Leibniz-Preis | KI-Forscherin der Universität Augsburg erhält „deutschen Nobelpreis“

Die Augsburger Wissenschaftlerin Prof. Dr. Elisabeth André erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2021. Die renommierte Informatikprofessorin wird mit dem wichtigsten deutschen Forschungsförderpreis für ihre Arbeiten zu multimodaler Mensch-Maschine-Interaktion ausgezeichnet. Der Leibniz-Preis wird jährlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft an bis zu zehn Forschende verliehen und ist mit einem Preisgeld von je bis zu 2,5 Millionen Euro für freie Forschungsprojekte dotiert. André ist die vierte Leibniz-Preisträgerin der Universität Augsburg – und deren erste weibliche Preisträgerin.

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Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträgerin Prof. Dr. Elisabeth André UA-Fotostelle

Die Augsburger Professorin Dr. Elisabeth André wird Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträgerin 2021. Dies teilte die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die den wichtigsten deutschen Forschungsförderpreis vergibt, heute mit. Elisabeth André forscht und lehrt an der Fakultät für Angewandte Informatik zu Künstlicher Intelligenz (KI). Ihr Spezialgebiet ist die Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen und Robotern oder anderen Computern.

„Wir gratulieren Frau Professorin Elisabeth André von Herzen zu dieser hohen Auszeichnung. Sie ist eine würdige Trägerin des Leibniz-Preises und eine Bereicherung für die deutsche Informatik“, erklärt Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg. „Sie hat durch ihre exzellenten Forschungsarbeiten das Gebiet der Mensch-Maschine-Interaktion wesentlich geprägt und war schon früh eine Pionierin auf ihrem Gebiet. Ihre Arbeit ist international richtungsweisend und vielfach ausgezeichnet. 2019 wurde sie zu einem der zehn prägenden Köpfe der deutschen KI-Geschichte gekürt. Trotz ihrer vielfältigen Aktivitäten nimmt sie sich die Zeit, etliche Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen zu betreuen. Elisabeth André hat den wichtigsten deutschen Forschungsförderpreis in hohem Maße verdient, wir freuen uns, dass sie seit vielen Jahren an der Universität Augsburg forscht und lehrt.“

Die Interaktion zwischen Mensch und Computer steht im Fokus von Elisabeth Andrés Forschung. Schon in den 1990er Jahren arbeitete sie dazu und hob sich damit vom damaligen Informatik-Mainstream ab. Als eine der ersten Forscherinnen weltweit analysierte sie sowohl sprachliche als auch nonverbale Kommunikation algorithmisch. Ihr Ziel: die Computer emotionale und soziale Signale erkennen zu lassen, um Mensch-Maschine-Kommunikation natürlicher wirken zu lassen. Heute zählt sie zu den weltweit renommiertesten Expertinnen auf diesem Gebiet.

Dabei ist es ihr wichtig, Verfahren der Künstlichen Intelligenz stärker am Menschen auszurichten. Sie entwickelte das Open-Source-Framework SSI (Social Signal Interpretation), dessen Bedeutung seither weit über die Grenzen der Informatik hinausstrahlt. Ein Framework ist gewissermaßen ein Programmiergerüst. SSI hilft Computern, die emotionale und soziale Dimension zwischenmenschlicher Interaktionen zu „verstehen“. Die Technik wird für pädagogisch computerbasiertes Lernen ebenso eingesetzt wie für therapeutische und medizinische Anwendungen.

Vielfach ausgezeichnet und weltweit vernetzt

Die Forschungsarbeit Elisabeth Andrés wurde bereits durch vielfache Auszeichnungen gewürdigt. Die Professorin ist Mitglied in der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Academy of Europe. 2019 wurde sie von der Gesellschaft für Informatik, GI, zu einem der zehn prägenden Köpfe der deutschen KI-Geschichte gekürt.

