt mir am besten?

Unabhängig von Vor- und Nachteilen einer Karriere im öffentlichen Dienst sollten sich junge Menschen vor Beginn ihres Karrierewegs überlegen, welcher Job ihnen Freude bereitet. Denn wer nur aufgrund des sicheren Jobs als Beamter arbeitet, darüber hinaus aber kein Interesse an seiner Tätigkeit hat, wird im Beruf nicht glücklich. Gleiches gilt natürlich auch, wenn man in der freien Wirtschaft zwar viel verdient, dafür aber kaum noch Freizeit hat.

Während Studenten aufgrund der Wahl ihres Studiums hier schon zumindest auf ein spezielles Gebiet festgelegt sind, haben Schüler noch die Wahl sich ausgiebig mit der Frage welcher Beruf wirklich zu ihnen passt zu beschäftigen. Auch wer bereits im Studium ist, kann dies aber noch tun – und dann gegebenenfalls einen anderen Weg einschlagen. Hilfreich ist es auf jeden Fall immer, sich Informationen über verschiedene Tätigkeitsfelder zu besorgen. Sei es durch eine Recherche im Internet, durch das Lesen von Fachliteratur oder auch durch Gespräche mit Menschen, die in diesem Bereich arbeiten. Auch ein Praktikum nach der Schule oder in den Semesterferien kann wichtige Einblicke verschaffen.