Nach „unschönem“ Facebook-Kommentar gegen sich – Augsburger Stadträtin McQueen äußert sich

Die Augsburger Stadträtin Lisa McQueen (DIE PARTEI) war das Ziel eines Facebook-Kommentars, der unter dem Namen des Augsburger AfD-Stadtverbandes abgegeben wurde. Die junge Frau stellte daraufhin Anzeige. Wir haben Lisa McQueen zum aktuellen Fall befragt.

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Stadträtin Lisa McQueen (hier am Wahlabend) hatte einen Facebook-Kommentar der AfD zur Anzeige gebracht | Foto: Wolfgang Czech

Auf Facebook waren sie das Ziel eines Posts der Augsburger AfD, der ihre Hautfarbe (Zitat: maximalpigmentiert) und ihr Geschlecht als ihre einzigen Eignungen herausstellte. Wie kam es dazu, dass sie das Ziel dieser zweifelhaften Nachricht wurden?

Es kam unterwartet und aus dem Nichts. Auf Facebook hat die AfD etwas rund um das Klimacamp gefordert, wahrscheinlich nur wieder wegen des Forderungswillens. Einer unserer Genossen hat belustigt mit „Dann fordert mal“ geantwortet, und dann schaukelten sich die Kommentare von der AfD und deren Anhängern hoch. Zuerst wurden wir zum Schützer der „militanten Linksextremen“ und dann kam auch der unschöne Kommentar.

Sie sitzen seit Beginn dieser Legislaturperiode im Augsburger Stadtrat, kam es dort zu ähnlichen „Berührungspunkten“ zwischen Ihnen und den vier AfD-Räten?

Nein, direkte Berührungspunkte gab es bisher keinerlei. Die AfD glänzte bisher „nur“ mit feinster Satire im Stadtrat. Zumindest interpretieren wir es bislang so.

Sie haben Anzeige gegen den Verfasser, den Augsburger AfD-Vorsitzenden Steffen Müller, gestellt. Was versprechen Sie sich davon?

Es ging zum einen darum, der Bevölkerung zu zeigen, dass rassistische und sexistische Aussagen und Beleidigungen irgendwann einfach nicht mehr geduldet werden sollten. Einer Partei, deren Existenz überwiegend aus Hass gegenüber anderen besteht, sollte man auch mal die Grenzen aufzeigen. Der große Zuspruch den wir bisher vom Stadtrat und der Bevölkerung bekommen haben gibt uns dabei Recht.

Stadträte nahezu aller Fraktionen und auch die fraktionslosen Stadtratsmitglieder haben sich öffentlich hinter sie gestellt und den Post verurteilt. Hat Sie dies bestärkt und in ihrem Vorgehen unterstützt?

Die Anzeige wurde schon erstattet, bevor es zur Stadtratssitzung kam. Jedoch bin ich sehr beeindruckt und dankbar, dass sich der komplette Stadtrat, außer der AfD, hinter mich als Person gestellt hat und die Ablehnung gegen die Äußerungen der AfD auch von der Oberbürgermeisterin angesprochen wurden. Dies war vermutlich das erste Mal, dass der Stadtrat sich so einig war und so geschlossen gezeigt hat. Der Anlass hierfür ist leider nur sehr schade.

Aufgrund Ihrer Anzeige hatte die Polizei am Freitag eine Hausdurchsuchung bei Müller durchgeführt. Die AfD sieht die Ermittlungen als Versuch die Partei „systematisch zu diffamieren und ihr aktives Personal einzuschüchtern“. Wenn sie diese Aussage des Landtagsabgeordneten und Bezirksvorsitzenden Gerd Mannes lesen (eigener Beitrag), was geht dann in Ihnen vor?

Eine typische Aussage der AfD um sich in die wie immer in die Opferrolle zu begeben. Dass es nach der Anzeige gleich innerhalb von 24 Stunden zu einer Hausdurchsuchung kommt, konnte natürlich nicht erahnt werden und war auch nicht so gewollt. Aber die Schnelligkeit des Rechtsstaates ist schon bemerkenswert. Es Diffamierung zu nennen, wenn man eine Person aufgrund rassistischer und sexistischer Äußerungen anzeigt, hat auch schon fast was von Realsatire.

Sie sind für DIE PARTEI als OB-Kandidatin angetreten und in den Stadtrat eingezogen. Wie andere Stadtratsmitglieder bestätigten, ist ihr Einsatz im Gremium aber mehr als reine Satire. Wie zufrieden sind sie, abgesehen von dem aktuellen Fall, mit ihrer Zeit im Stadtparlament?

Als Politik-Newcomer ist es sicherlich nicht einfach in diesem „Geschäft“ Fuß zu fassen. Jedoch macht es bisher unheimlich Spaß etwas für die Stadt zu bewegen und ich habe mit meiner Partei auch sehr viele fleißige Helfer hinter meinem Rücken, die mir diesen stärken und mich unterstützen. Sechs Jahre sind eine lange Zeit, und bisher ist noch nicht mal ein halbes Jahr vorbei. Also noch genug Zeit mehr zu erreichen, zu wachsen und etwas zum Positiven zu verändern.

Wie wird dieser „Zwischenfall“ Sie in Ihrer weiteren politischen Arbeit beeinflussen?

Als Queen heißt es aufstehen, Krone richten und weitermachen. Also hoffentlich gar nicht.

Die Fragen stelle Presse Augsburg-Redaktionsleiter Dominik Mesch