„Mobilitätsdrehscheibe und Bahnhofsumbau sind nicht in Frage zu stellen“

Die Verzögerung bei der Fertigstellung und die Kostenexplosion beim Bau des neuen Hauptbahnhofs und der sogenannten Mobilitätsscheibe sorgen für einen Streit im Augsburger Rathaus.

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Gute Teile des Tunnels sind bereits gegraben, doch es kommt zu Verzögerungen beim Bau. | Foto: Dominik Mesch

In der vergangenen Woche musste die Stadt Augsburg gemeinsam mit den Stadtwerken erklären, dass eine neue Kalkulation zu einem späteren Fertigsstellungstermin (+3 Jahre) und einer Kostenexplosion auf 143,5 Millionen Euro beim Großprojekt „Hauptbahnhof“ kommt. Eine Gefährdung der bis 2019 geltenden Bundesförderung sehen die beiden Parteien dadurch aber nicht gegeben. „Die Zeitverzögerung, die nun bis zum Jahr 2022 voraussichtlich eintreten wird, ist auch für uns nicht erfreulich“, so Margarete Heinrich, Fraktionsvorsitzende der SPD. Doch sei den Stadtwerken hier kein Vorwurf zu machen, es werde etwa nicht entschlossen gehandelt: „Geschäftsführer Dr. Walter Casazza hat das Projekt zur Chefsache gemacht und in Abstimmung mit dem Oberbürgermeister zusätzlich externe Controller eingeschaltet, um die Schritte zu überwachen.“ Die Prüfer hatten bis zur aktuellen Entwicklungsphase kein Defizit bei den Stadtwerken Augsburg gesehen.

Augsburgs-CSU Bundestagsabgeordneter Volker Ullrich ist sich vom Fortbestand der Förderung wohl nicht so sicher und ist selbst in Aktion getreten. „Ich stehe in engem Kontakt mit Alexander Dobrindt (Anm. Bundesverkehrsminister) und Wolfgang Schäuble (Anm. Bundesfinanzminster), um eine Finanzierung großer Baumaßnahmen wie die Mobilitätsdrehscheibe hier in Augsburg auch nach 2919 sicherzustellen. Ich bin optimistisch, dass die Finanzierung und Förderung auch nach 2019 gesichert ist“, teilt Ullrich mit. In mehreren direkten Gesprächen und Schreiben an die zuständigen Bundesministerien für Verkehr und Finanzen hat sich der Augsburger Abgeordnete für eine Weiterfinanzierung nach 2019 eingesetzt.fcaugsburg_hsv "Mobilitätsdrehscheibe und Bahnhofsumbau sind nicht in Frage zu stellen" News Politik AfD Augsburg Augsburg Hauptbahnhof Bernd Kränzle CSU Freie Wähler Margarete Heinrich Mobilitätsdrehscheibe Schafitel SPD | Presse Augsburg

Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Thomas Lis zeigte sich nicht nur besorgt, sonder sogar leicht verärgert über die veröffentlichten Zahlen“Wieder werden die Zahlen unrealistisch schön dargestellt, es wird immer nur der Realität hinterhergelaufen und nur das bekanntgegeben, was sich wirklich nicht mehr verbergen läßt.“ Seine Fraktion rechnet mit endgültigen Kosten von über 200 Mio. € und den ersten regulären Straßenbahnen unter dem Bahnhof nicht vor dem Jahr 2023. Und auch der Freie Wähler-Stadtrat Volker Schafitel kritisierte das gesamte Bauvorhaben und die aktuelle Vorgehensweise. Er gehört von jeher zum Kreis der Gegner dieses Projekts. Besonders ärgerlich sieht er eine aus seiner Sicht verspätete Information der Bevölkerung. „Die Stadtwerke Augsburg haben frühzeitig über die Verzögerung der Bauzeitplanung, aber auch über die aktuelle Kostenentwicklung die Öffentlichkeit durch die Medien informiert“, weist der Fraktionsvorsitzende der CSU, Bernd Kränzle den die Aussage Schafitels zurück.

Während schon Stimmen zum Abbruch der Arbeiten und zur Beendigung des Projekts „Mobilitätsdrehscheibe“ in den jetzigen Plänen gehen, stehen andere Fraktionen weiter deutlich dazu. Stephanie Schuhknecht (Grüne): “Die Kostensteigerungen beim Bahnhofsumbau sind ärgerlich, sollten aber nicht dazu führen, dass man nun wieder das gesamte Projekt in Frage stellt. Vielmehr sollte es ein Ansporn sein jetzt so schnell wie möglich fertig zu werden und damit noch weiter steigende Baukosten zu vermeiden.“ Und auch die beiden an der Stadtregierung beteiligten Großparteien CSU und SPD teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit. „Beide Fraktionen halten an diesem großen Bauvorhaben fest. Gerade für die Belebung der Augsburger Innenstadt ist der Ausbau des Regio-Schienen-Taktes unabdingbar. Eine 15-Minuten-Taktung, wie vorgesehen, ist für das Umland nur durch den Bahnsteig F und durch die Untertunnelung des Bahnhofes sichergestellt. Aber auch die Bürgerinnen und Bürger aus dem Augsburger Westen sehnen schon seit langem einen weiteren guten Ausbau des ÖPNV herbei. Ein zeitgemäßer und behindertengerechter Aus- und Umbau des Hauptbahnhofes, so sind sich Kränzle und Heinrich einig, darf nicht mehr in Frage gestellt werden.“