Mehr als 1500 Menschen kommen zur Solidaritäts-Kundgebung für verfolgte Christen

 Um auf die aktuelle Situation verfolgter Christen weltweit, speziell in Syrien und im Irak, aufmerksam zu machen, versammelten sich gestern, am Fest Kreuzerhöhung, mehr als 1500 Menschen, darunter zahlreiche Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft, zu einer Solidaritäts-Kundgebung auf dem Augsburger Rathausplatz.

bistum_christen_kundgebung_001 Mehr als 1500 Menschen kommen zur Solidaritäts-Kundgebung für verfolgte Christen Kunst & Kultur News Politik Bertram Meier Bischof Antoine Audo SJ Hoher Dom Rathausplatz Solidaritäts-Kundgebung verfolgte Christen | Presse Augsburg
Im Anschluss an die Kundgebung zogen die Menschen zur ökumenischen Kreuzwegandacht in den Augsburger Dom. | Foto: Pressestelle Bistum Augsburg/Nicolas Schnall

Das Motto der Veranstaltung lautete: „Glaube braucht Bekenntnis. Verfolgte Christen brauchen Hilfe“. Neben der katholischen Kirche und dem evangelischen-lutherischen Dekanat Augsburg beteiligten sich die evangelische Allianz, der assyrische Mesopotamien Verein und der Suryoye Kultur– und Sportverein Augsburg an der Aktion. Im Anschluss daran zogen die Menschen zum Hohen Dom, wo eine ökumenische Kreuzwegandacht stattfand.

Augsburgs Oberbürgermeister und Schirmherr Dr. Kurt Gribl brachte die Gefühlslage der meisten Teilnehmer und das regnerische Wetter gut zusammen, als er sagte: „Der Himmel weint über Augsburg und wir weinen mit.“ Bereits zum wiederholten Mal stellte Gribl sich als Schirmherr für diese Kundgebung zur Verfügung. Jedes Mal habe er sich danach gedacht, mit der Situation der Christen weltweit könne es nicht schlimmer kommen. Doch die aktuelle Berichterstattung, so Gribl, zeige es deutlich: „So einen Tiefpunkt wie derzeit haben wir noch nicht erlebt.“ Doch die Solidarität und der Funke Hoffnung bleibe, so der Oberbürgermeister.

Ein beeindruckendes Zeugnis von der aktuellen Situation im Nahen Osten gab Bischof Antoine Audo SJ von der chaldäisch-katholischen Kirche aus Aleppo/Syrien: Es sei normalerweise nicht die Art von Christen, sich über Verfolgung, Verachtung oder Ausschluss zu beklagen, so Bischof Audo. „Wir suchen den Frieden und wollen als Christen mit allen Mitteln Koexistenz, gegenseitigen Respekt und vor allem eine Haltung der wahren Staatsbürgerschaft fördern. Aber leider haben uns die Stürme, die unsere Länder in Blut tauchten, entmutigt und in Bedrängnis gestürzt.“

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Bischof Antoine Audo SJ von der chaldäisch-katholischen Kirche aus Aleppo/Syrien auf dem Augsburger Rathausplatz. |Foto: Pressestelle Bistum Augsburg/Nicolas Schnall

Seine verzweifelte Frage, wie die christlichen Gemeinschaften in der jetzigen Situation überleben und überdauern können, stand wie ein Appell und Hilferuf gleichermaßen im Raum. Mit einigen Schlaglichtern auf die beiden Städte Mossul, als Wiege des Christentums in Mesopotamien, und Aleppo, seinen Bischofssitz, zeichnete er ein düsteres Bild für die Zukunft der Christen in dieser Region. Als einen Hoffnungsschimmer bezeichnete er die Hilfe der Kirche in Deutschland, unter anderem des Hilfswerks KIRCHE IN NOT, die bereits seit Beginn an diese Veranstaltung mitorganisieren.

Zu Beginn der ökumenischen Kreuzwegandacht im vollbesetzten Dom bekräftigte der Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog, Prälat Dr. Bertram Meier, dass es im Namen Gottes keinen Krieg geben dürfe. „Wer im Namen Gottes Waffen zückt, führt einen unheiligen Krieg. Den Weg in die Zukunft weisen nicht fanatische Glaubenseiferer, sondern pragmatische Bündnisse, damit alle in Frieden leben können – hier in der Friedensstadt Augsburg, in Deutschland und in der ganzen Welt.“ Die westliche Gesellschaft nahm der Bischofsvikar mit folgenden Worten in die Pflicht: „Wo Christen unterdrückt und verfolgt werden, da dürfen Christen in den Ländern nicht schweigen, wo Freiheit herrscht.“

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Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog, Prälat Dr. Bertram Meier bei der Kreuzwegandacht im Dom. | Foto: Pressestelle Bistum Augsburg/Nicolas Schnall

Wir Christen in Deutschland hätten nicht nur die Pflicht, auch anderen Religionen ihr Recht auf Entfaltung zuzusprechen. Wir stünden auch in der Pflicht, zur Sprache zu bringen, wo unseren christlichen Schwestern und Brüdern dieses Recht auf Religionsfreiheit vorenthalten wird. „Wir sind Sprachrohr der vielen stummen Christen, die in ihren Ländern keine Stimme haben. Das ist Ökumene der Solidarität“, betonte Bischofsvikar Meier.