Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann widerspricht Stimmen aus seiner Partei, die ein baldiges Ende der Großen Koalition vorhersagen. „Ich glaube eher nicht, dass die Koalition von CDU/CSU und SPD demnächst beendet wird“, sagte Kretschmann der „Bild“ (Freitagausgabe). Die Grünen seien jedoch „bereit, Verantwortung zu übernehmen“. Winfried Kretschmann, über dts Nachrichtenagentur

Kretschmann geht davon aus, dass seine Partei mehr als nur einen vorübergehenden Umfrage-Hype erlebe. Bei Fragen von Klima- und Artenschutz, die viele Menschen umtreibe, seien die Grünen „die erste Adresse. Es ist also durchaus möglich, dass meine Bundespartei dauerhaft mehr Zuspruch bekommt.“

Auch große Unternehmen seien „längst auf grünem Kurs. Bosch, Daimler, Siemens, Porsche und viele mehr streben inzwischen Klimaneutralität an. Nur mit grünen Produktlinien bleibt unsere Wirtschaft international wettbewerbsfähig. Deshalb sind die Grünen die neue Wirtschaftspartei.“

Mit Blick auf die Krise der SPD sagte Kretschmann: „Ich sorge mich um die Sozialdemokratie. Eine Partei, deren Kernthema die soziale Gerechtigkeit ist, hat eigentlich eine gewichtige Aufgabe in Deutschland.“ Zur Kür eines eigenen Kanzlerkandidaten der Grünen erklärte Kretschmann, eine Urwahl des Kandidaten sei nicht unbedingt notwendig: „Meine Partei hat schon gelegentlich Urwahlen durchgeführt, aber zwingend ist das Instrument keineswegs.“ Zwei aktuelle Umfragen von Forsa und Infratest messen die Grünen derzeit als stärkste Kraft in Deutschland, zwei weitere Umfragen von Forschungsgruppe Wahlen und Insa sehen die Grünen nur einen Prozentpunkt hinter der Union.