Neue Ausstellung im Maximilianmuseum anlässlich 500 Jahre Fuggerei eröffnet

Wer kennt sie nicht: Die Fuggerei in Augsburg. Jetzt am 23. August ist es 500 Jahre her, dass Jakob Fugger „der Reiche“ die älteste Wohnsiedlung der Welt gestiftet hat. Und das in einer Zeit, die als „Goldene Zeit“ in das Gedächtnis der Stadt eingegangen ist. Dieser Fuggerzeit widmet sich die Ausstellung „Stiften gehen! Wie man aus Not eine Tugend macht“ im Maximilianmuseum. Um das Jahr 1521 konzentrieren sich in der pulsierenden Metropole Augsburg wie in einem Brennglas weltweite Phänomene, die bis heute nachwirken. Neben dem Glanz zeigt die Ausstellung aber auch die Schattenseiten, welche noch selten so in den Blick genommen wurden.

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Foto: Wolfgang Czech

Zusammen mit der Ausstellung im Maximilianmuseum, die das Stiftungswesen beleuchtet, wurde auch die Ausstellung „1521“ des Diözesanmuseums St. Afra eröffnet. Diese weitet den Blick auf das Weltgeschehen: Thematisiert wird Magellans Weltumsegelung, die Eroberung Mexikos durch die Spanier, der Reichstag zu Worms mit der darauffolgenden Bannung Martin Luthers sowie die Eroberung Belgrads durch die Osmanen.

Parallelen zur Corona-Krise

Obwohl die Zeit der Fuggerei-Stiftung weit weg scheint, zeigen sich bei genauem Hinsehen erstaunliche Parallelen zu der von der Corona-Pandemie geprägten Gegenwart: Auch damals waren die Menschen Klimawandel, Seuchen und einem unaufhaltsamen Wertewandel ausgesetzt. „Wie man vor 500 Jahren auf diese Krisen reagiert hat, was Stiftungen damit zu tun haben und welche urmenschlichen Phänomene uns über die Zeiten verbinden, wird die Ausstellung erlebbar machen“, verspricht Kuratorin Dr. Heidrun Lange-Krach.

Kulturreferent: „Stiftungen haben die Stadt stark geprägt.“

„Die Vielfalt der im Lauf der Jahrhunderte entstandenen Augsburger Stiftungen haben die Stadt nachhaltig geprägt. Ziel des Engagements war es dabei immer, die Lebensbedingungen für die Menschen zu verbessern. Im Stiftungsamt der Stadt sind viele dieser gemeinnützigen Stiftungen aufgegangen und bis heute wirksam: Ein wichtiger Beitrag der Solidarität in der Stadtgesellschaft, den diese Ausstellung zum Thema Stiften ebenfalls würdigt und sichtbar werden lässt“, so Kulturreferent Jürgen K. Enninger. „Eine wichtige wissenschaftliche Ergänzung über Stiftungen und ihre Entstehung in Augsburg ist dabei der Katalog. Dort lassen sich wichtige Rahmendaten nochmals nachlesen“, so Enninger weiter.

Alte Meisterwerke und zeitgenössische Kunst

Hochkarätige Leihgaben international bedeutender Sammlungen, Meisterwerke der „Goldenen Zeit“, von damals wie heute bedeutenden Künstlern wie Albrecht Dürer, Hans Burgkmair d. Ä. oder Hans Daucher lassen die damalige Pracht der kunstsinnigen „Fuggerstadt“ aufleben. Ein Highlight ist das damit für kurze Zeit heimkehrende Hochzeitsbild von Jakob Fugger und Sibylla Artzt (1498) aus der Schroder Collection (London) von Hans Burckmair d. Ä. Zu sehen sind aber auch Klassiker der Kunstszene, wie „Die drei Stände der Christenheit“ von Bartholomäus Bruyn d. Ä., aber auch Objekte, aus dem Depot der Kunstsammlungen wie etwa die Hungersemmeln von 1817.

Beteiligung von lokalen Kunstschaffenden

Ergänzend dazu entstanden einige Elemente der Ausstellung in einem partizipativen Austausch mit Akteuren und Akteurinnen der Stadtgesellschaft sowie lokalen Kunstschaffenden. Sie setzen unter anderem berührende Zeugnisse vergessener Einzelschicksale in Szene, wie etwa Sophie Te, die ein Gedicht des Malers Barnabas Holzmann, Zeitzeuge einer Hungersnot um 1570, in einen zeitgenössischen Rap transferiert. Eintauchen in den historischen Alltag um 1521 lässt sich auch mit der Graphic Novel zur Ausstellung, gezeichnet von Paul Rietzl. Verschiedene Hörstationen, bespielt von Blue Spot Productions oder dem Theter Ensemble erwecken das 16. Jahrhundert zudem zum Leben. Zu hören ist auch Musik aus der Zeit mit Personat und AUXantiqua. Das Künstlerkollektiv Colligatio sorgt mit einem eigens zusammengestellten Stiftungs-ABC für den richtigen Durchblick.

„Die vielfältige Beteiligung der künstlerischen und kreativen Szene Augsburgs ist ein besonders schöner und außergewöhnlicher Aspekt dieser Ausstellung. Über diese besonderen Ausstellungsstücke wird der Besuch zu einem echten Erlebnis“, so Dr. Christof Trepesch, leitender Direktor der Kunstsammlungen & Museen Augsburg. „Eine zeitgemäße Würdigung des bürgerlichen Engagements muss den Erfahrungen der heutigen Gesellschaft eine Plattform bieten.“ (Die Liste aller Kooperationspartner und Partnerinnen ist am Ende der Pressemitteilung zu finden).

Die Ausstellung erleben

Audioguides mit Musik, sowie Hör- und Taststationen versprechen einen außergewöhnlichen Museumsbesuch. Erstmalig entsteht auch ein Computerspiel zur Sonderausstellung, in dem man selbst das Schicksal eines Charakters aus dem 16. Jahrhundert bestimmen kann. Neu ist auch eine App, die sechs Audiorundgänge für verschiedene Zielgruppen, historische Musik- und Quiztouren, sowie Führungen in leichter Sprache und in deutscher Gebärdensprache anbietet. Die App der Kunstsammlungen und Museen Augsburg wurde im Rahmen des Projektes DIWA (Das inklusive Wir ins Augsburg) mit freundlicher Unterstützung durch die Europäische Union und den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds erstellt (AMIF).

Die Fuggerei wird 500 – Ein Rundgang durch die Siedlung und Geschichte

Um allen Gästen einen entspannten und interessanten Besuch zu ermöglichen, hat die Kunst- und Kulturvermittlung ein umfangreiches und inklusives Veranstaltungsprogramm entwickelt. Einige der angebotenen Formate sind neu, etwa für gehörlose und sehbehinderte Menschen, sowie für Familien, wie die 30-minütigen „Kanguru-Führungen“ für junge Eltern mit Babys im Tragetuch. Kinder, die die Ausstellung besuchen, können mit einem Einkaufsspiel beispielsweise erfahren, wieviel sie auf dem Markt für einen Maurer-Wochenlohn bekommen.