Mutter lässt Baby fast verhungern – Landgericht Augsburg überschreitet sogar Forderung der Anklage

Heute wurde vor dem Augsburger Landgericht das Urteil in einem besonders bewegenden Fall gesprochen. Die Richter verurteilten eine Frau, die ihr Baby fast verhungern ließ, zu einer drastischen Gefängnisstrafe von sieben Jahren. Sogar die Anklage hatte weniger beantragt.

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Symbolbild

Seit einer guten Woche wurde vor dem Augsburger Landgericht ein besonderes bewegender Fall verhandelt. Die 29-jährige Sindy P. musste sich dort verantworten, da sie ihren damals acht Monate alten Sohn Jeremy beinahe verhungern ließ.

Die fünffache Mutter hatte das Baby über vier bis sechs Wochen nicht gefüttert und wohl auch längere Zeit nicht gewaschen. Am 04.Mai 2015 wurde er, durch das Einwirken einer Jugendamtsmitarbeiterin, aus der Wohnung in einer Unterkunft für Obdachlose im Bärenkeller in die Kinderklinik verbracht. Zu diesem Zeitpunkt wog er ungefähr soviel, wie mancher Neugeborene, unter vier Kilogramm. Normalerweise wiegen Kinder in diesem Alter bis zu zehn Kilo. Von einem „erbärmlichen Zustand“ und einem „Anblick, wie man ihn sonst nur aus Afrika kennt“ war im Prozess die Rede. Aufgrund der fehlenden Kräfte war Jeremy über einen längeren Zeitraum nur nahezu regungslos gelegen, seine Muskeln waren entsprechend verkürzt. Der kleine Mann schwebte in akuter Lebensgefahr.

Die Angeklagte gab zu Protokoll, dass sie dies alles nicht vorsätzlich oder wissentlich getan habe. Depressionen und Alkoholsucht hätten ihren Anteil an dieser Situation. Sie habe das Kind immer mit Milch versorgt. Eben dies wurde aufgrund der Beweislage angezweifelt. Der Staatsanwalt sprach davon, dass sie die drei mit ihr in der Wohnung lebenden Kinder hungern ließ, bis diese ruhig waren. Der Vorsitzende Richter brachte es in seiner Urteilsverkündung noch klarer auf den Punkt: „Sie nahm den Tod ihres Kindes billigend in Kauf.“ Dafür verurteilte das Gericht Sindy P. wegen versuchtem Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Jeremy befindet sich bereits seit letztem Jahr bei seinem Vater. Ihm geht es wie durch ein Wunder wieder gut. Seine vier (Halb-) Geschwister sind nach unseren Informationen in der Obhut des Jugendamtes.