Logistische Meisterleistung: Groß angelegte Impfaktion im KfH-Nierenzentrum Dillingen

Am 18. Februar 2021 wurde ein labordiagnostisch bestätigter Fall einer COVID-19-Erkrankung vom KfH-Nierenzentrum Dillingen beim Gesundheitsamt gemeldet. Nach einer Schnelltestung wegen Symptomen, die beim Eingangsscreening auffielen, hatte sich der positive Test bestätigt.

Symbol-Foto: Wolfgang Czech

Am 27.02.2021 wurden dem Gesundheitsamt zwei weitere Erkrankte gemeldet, die zum Teil im Dialysezentrum gar keinen Kontakt miteinander hatten. Aktuell sind acht Personen betroffen. Hierzu zählen 6 Patient*innen, eine Pflegekraft und eine Ärztin.

112 Patientinnen und Patienten sind im Landkreis Dillingen lebensnotwendig auf die Dialysebehandlung angewiesen. Da die Behandlung ambulant erfolgt, betreten und verlassen die Patienten das KfH-Nierenzentrum im 4-Schichtbetrieb. Am Eingang werden sie jedes einzelne Mal kontrolliert, Symptome werden abgefragt, Temperatur wird gemessen, beim geringsten Verdacht erfolgen Antigen-Schnelltests. Aber 4 Stunden später sind sie zurück in ihren Familien, wo Kinder wieder zur Schule gehen, sie arbeiten in ihren Betrieben, wo sie Kollegen treffen, gehen einkaufen und können sich dabei unbemerkt infizieren wie alle Menschen in dieser Pandemie. Und wenn sie infiziert sind, müssen sie dennoch übermorgen wieder an die Dialyse – lebensnotwendig.

Das KfH-Nierenzentrum muss Patient*innen auch dann die lebensnotwendige Dialysebehandlung sicherstellen, wenn sie sich im häuslichen Umfeld, im Supermarkt oder am Arbeitsplatz mit COVID-19 anstecken. Dialysepflichtige infizieren sich leichter als andere und haben bei Ansteckung deutlich schwerere Verläufe. Die Dialyseeinrichtungen weltweit sind in größter Sorge um ihre Patienten, aber auch um ihre Ärzt*innen und Pflegekräfte, die diese Patient*innen in unmittelbarem körperlichen Kontakt versorgen müssen.

Bereits vom Beginn der Pandemie an arbeiten im Landkreis Dillingen die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Uta-Maria Kastner, und die Leiterin und hygienebeauftragte Ärztin des KfH-Nierenzentrums in Dillingen, Dr. Ulrike Bechtel, eng zusammen. Die beiden Ärztinnen haben umfassende Maßnahmen eingeleitet und stetig an der wissenschaftlichen Entwicklung optimiert, Abstrichstrategien festgelegt, Masken, Schutzausrüstung, Desinfektion organisiert, um die dialysepflichtigen Patienten des Landkreises vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Als einer der ersten Landkreise konnte Dillingen bereits am 2. Januar eine Corona-Schutzimpfung für den Großteil des medizinischen Personals einleiten um Übertragungsrisiken im Dialysezentrum zu minimieren.

Unmittelbar nach Auftreten der Erkrankung des ersten Patientenfalls im Dialysezentrum wurden in Absprache mit der Härtefallkommission des Landratsamts jetzt prioritäre Impftermine organisiert.

Mittwoch und Donnerstag werden in einer groß angelegten Impfaktion die dialysepflichtigen Patient*innen des Landkreis Dillingen geimpft. Der Landkreis hat für Impfstoff gesorgt, um alle dialysepflichtigen Patienten zu schützen. Landrat Leo Schrell ist zu Recht stolz auf diese Geschwindigkeit. Leo Schrell dazu: „Für die dialysepflichtigen Menschen bedeutet die Pandemie eine unmittelbare Lebensgefahr. Deshalb bin ich erleichtert, dass mit der Impfaktion im Dialysezentrum gemeinsam eine gute Lösung gefunden werden konnte.“

Alle betroffenen derzeit infizierten Personen sind für 10 Tage in Isolation. Die vom Gesundheitsamt ermittelten engen Kontaktpersonen sind für 14 Tage in Quarantäne. Eine Freitestung erfolgt aktuell generell erst zum Ende der Quarantäne am 14. Tag. Medizinisches Personal, das bei der Versorgung von Patient*innen durchgehend eine adäquate Schutzausrüstung trägt, wird nicht zur Kontaktperson.

Das KfH-Nierenzentrum in Dillingen ist mit einem immensen Aufwand darauf eingerichtet, Infizierte zu erkennen und aufwändig isoliert zu behandeln. Aber Antigen-Schnelltests finden Infizierte nicht mit 100%iger Sicherheit, PCR-Tests brauchen 24 Stunden bis zum Ergebnis und die Patienten können bei der nächsten Dialyse bereits die Infektion mitbringen, die sie vorgestern noch nicht hatten. Durch die ambulante Situation mit Kommen und Gehen der Patienten im 4-Schicht-Betrieb lässt sich das Infektionsgeschehen in Dialyseeinrichtungen schlechter kontrollieren als in Kliniken und Pflegeheimen, die weltweit im Fokus des Infektionsgeschehens stehen. Nur der flächendeckende Impfschutz der besonders Gefährdeten beendet die Infektionsgefahr.

Dr. Bechtel ist erleichtert: „Das mobile Impfteam ist exzellent organisiert. Wir konnten unseren Patienten und Patientinnen die Impfaufklärung bereits im Vorfeld aushändigen und alle Unterlagen ausfüllen lassen“, berichtet die leitende Ärztin des KfH-Nierenzentrums.

„Wir können diese Pandemie in Deutschland und weltweit nur gemeinsam mit Disziplin, Vernunft und der Geduld, mit der eigenen Impfung zu warten bis alle Gefährdeten geschützt sind, niederringen“, so Dr. Bechtel.