Langjähriger Chefarzt der Augsburger Kinderklinik gestorben

Der langjährige Chefarzt der I. Klinik für Kinder und Jugendliche Prof. Dr. med. Peter Heidemann verstarb am 4. Juni.Heidemann2 Langjähriger Chefarzt der Augsburger Kinderklinik gestorben Augsburg Stadt Gesundheit News | Presse Augsburg

Einer Arztfamilie entstammend, begann Prof. Heidemann 1966 sein Medizinstudium in Kiel, anschließend studierte er in Innsbruck und Lübeck. Bereits sehr früh entwickelte er eine Leidenschaft für die Kinderheilkunde. Er widmete sich in seiner Doktorarbeit einem kinderendokrinologischen Thema und erlangte 1972 die Promotion. Die Weiterbildung zum Kinderarzt absolvierte er an der Universität Göttingen. Dort entwickelte er auch seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt in der Kinderendokrinologie. Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, befand er sich von 1977 bis 1979 zu Forschungszwecken an der Universität Louisville in Kentucky (USA). 1982 habilitierte er sich mit einer Arbeit zum Thema Jodmangel und Struma bei Kindern und erhielt dafür den Hufeland-Preis.

1989 übernahm er als Chefarzt die Leitung der Kinderklinik am Klinikum Augsburg. Durch sein umfangreiches Wissen, seinen hohen wissenschaftlichen Anspruch und seinen fortschrittlichen Geist etablierte er eine Kinderklinik, die sich mit der einer Universitätsklinik messen konnte. So wurden unter seiner Führung zahlreiche Spezialgebiete der Kinderheilkunde ausgebaut oder auch neu etabliert. 1998 erreichte er, dass aus der Kinderklinik eine Klinik für Kinder und Jugendliche wurde. Dadurch wurde ein Zeichen gesetzt, dass Patienten bis zum 18. Lebensjahr kinderärztlich betreut werden können und sollen.

Durch seinen unermüdlichen Drang, Neues und Besseres zu schaffen, brachte er die Umwandlung der damaligen Kinderonkologie-Station zum Schwäbischen Kinderkrebszentrum auf den Weg. Die wahrscheinlich wichtigste Berufung Peter Heidemanns war die Kinderendokrinologie, der er zu jeder Zeit seine ganze Aufmerksamkeit und Leidenschaft widmete. Unter seiner Leitung entstand am Standort ein neues Fachgebiet. Heidemann gehörte zur zweiten Generation Pädiatrischer Endokrinologen nach den Gründungsvätern Deutschlands. Die Wissenschaft hatte bei ihm immer oberste Priorität. So beteiligte er sich bis kurz vor seiner Erkrankung an vielen multizentrischen Studien im Fachgebiet der Kinderendokrinologie- und diabetologie. Zahlreiche andere Spezialbereiche wie Neuropädiatrie und Gastroenterologie wurden durch seinen unermüdlichen Tatendrang und sein Engagement ausgebaut. Immer mehr Kinder mit seltenen und komplexen Krankheitsbildern konnten so auf höchstem Niveau klinisch und wissenschaftlich betreut werden.

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Heidemann gab sein umfangreiches Wissen im Bereich der Allgemeinpädiatrie und in anderen Spezialgebieten der Kinderheilkunde an zahlreiche Ärzte weiter. Viele Kollegen hatten das Glück, bei ihm eine hervorragende Weiterbildung zum Kinderarzt zu erhalten.

Dem Neubau der Kinderklinik Augsburg, wie man sie jetzt bewundern kann, bereitete er den Weg.

Die Augen der Kinder, deren Freude und Zuneigung sowie die Fürsorge um das Wohlergehen seiner „kleinen Füchse“ und ihrer Familien waren das Leitmotiv seines täglichen Tuns. Als ein „Arzt der alten Schule“ stand die penible körperliche Untersuchung der Patienten mit den eigenen Sinnen im Vordergrund. Dabei kam es ihm stets auf die Aufmerksamkeit  für kleinste Details an.

Sein enzyklopädisches, wissenschaftlich fundiertes Wissen war weit über Schwaben, dem eigentlichen Versorgungsgebiet der Kinderklinik, hinaus bekannt. Er hatte für Fragen von Kollegen immer ein offenes Ohr und stand jederzeit mit Rat und Tat sowie seiner Erfahrung, Belesenheit und Kenntnis der Fachliteratur zur Seite.

2010 verabschiedeten wir Prof. Heidemann in den Ruhestand. Er zog sich nicht etwa zurück, sondern praktizierte weiter in einer endokrinologischen Spezialpraxis und hielt beratend weiterhin Kontakt zur Kinderklinik, mit der er sich bis zuletzt verbunden fühlte. Durch eine plötzliche, einschränkende Krankheit kam dies 2017 zu einem Ende.

Das Mitgefühl aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universitätskinderklinik gilt seiner Frau und seinen beiden Söhnen.