Neu-Ulm | Eine neue städtische Visitenkarte am Heiner-Metzger-Platz

Das LEW-Areal am Heiner-Metzger-Platz in Neu-Ulm soll neu gestaltet und bebaut werden. Jetzt ist klar, wie der Platz in Zukunft aussehen soll. Bei einem Architektenwettbewerb wurde der Entwurf des Büros Blocher Partners, Stuttgart einstimmig als Siegerentwurf ausgewählt.

Visualisierung Lew Buero Blocher Partners Stuttgart
© Büro Blocher Partners, Stuttgart

Die Entwicklung des sogenannten LEW-Areals am Heiner-Metzger-Platz in der Neu-Ulmer Innenstadt schreitet seit Monaten voran. Die Stadt hat eigens für die Neuausrichtung des innerstädtisch äußerst bedeutsamen Areals eine eigene Projektentwicklungsgesellschaft gegründet, die Entwicklungsgesellschaft Neu-Ulm GmbH.

Für das Neubauprojekt sollen die Häuser, die sich in städtischem Besitz befinden, abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Hierzu gehört unter anderem auch das Gebäude, in dem sich die Stadtbücherei befindet.

Diese wird, ebenso wie der Generationentreff Ulm/Neu-Ulm, im neuen Gebäude einziehen. Darüber hinaus sind hier auch Wohnungen sowie Flächen für Gastronomie, Gewerbe und Büros vorgesehen. Parkplätze werden in einer unterirdischen Tiefgarage entstehen.

Die Entwicklungsgesellschaft Neu-Ulm GmbH mit ihrem Geschäftsführer Berthold Stier hat unter Mitwirkung der nps Bauprojektmanagement GmbH für den Neubau einen Architekturwettbewerb ausgelobt. 15 Architekturbüros haben teilgenommen und bis Oktober 2020 ihre Entwürfe ausgearbeitet und abgegeben.

Ein Preisgericht hat am vergangenen Freitag, 5. Februar, bei einer 15-stündigen digitalen Preisgerichtssitzung die eingereichten Entwürfe bewertet und insgesamt drei Preise und zwei Anerkennungen vergeben.

Dem Preisgericht gehörten neben Fachpreisrichtern auch Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger, Stadtbaudirektor Markus Krämer, sowie Mitglieder des Aufsichtsrates der Entwicklungsgesellschaft als Sachpreisrichter an. Beratend waren auch die Verantwortlichen der Neu-Ulmer Stadtbücherei vertreten.

 

Die Preisträger:

·       1. Preis: Blocher Partners, Stuttgart

·       2. Preis: Hascher Jehle Design GmbH, Berlin

·       3. Preis: h4a Gessert + Randecker Architekten GmbH, Stuttgart

·       Anerkennung: Auer Weber Assoziierte GmbH, Stuttgart

·       Anerkennung: Nieto Sobejano Arquitectos GmbH, Berlin

 

Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger ist begeistert vom Ergebnis der Preisgerichtssitzung: „Aus Text und Wort der Auslobung wurden durch den Architektenwettbewerb Raum und Form. Die Neubebauung des LEW-Areals ist ein extrem wichtiger Meilenstein für unsere Stadt. Aufgrund des prominenten Standorts in der Innenstadt ist das neue Bauwerk insgesamt prägend für das Gesamtbild der Stadt – es ist eine bedeutende Visitenkarte! Auch wenn mir die Optik der einzelnen Entwürfe wirklich sehr gefällt, zählt natürlich nicht nur die äußere Hülle. Die Funktionalität des Gebäudes ist genauso wichtig. Denn nur durch die Funktionalität wird das Gebäude für alle Neu-Ulmerinnen und Neu-Ulmer auch erlebbar“.

Der Siegerentwurf des Büros Blocher Partners, Stuttgart sieht ein siebengeschossiges Gebäude mit einer Nutzfläche von rund 11.000 Quadratmetern vor. Rund 4.000 Quadratmeter hiervon werden für Wohnungen eingeplant. Insgesamt sollen 56 Wohnungen der unterschiedlichsten Größe und Ausprägung entstehen. Die Stadtbücherei wird auf gut 1.800 Quadratmetern, verteilt auf zwei Stockwerken, ihr neues Reich im Gebäude finden. Die weiteren Flächen stehen für eine gastronomische Nutzung, für Büroräume und den Generationentreff Ulm/Neu-Ulm zur Verfügung. Unterirdisch sind insgesamt 256 Stellplätze in einer Tiefgarage geplant. Die Zufahrt wird über die Maximilianstraße erfolgen.

