Mitarbeiter der Gersthofer Backbetriebe demonstrieren in München – Gesellschafter warnt vor Blockadehaltung

Gestern demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben rund 200 Beschäftigte der Gersthofer Backbetriebe und Lechbäck in München vor der Firmenzentrale der Eigentümerin Serafin. Unterdessen hat sich Serafin-Gründer Philipp Haindl zu Wort gemeldet.

Foto: NGG

Unverständnis und Entsetzen bei den Betroffenen erzeugt die Stellungnahme der Serafin. Serafin habe gestern aufgrund der Aktionen einen Teil der Belegschaft in der Firmenzentrale heimgeschickt. „Nachdem es in der Vergangenheit bei Aktionen der NGG schon beinahe zu Handgreiflichkeiten gegenüber der Geschäftsleitung der Gersthofer Backbetriebe gekommen ist, mussten wir unsere Kollegen schützen und ihnen die Möglichkeit geben, von zu Hause aus zu arbeiten.“

108 an der Demonstration beteiligten Beschäftigten der Gersthofer Backbetriebe und Lechbäck formulierten noch auf der Rückfahrt nach Gersthofen einen offenen Brief, darin heißt es: „Heute waren fast 200 KollegInnen und ihre Familien vor der Firmenzentrale in München. … Wir wissen nicht, wie Sie auf den Gedanken kommen, dass wir jemanden von unseren Kollegen etwas antun würden. Denn die Beschäftigten in der Zentrale sind genauso Serafin-Beschäftigte wie wir. So wie das klingt, sind wir für Sie schon nicht mehr Serafin. Aber wir haben uns handwerklich für Serafin aufgeopfert und jetzt unterstellen Sie uns, dass wir gegen unsere Kollegen und Kolleginnen aggressiv seien. Das ist unerhört!

Wir wollten lediglich, dass Sie in unserer schwierigen Zeit zu uns stehen und vor dem Hauptsitz wollten wir, dass Sie endlich Rede und Antwort stehen, was wir für Serafin sind! Wir sind Serafin und wollen auch so behandelt werden! Wir zeigten heute, dass wir friedlich und verzweifelt sind. Keiner von uns ist aggressiv! Wir fühlen uns nur im Stich gelassen!“

Die Mitarbeiter antworteten damit auf eine bereits oben erwähnte und zuvor von Serafin verteilte Verlautbarung.

„Dass die Gewerkschaft sich durch Aktionen wie die gestrige Kundgebung profilieren will und mit einem anderen und völlig unabhängigen Sachverhalt vermischt, kann der Gesellschafter nicht nachvollziehen. Der Zuspruch für die Aktionen der NGG scheint auf Seiten der Mitarbeiter begrenzt zu sein. An der heutigen Aktion in München waren maximal 80 bis 100 Leute beteiligt, von denen viele keine Mitarbeiter der Backbetriebe sind.

Die Serafin Zentrale ist heute nur mit einem Teil der Geschäftsleitung besetzt. Nachdem es in der Vergangenheit bei Aktionen der NGG schon beinahe zu Handgreiflichkeiten gegenüber der Geschäftsleitung der Gersthofer Backbetriebe gekommen ist, mussten wir unsere Kolleginnen und Kollegen schützen und ihnen die Möglichkeit geben, von zu Hause aus zu arbeiten.“

Avisiertes Geld steht auf Treuhandkonto zu Verfügung

Wie die Serafin Unternehmensgruppe weiter mitteilte, wurden die avisierten kurzfristigen Mittel in Höhe von 1,5 Million Euro auf ein Treuhandkonto gezahlt. Nach Unternehmensangaben stehen hierbei rund 0,5 Mio. Euro für den geschuldeten Dezember-Lohn sowie das offene Weihnachtsgeld zur Verfügung. Die Auszahlung der weiteren rund 1 Mio. Euro wird in Abstimmung mit der Agentur für Arbeit und dem Betriebsrat für die Mitarbeiter festgelegt. Der Treuhänder wurde angewiesen das Geld auzubezahlen, sobald die Verhandlungen zwischen Insolvenzverwalter und Betriebsrat hinsichtlich eines Sozialplans abgeschlossen sind. „Diese freiwillige finanzielle Unterstützung erhalten die Beschäftigten der Gersthofer Backbetriebe zur sozialen Abfederung infolge der Betriebsstilllegung der Bäckerei.“ heißt es von Seiten Serafins.

Philipp Haindl, Gründer von Serafin, erklärt: „Wir können die Enttäuschung und den Frust aller Mitarbeiter nachvollziehen. Niemand möchte seinen Arbeitsplatz verlieren. Wir bedauern die Entwicklung bei den Gersthofer Backbetrieben sehr. Doch die Verluste, die das Unternehmen zuletzt hinnehmen musste, waren leider zu hoch. Ein Unternehmen muss so viel Geld erwirtschaften, um die Löhne der Mitarbeiter bezahlen zu können. Das war leider nicht möglich, da die Umsätze zu stark einbrachen. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und haben daher entschieden, die Mitarbeiter finanziell zu unterstützen.“

Die Verantwortlichen der Unternehmensgruppe sehen aber weiterhin eine Blockadehaltung seitens der Gewrkschaft NGG, bezüglich der Sozialplanverhandlungen mit dem Insolvenzverwalter. Aus der Unternehmenszentrale wird darauf hingewiesen, das die Beschäftigten erst Geld von der Agentur für Arbeit erhalten , sobald sich diese arbeitslos melden, ansonsten bekommen die Mitarbeiter erst später Arbeitslosengeld. „Nach unseren Informationen gibt es auch bereits Anfragen von anderen Bäckereien bzw. Unternehmen, die Personal suchen. So lange die Kündigungen nicht ausgesprochen und die Mitarbeiter nicht arbeitslos gemeldet sind, kann eine Vermittlung durch die Agentur für Arbeit nicht durchgeführt werden.“