Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat Altkanzler Gerhard Schröder gegen Kritik an dessen beruflichen Engagement in Russland und seinem guten Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin verteidigt. „Es war für Deutschland schon immer gut und richtig, ein gutes Verhältnis zu Russland zu haben – ebenso wie zu Ländern wie der Türkei“, sagte Müntefering dem Internetportal der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Man müsse auch mit Regimen sprechen, die nicht den deutschen Ansprüchen an Demokratie genügten. Franz Müntefering, über dts Nachrichtenagentur

Das Problem habe es auch schon gegeben, als Willy Brandt „Wandel durch Annäherung“ praktiziert habe. „Solche Formen des Zusammenwirkens können Chancen eröffnen“, sagte Müntefering. „Ohne Brandts Politik wäre die Einheit nicht möglich geworden.“

Wenn Schröder, der als Aufsichtsratschef dem russischen Stahlkonzern Rosneft vorsteht, mit seinen Posten gut verdiene, sei das nicht zu kritisieren, so Müntefering. „Das Gleiche könnte man doch über bestimmte Fußballer sagen oder über Unternehmen oder Chefs großer Banken. Sich nur über Gerhard Schröder aufzuregen, ist heuchlerisch.“ Müntefering kritisierte aber kritische Äußerungen Schröders und Sigmar Gabriels, die die SPD-Parteivorsitzende Andrea Nahles vor Kurzem öffentlich scharf attackiert hatten.

„Das war nicht nötig und hilft auch überhaupt nicht. Diese Art von Begleitmusik schadet am Ende allen“, sagte der frühere SPD-Vorsitzende. „Ich finde es richtig, dass Andrea Nahles angetreten ist und nun versucht, der Herausforderung gerecht zu werden. Das schafft nie jemand alleine. Da müssen viele mithelfen.“