Max-Planck-Forscherin lobt Behutsamkeit bei Lockerungen

Max-Planck-Forscherin Viola Priesemann hat die behutsamen Lockerungen der Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern gelobt. „Schon jetzt von der Bremse zu gehen wäre unverantwortlich gewesen“, sagte die Co-Autorin einer Strategiestudie für den Lockdown-Ausstieg der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das nächste Treffen von Kanzlerin und Länderchefs am 6. Mai sei „der frühestmögliche Zeitpunkt, um über die Aufhebung von weiteren Kontaktsperren zu entscheiden“, denn erst dann werde man „beginnen zu erkennen, ob sich wegen der Lockerungen seit dem 18. April wieder mehr Menschen angesteckt haben“.

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Frühere Entscheidungen wären „extrem gefährlich“, warnte Priesemann. Man sei noch „in einer absolut kritischen Phase, in der jeder noch maximal vorsichtig sein muss“, sagte die Teamleiterin beim Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Deswegen sei es gut, dass am 6. Mai „noch eine Notbremse gezogen werden könnte“.

Zugleich hält Priesemann eine baldige Rückkehr zu mehr Alltag für möglich. „Wenn die Reproduktionszahl deutlich unter eins bleibt, geht es in absehbarer Zeit mit den Neuinfektionen weiter deutlich nach unten. Dann stecken sich schon bald täglich nur noch wenige Hundert Menschen an. Genau das ist entscheidend, um von den massiven Kontaktbeschränkungen auf eine gezielte Kontaktnachverfolgung umzusteigen“, sagte die Wissenschaftlerin.

„Wenn wir diesen Punkt erreicht haben, wäre es ein Leichtes, die Zahl der Neuinfektionen stetig weiter zu drücken.“ Allerdings werde es nicht möglich, alle Beschränkungen gleichzeitig aufzuheben. „Es muss in vorsichtigen Schritten gehen, damit negative Effekte wieder gestoppt werden können“, sagte Priesemann. „Die Gefahr bleibt weiter hoch, die Erfolge im Kampf gegen Covid-19 zu verspielen. Wir sitzen praktisch in einem Auto, bei dem ein Drehen am Lenkrad erst nach drei Minuten die Fahrtrichtung ändert. Daher gilt: Schritttempo fahren.“

Um die Kontaktnachverfolgung zu erleichtern, schlägt die Max-Planck-Forscherin ein „Corona-Tagebuch“ für alle Bürger vor: „Mindestens ebenso sinnvoll wie eine Smartphone-App wäre es, wenn jeder für sich persönlich eine Art Corona-Tagebuch führt, in dem er notiert, wen er wann und wo getroffen hat“, regte Priesemann an. „Wer sich ansteckt, könnte so seinen Freunden und Bekannten Bescheid geben, damit sie besser auf sich und ihre Angehörigen aufpassen. Das wäre ein großer Beitrag für ein effektives Tracing und damit für eine Rückkehr in einen Fast-Alltag mit Corona.“