Linie 3 nach Königsbrunn | Der letzte Lückenschluss ist geschafft

Königsbrunn und Augsburg sind jetzt untrennbar miteinander verbunden. Am Donnerstag  wurden die letzten Gleise der neuen Straßenbahnlinie 3 vom Augsburger Süden ins Herzen Königsbrunns miteinander verschweißt. Der Bau für die Verlängerung der Linie 3 liegt trotz Corona und kalten Temperaturen im Zeitplan. Geplant ist, dass die Strecke im Dezember 2021 in Betrieb genommen und für den Linienverkehr freigegeben wird.

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Die letzte Schweißnaht für die Linie 3: Mit dem sogenannten Thermit-Schweißverfahren werden die Schienen untrennbar verbunden. Zuvor muss der Schienenstahl auf 23 Grad erwärmt werden, mittels Heißluft durch die gelben Schläuche.
Foto: swa / Thomas Hosemann

Rund 52 Millionen Euro investieren die Stadtwerke Augsburg (swa) in die Schienenverbindung der beiden Nachbarstädte Königsbrunn und Augsburg. Die Linie, ein gemeinschaftliches Projekt von swa, Stadt Königsbrunn sowie Stadt und Landkreis Augsburg, verläuft von der bisherigen Endhaltestelle „Haunstetten West P&R“ bis zum ZOB im Zentrum Königsbrunns.

Jetzt ist ein symbolischer Meilenstein geschafft: Alle Gleise sind verlegt und auch verschweißt. Erst gut ein Jahr, seit Oktober 2019, wird an dem 4,6 Kilometer langen neuen Linienabschnitt gearbeitet. Die eigentlichen Arbeiten für die Trasse sind im Juli gestartet.

Das Verschweißen der Gleise ist bei diesen niedrigen Temperaturen eine Herausforderung. Zunächst müssen die Stahlgleise auf die sogenannte „Verspannungstemperatur“ von 23 Grad vorgeheizt werden. Bei dieser Temperatur ist ein Meter Schiene auch tatsächlich einen Meter lang – je kälter oder wärmer es ist, desto mehr zieht sich der Stahl zusammen oder dehnt sich aus und das Schienenstück wird entsprechend kürzer oder länger.

Bei der Vorbereitung der Schweißarbeiten ist Präzision gefragt. Um die optimale Dicke der Schweißnaht zu erreichen, muss der Spalt zwischen den beiden zu verschweißenden Gleisstücken – bei der „Verspannungstemperatur“ von 23 Grad – exakt 24 bis 26 Millimeter breit sein. Dieser Spalt wird von einer Form aus Schamottsteinen dicht umschlossen und es wird sogenanntes Thermit in den Spalt gefüllt. Dabei entstehen Temperaturen von 2.400 Grad, die die Gleisstücke fest miteinander verschweißen und verbinden. Insgesamt werden mehr als 300 einzelne, jeweils rund 15 Meter lange Gleisstücke verbunden.

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Foto: swa / Thomas Hosemann

Anfang 2021 beginnt der Bau der neuen Haltestellen. Im September 2021 soll die Strecke dann vollständig fertig sein. Nach Probefahrten und technischen Abnahmen werden im Dezember 2021 die ersten Straßenbahnen in 30 Minuten von Kö zum Kö rollen, also von der Mitte Königsbrunns zum Königsplatz in Augsburg.

Die Kosten werden auf rund 52 Millionen Euro netto beziffert. An den späteren Betriebskosten der Linie beteiligen sich die Stadt Königsbrunn und der Landkreis Augsburg. Neben zwei bestehenden Haltestellen, die umgebaut werden, werden sechs Haltestellen neu angelegt. Geplant ist, dass der Streckenabschnitt nach Königsbrunn von der Tram in der Regel im 15-Minuten-Takt befahren wird, am Wochenende in der Nebenverkehrszeit alle 20 bzw. 30 Minuten.

Rund eine halbe Milliarde Euro investieren die swa mit Hilfe der Zuschussgeber Bund und Land in das Projekt Mobilitätsdrehscheibe und damit in den zukunftsfähigen Ausbau des Nahverkehrs. Das Gesamtprojekt besteht aus fünf einzelnen Teilprojekten: die 2010 fertiggestellte Linie 6, der neue Königsplatz, der seit 2013 in Betrieb ist, die Linie 3, die ab Ende 2021 fahren soll, das Herzstück, der Hauptbahnhof, mit der geplanten Eröffnung 2023 und die Straßenbahnlinie 5 für die das Genehmigungsverfahren demnächst beginnen soll.