Landgericht Augsburg spricht Dr. Schottdorf und Ex-Frau frei

Nach insgesamt 23. Prozesstagen war es heute soweit. Vor dem Landgericht Augsburg wurde das Urteil im Prozess gegen den Augsburger Laborarzt Dr. Bernd Schottdorf und seine frühere Ehefrau Gabriele gesprochen. Die 9. Strafkammer sprach ihn vom Vorwurf des Betrugs frei.

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Dr. Bernd Schottdorf und seine Ex-Frau Gabriele (Hintergrund) wurden freigesprochen. |Archivfoto: Dominik Mesch

In 124 Fällen soll das Augsburger Großlabor Syscomp die Krankenkassen betrogen haben, indem man die Aufträge durch scheinselbstständige Außenlabors hatte abwickeln lassen. Fast 13 Millionen Euro hätte das Schottdorf-Unternehmen dadurch zu viel eingenommen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, vertreten durch Simone Bader. Die Außenlabors wären durch das Schottdorf-Unternehmen Syscomp gesteuert worden und wären nie frei in ihrer Arbeit gewesen. Viereinhalb Jahre Haft forderte die Staatsanwältin für die beiden damaligen Geschäftsführer Dr. Bernd Schottdorf und seine inzwischen von ihm geschiedene Ehefrau Gabriele. Bis 2010 war Schottdorf Geschäftsführer, dann hatte er alle Posten niedergelegt. Die 61-jährige Ex-Frau ist heute noch in zwei Unternehmen der Gruppe als Geschäftsführerin aktiv.

Nach 22. vorausgegangenen Prozesstagen fand heute die Urteilsverkündung vor der 9. Strafkammer des Augsburger Landgerichts statt. Die beiden Schottdorfs wurden freigesprochen. Die vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser erklärte in der Urteilsbegründung, dass aus Sicht des Gerichts kein gewolltes Betrügen der Krankenkassen gegeben hätte. Die Kosten für dieses aufwändige Verfahren werden von der Staatskasse getragen.

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Staatsanwältin Simone Bader kann mit dem Urteil nicht zufrieden sein. | Archivfoto: Dominik Mesch

Schon in der Vergangenheit sah sich der heute 75-jährige Schottdorf mehrfach vor Gericht. Bereits in den 1990er Jahre wurde ein Verfahren eingestellt, 2000 gab es einen Freispruch von einem Betrugsvorwurf. Schon damals unterstellte die Staatsanwaltschaft ähnliche Vorfälle.

Mit dem heutigen Urteil wird die Staatsanwaltschaft wohl nicht einverstanden sein. Es ist wahrscheinlich, dass dagegen ein Revisionsantrag beim Bundesgerichtshof ergehen wird. Gut möglich, dass der Fall Schottdorf die Gerichte also noch in diesem Jahr weiter beschäftigen wird.