In der Plattform für Künstliche Intelligenz der Bundesregierung leitet André die Arbeitsgruppe „Arbeit, Qualifizierung und Mensch-Maschine-Interaktion“. Sie ist außerdem Chefredakteurin und Mitherausgeberin wissenschaftlicher Journale wie IEEE Transactions on Affective Computing. Ihre Arbeiten haben über populärwissenschaftliche Medienformate wie z. B. Quarks & Co. die breite Öffentlichkeit erreicht.Elisabeth André lehrt und forscht seit 2001 an der Universität Augsburg. Sie hat den Lehrstuhl für Multimodale Mensch-Technik-Interaktion inne und arbeitet international als Gastforscherin, unter anderem am Stanford Research Institut, an der Université Paris Sud und an der Waikato University in Neuseeland. André studierte Informatik und Mathematik an der Universität des Saarlandes, wo sie auch promovierte.

Vier Leibniz-Preisträger

Elisabeth André ist die erste weibliche Leibniz-Preisträgerin in der vergleichsweise jungen Geschichte der Universität Augsburg und die vierte insgesamt. Bislang wurden folgende Augsburger Wissenschaftler mit diesem Preis ausgezeichnet: Prof. Dr. Jochen Mannhart (Experimentelle Festkörperphysik) im Jahr 2008, Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Graf (Evangelische Theologie) im Jahr 1999 sowie Prof. Dr. Karl-Heinz Hoffmann (Mathematik) im Jahr 1991.

Leibniz-Preis der DFG

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vergeben und gilt als wichtigster Forschungsförderpreis in Deutschland. Ziel des Leibniz-Programms, das 1985 eingerichtet wurde, ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern. Die Förderung wird nur auf Vorschlag Dritter gewährt. Die Entscheidung über die Preisträgerinnen und Preisträger trifft der Hauptausschuss aufgrund einer Empfehlung des Auswahlausschusses für das Leibniz-Programm.

Weitere Preisträger aus bayerischen Universitäten

Prof. Dr. Jürgen Ruland, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, Fakultät für Medizin, Lehrstuhl für Klinische Chemie:

Der Auswahlausschuss zeichnet Prof. Dr. Jürgen Ruland für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Immunologie aus. Diese haben zu einem grundlegend neuen Verständnis der Signalübertragungskomplexe in Immun- und Krebszellen geführt.

Prof. Dr. Jürgen Ruland ist seit dem Jahr 2012 Lehrstuhlinhaber und Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Pathobiochemie am Klinikum rechts der Isar der TUM. Zuvor war er seit 2010 Professor und Direktor des neu gegründeten Instituts für Molekulare Immunologie. Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler ist Mitglied der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Prof. Dr. Volker Springel, Max-Planck-Institut für Astrophysik Garching, Honorarprofessor an der Fakultät für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Astrophysik:

Der Auswahlausschuss vergibt den Leibniz-Preis an Prof. Dr. Volker Springel für seine Arbeiten auf dem Gebiet der numerischen Astrophysik zur Entwicklung von Strukturen im Kosmos.

Prof. Dr. Springel ist seit dem Jahr 2018 geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Astrophysik (MPA) in Garching, wo er bereits promoviert hatte. Nach acht Jahren als Gruppenleiter für Theoretische Astrophysik am Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) kehrte er wieder an das MPI zurück. Der mehrfach ausgezeichnete Astrophysiker ist Mitglied der Jungen Akademie der Berlin-Brandenburg Akademie der Wissenschaften und der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften.

Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler gratulierte zu dem überwältigenden Erfolg: „Leibniz-Preisträgerinnen und Preisträger sind international hoch angesehene Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Forscherexzellenz. Ich bin sehr stolz darauf, dass drei von insgesamt zehn dieser hochdotierten Auszeichnungen an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen, die an einer bayerischen Forschungseinrichtung tätig sind. Die Preisträgerin und die Preisträger gestalten durch ihre zukunftsweisenden Entdeckungen in den Technik- und Naturwissenschaften und in der Medizin sowie durch ihre international beachteten Beiträge in Forschung und Lehre Fortschritt und Innovation vom Freistaat aus grundlegend mit. Wir verstärken mit der Hightech Agenda Bayern und dem Beschleunigungsprogramm Hightech Agenda Plus die hervorragende Ausgangslage nochmals und sorgen dafür, dass Bayern weiterhin ein erstklassiger Standort für erstklassige Forschung bleibt.“

Die feierliche Verleihung der Leibniz-Preise durch die DFG findet am 15 März 2021 in einem virtuellen Format statt.

CH/MR/pa