Tennis-Olympiasieger Alexander Zverev hat eine Stiftung gegründet, um vor allem an Diabetes (Typ 1) erkrankten Kindern zu helfen. Die Alexander Zverev Foundation hat ihren Sitz in Hamburg.

Der Weltranglisten-Zweite wird bei der Arbeit von Bruder Misha und seinen Eltern Irina und Alexandr Zverev unterstützt. Alexander Zverev leidet selbst – wie er erst jetzt öffentlich machte – seit seinem vierten Lebensjahr an Diabetes (Typ 1). Zudem absolvierte der 25-Jährige an diesem Samstag in Monte Carlo sein erstes Training auf dem Tennisplatz seit seiner schweren Verletzung im Halbfinale der French Open am 3. Juni. Im exklusiven Interview mit RTL/ntv spricht die deutsche Nummer eins über seine persönlichen Erfahrungen mit der Krankheit, die Idee der Stiftung und seine Rückkehr auf den Tenniscourt.

Alexander Zverev über…

…den Zeitpunkt der Verkündung seiner Diabetes-Erkrankung:

„Weil ich mich jetzt einfach damit wohl fühle. Weil ich stolz darauf bin, was ich mit dieser Krankheit erreicht habe. Weil ich stolz darauf bin, der Welt zu zeigen, dass man sich keine Limits setzen muss mit dieser Krankheit. Ich habe das in der Jugend oft erlebt, meine Eltern auch, dass uns gesagt wurde, dass Leistungssport und Diabetes, vor allem mit einem Ausdauersport wie Tennis, dass wir keine Chance haben. Jetzt sitze ich hier als Nummer zwei der Welt.“

…die Schwierigkeit, über seine Krankheit zu reden:

„Ich bin jetzt an einem Punkt angelangt, an dem ich es kann. An dem ich genug Selbstvertrauen habe, das zu tun. Das ist immer eine Frage von wie fühlst du dich. Ich habe mich nie mit dieser Krankheit selbst wohl gefühlt, weil in der Schule sich andere über mich und meine Geräte lustig gemacht haben. Jetzt bin ich in einer Zeit angekommen, in der ich eine Persönlichkeit bin, die schon viel erreicht hat, wo ich sagen kann, dass ich für andere Kinder ein Beispiel sein kann. Ich wollte es nie ansprechen, wollte nie darüber reden, einfach, weil ich mich nie wohl gefühlt habe.“

…seine Geschichte mit der Krankheit:

„Mit 3 oder 4 versteht man noch gar nicht, was mit dir passiert oder Du weißt nicht, was jetzt los ist. Warum du dich jetzt plötzlich spritzen musst, wieso du deinen Zucker messen musst. Die Eltern müssen dich ja darauf einstellen. Deswegen habe ich großen Respekt vor meinen Eltern, großen Respekt vor meiner ganzen Familie, wie wir unseren eigenen Weg gegangen sind.“

…seine Stiftung:

„Ich will Jugendliche, Kinder und Eltern motivieren und als Motivationssprecher in den Vordergrund treten und Gespräche führen. Möchte Events machen, um darzustellen, dass man mit Diabetes keine Limits braucht. Ich will meine Geschichte erzählen und Jugendliche und Kinder motivieren, ihren Traum zu verfolgen. Das ist mir extrem wichtig, hätte ich das nicht gemacht, hätten meine Eltern das nicht gemacht, dann würde ich nicht hier sitzen als Nummer 2 der Welt…“

„Der für mich viel wichtigere Teil: Ich möchte Medizin und die lebensnotwendigen Dinge wie Insulin verschiedenen Ländern und Gebieten dieser Welt zur Verfügung stellen, wo sie es leider nicht haben. Es gibt viele Länder in Afrika und Asien, wo die Menschen nicht an die notwendige Medizin kommen. Es ist leider immer noch so, wenn ein Kind in Afrika mit Diabetes erkrankt, ist es innerhalb von ein paar Tagen tot. Das möchte ich ändern. Ich möchte, dass jeder, egal wo er auf der Welt ist, mit dieser Krankheit leben kann, mit dieser Krankheit ein glückliches Leben haben kann und dafür brauchst du einfach die notwendige Medizin. Wir stehen erst am Anfang, aber es ist sehr schön. Du machst die Arbeit für andere und für die Gesundheit von anderen. Das ist ein sehr schönes Gefühl für mich und alle, die involviert sind.“

…das Ziel seiner Stiftung:

„Ich möchte Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und vor allem Eltern von Kindern Mut machen. Dass man die Träume den Kindern nicht einfach wegnehmen kann, nur weil sie Diabetes haben. Die Ärzte haben zu mir auch gesagt, dass ich mit dieser Krankheit keinen Leistungssport machen kann. Ich bin der perfekte Beweis dafür, dass sie falsch liegen. Es ist wichtig, dass sie ein sportliches Vorbild haben, das schon etwas erreicht hat. Wenn ich nur einem oder zwei Kindern helfen kann, ist diese Stiftung für mich schon erfolgreich.“

…sein erstes Training auf dem Court und die Frage…

…wie sein Gefühl beim Spielen war: „Ich bin froh! Erstens wie ich gespielt habe, das war sehr überraschend nach über zwei Monaten und zweitens, dass ich wirklich gar keine Schmerzen habe, klar hab ich mich sehr vorsichtig bewegt, ich hab noch keinen Druck aufgebaut auf meinen Fuß, aber es ist einfach eine schöne Nachricht, dass ich wirklich gar keine Schmerzen gehabt habe – jetzt können wir weiterschauen!“

 

…ob seine Vorhand gefühlt nicht fast besser war als vor der Verletzung: „Was heißt besser… Ich hab zwei Monate den Tennisschläger nicht gehalten, deshalb hat man irgendwie das Gefühl, dass alles besser ist. Aber ich hab mich richtig wohl gefühlt jetzt auf dem Tennisplatz lustigerweise, das ist einfach eine richtig schöne Nachricht für mich!“

 

…wie es mit den US Open steht: „Das ist noch zu früh, ich hab jetzt zum ersten Mal Tennis gespielt… Davis Cup, klar, da hoff ich mal, dass ich zu 100% fit bin, aber US Open muss ich erstmal schauen… ich hab jetzt zum ersten Mal gespielt, sehr sehr vorsichtig, aber um bei einem Grand Slam zu spielen, ist es noch weit weg, mal schauen wie das funktionieren wird.“