Coronabedingt ist es leider nicht möglich, die ausgezeichneten Entwürfe der Öffentlichkeit im Rahmen einer Ausstellung zu zeigen. Die eingereichten Arbeiten werden aber für alle Interessierten in einem virtuellen Projektraum digital für eine Besichtigung zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen hierzu gibt es im Laufe der Woche auf der Homepage der Stadt Neu-Ulm unter www.neu-ulm.de .

Die Fertigstellung ist für 2025 geplant

Das Verhandlungsverfahren mit den Preisträgern wird bis Ende März abgeschlossen. Anschließend beginnt das ausgewählte Büro mit der Planung. Die Bestandsgebäude am Heiner-Metzger-Platz sollen bis Sommer geräumt werden. Nach der Außerbetriebnahme erfolgt im Jahr 2022 der Abriss des bestehenden Gebäudes. Baubeginn für das neue Gebäude ist im Jahr 2023. Die Fertigstellung ist für Mitte 2025 geplant.

Ein starkes und gleichzeitig erfrischendes Statement am Heiner Metzger Platz

Der von der Jury mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf formuliert ein starkes und gleichzeitig erfrischendes Statement am Heiner Metzger Platz. Es trägt den hybriden Nutzungsmix seines Innenlebens auf seiner Fassade und strahlt so kraftvoll in den umgebenden Stadtraum Neu-Ulms. Durch die vertikale Stapelung der unterschiedlichen Funktionen und deren jeweils sehr individuelle Gestaltung erhält jeder Bereich sein eigenes Gesicht. Es entsteht eine abwechslungsreiche räumliche Collage, die ein modernes und lebendiges Stadtbild verkörpert. Die differenzierte Gliederung des Baukörpers verleiht dem großen Haus Massstäblichkeit und Eigenständigkeit. Ein erdgeschossiger Rücksprung formuliert eine überzeugende Eingangsgeste zum Heiner Metzger Platz, die von der Gastronomie, dem Hauptzugang und dem Generationentreff glaubhaft belebt werden. Vom Foyer aus wird auf direktem Weg der Veranstaltungssaal erreicht. Über eine attraktive Treppe gelangen die Besucher hinauf ins 1.Obergeschoss, von dem aus sich die Bibliothek über zwei Etagen um einen zentralen Luftraum herum entwickelt. Um den Innenhof herum entwickelt sich eine U-förmige Bürostruktur die über die beiden Treppenhäuser in flexible Einheiten unterteilbar ist. Die vorgeschlagene räumliche Gliederung erlaubt es, verschiedene Bürokonzepte zu realisieren. Die oberen drei Geschosse dienen ausschließlich dem Wohnen, so dass hier eine ganz eigene Welt auf dem Dach des darunterliegenden Gebäudes entsteht. Dieses Dach wird wie ein eigenes Grundstück behandelt, von dem aus manche Wohnungen wie Reihenhäuser direkt von außen erschlossen werden können. Der Übergang vom Sockelbau zu den drei Wohnetagen wird über eine begrünte Zäsur baukörperlich unterstrichen. Es wird ein sehr vielfältiger Wohnungsmix angeboten. Zum oberen Rand hin löst sich das Gebäude in kleinere Teile auf, in den Zwischenbereichen werden Dachgärten für die Bewohner vorgeschlagen. Auch in seiner Konstruktion zeigt sich das Haus sehr differenziert, so werden die drei Wohngeschosse in Holzhybridbauweise vorgeschlagen, während der untere Bereich des Hauses als Betonskelett geplant ist. Bei einer möglichen Realisierung dieses mutigen Projektes wird es sehr auf eine akkurate Detaillierung bei der Fügung der unterschiedlichen Bauteile ankommen.

Insgesamt ein Projekt, das die städtebaulichen und funktionalen Vorstellungen der Ausloberin in sehr hohem Maße erfüllt und darüber hinaus einen sehr anregenden und phantasievollen gestalterischen Impuls in die Stadt hinein aussendet.