Lehrer-, Schüler- und Eltern-Verbände bemängeln Homeschooling

Der Deutsche Lehrerverband kritisiert das unterschiedliche Vorgehen der Bundesländer im verlängerten Lockdown und warnt davor, dass durch Distanzunterricht schwache Schüler noch weiter ins Hintertreffen geraten könnten. Gegen coronabedingte Schulschließungen und einem je nach Bundesland eigenen Vorgehen sei grundsätzlich nichts einzuwenden, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Hans-Peter Meidinger, der „Welt“ (Donnerstagausgabe). „Aber es scheint bei den unterschiedlichen Maßnahmen auch um politische Grundsätze zu gehen.“

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Die unterschiedliche Handhabung von Distanz- und Präsenzunterricht berge die Gefahr, dass sich das Gefälle bei der Schulstoffvermittlung verstärke, so Meidinger. Das treffe besonders jene Schüler, die sich ohnehin schon im Unterricht schwertäten. „Mit Distanzunterricht erreichen wir bestimmte Teile der Schülerschaft nicht oder nur schwer“, sagte der Verbandspräsident.

„Vor allem jüngere Schüler oder jene, die Förderbedarf haben, oder die, die stärker motiviert werden müssten.“ Durch Unterricht außerhalb der Schule wachse die Gefahr, dass diese Schüler weiter zurückfielen. „Für diese Gruppen sollten eigene Lerngruppen geschaffen werden, um ihnen angesichts der Lücken aus nun zwei Schuljahren ein spezielles Angebot zu machen“, fordert Meidinger. Bei Schüler- und Elternvertretern wächst derweil die Kritik am Homeschooling.

Angesichts der Probleme im Online-Unterricht nehme bei immer mehr Schülern der Unmut zu, sagte der Vorsitzende des Landesschülerbeirats in Baden-Württemberg, David Jung, der „Welt“. Zu oft funktioniere der Fernunterricht nicht reibungslos. Immer wieder komme es zu Serverüberlastungen bei der vom Land bereitgestellten Lernplattform. „Die erneute Verlängerung des Lockdowns erhöht den Handlungsbedarf erheblich.“

Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses Schule in Berlin, vermisst eine klare Handlungsempfehlung der Politik. In vielen Berliner Schulen fehlten für Distanzunterricht weiterhin die technischen Hilfsmittel, zudem sei die Internetgeschwindigkeit vielerorts zu langsam. Heise vermisst zudem Initiativen, wie Schüler verpassten Unterricht wieder aufholen können.