Nach Aus für SPZ | Hessing Stiftung hinterfragt Entscheidungsbegründung

Mehr als fünf Wochen nachdem man dem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) der  Hessing Stiftung eine neue Ermächtigung für den Weiterbetrieb verweigert hat, kam jetzt die  Begründung des Zulassungsausschusses. Eine Begründung, die nach Meinung der Stiftung, die  Entscheidung keinesfalls rechtfertigt: „Von der Entscheidung sind wir enttäuscht, von der  Begründung noch viel mehr. So etwas hätten wir nicht für möglich gehalten“  

Nach Ansicht der Stiftung wird in der Begründung gar nicht auf die Kernleistungen eines SPZ  eingegangen. Zudem habe sich der Zulassungsausschuss von sachfremden Erwägungen leiten lassen.  So werde angeführt, dass die Anbindung an eine große Kinder- und Jugendklinik mit ein Hauptgrund  für die Vergabe einer Ermächtigung sei. Dies sei bei dem Josefinum gegeben, bei der Hessing Stiftung  nicht.  

„Angesichts der Tatsache, dass ein Drittel der bundesweit rund 150 Sozialpädiatrischen Zentren nicht  an eine Kinderklinik angegliedert ist, kann dies ja wohl kein Grund sein. In den vergangenen Jahren hat  dieser Aspekt nie eine Rolle gespielt und alle Betroffenen haben uns tadellose Arbeit bescheinigt, jetzt  soll dieses bisher unbekannte Kriterium mit ausschlaggebend für die Verweigerung der Ermächtigung sein“, so Hessing Direktor Roland Kottke. Zudem sage die Einbeziehung eines SPZ in eine Kinderklinik  nichts über die apparative und personelle Ausstattung in einem Sozialpädiatrischem Zentrum aus.  

Mit Erstaunen zur Kenntnis genommen habe man zudem, so Kottke, dass eine offizielle Empfehlung  der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, der Hessing Stiftung die Ermächtigung zu verlängern,  offenbar völlig unter den Tisch gefallen sei.  

Stattdessen stelle sich der Zulassungsausschuss gegen seine eigene Vereinigung und beziehe sich bei  der Begründung auf eine angeblich offizielle Stellungnahme des Landesverbandes Bayern des  Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V., indem fast 1700 Kinder- und Jugendärzte  organisiert sind. Tatsächlich handele es sich jedoch um eine Empfehlung von acht (!) einzelnen Kinder und Jugendärzten und keineswegs um eine offizielle Stellungnahme des Berufsverbandes.

Kottke:  „Beim Lesen der Begründung bekommt man den Eindruck, dass nicht abgewogen und entschieden  wurde, sondern dass man umgekehrt vielmehr versucht, eine längst gefallene Entscheidung jetzt  mühsam zu begründen. Unsere Hoffnung ist, dass der Berufungsausschuss die Entscheidung sorgfältig prüft und dann eine  Entscheidung trifft, die für alle Beteiligten nachvollziehbar ist.

Wenn die Fakten ernsthaft geprüft  werden, wenn gewissenhaft abgewogen wird, und wir dann nicht zum Zug kommen, werden wir ein  fairer Verlierer sein“. Von einem solchen nachvollziehbaren Verfahren sei man aber noch weit  entfernt.