Neue Brechtbühne im Gaswerk feiert Eröffnung mit einer Uraufführung

Am 12. Januar ist es endlich soweit: Das Staatstheater Augsburg feiert die Eröffnung seiner zweiten Interimsspielstätte, der neuen brechtbühne im Gaswerk, mit der Uraufführung von William T. Vollmanns grandiosem Tausendseiter „Europe Central“!Europe-Central_c_Stefanie-Sixt Neue Brechtbühne im Gaswerk feiert Eröffnung mit einer Uraufführung Augsburg Stadt Kunst & Kultur News brechtbühne Europe Central Gaswerk Staatsthater Augsburg Theater Augsburg Uraufführung William T. Vollmann | Presse Augsburg

2005 wurde der US-amerikanische Autor für seine »exploration of the all too human/Erforschung des Allzumenschlichen« mit dem National Book Award ausgezeichnet, für die deutsche Übersetzung gewann Robin Detje 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse. Hausregisseurin Nicole Schneiderbauer bringt den Roman nun erstmals auf eine Bühne und schafft es mit ihrer körperlichen und musikalischen Inszenierung diesen komplexen Stoff theatral zu deuten.

Jahrhundertelang hielt Europa sich für den Nabel der Welt. Auch fernab jeglichen Eurozentrismus muss man allerdings feststellen, dass unser Kontinent lange Zeit eher das Pulverfass der Welt war, insbesondere im letzten Jahrhundert. Die beiden großen Terrorsysteme Hitlertum und Stalinismus haben das alte Europa »ausradiert, dem Erdboden gleichgemacht, eingedeutscht, sowjetisiert, völlig zerschmettert«. Was all das mit den Menschen gemacht hat, untersucht der US-amerikanische Autor William T. Vollmann in seinem Roman „Europe Central“ an den Biografien der großen Künstler*innen der Epoche: So begegnet man u. a. Käthe Kollwitz in Berlin, Anna Achmatowa in Leningrad und immer wieder Dmitri Schostakowitsch, dessen Lebensdaten (1906 — 1975) den Handlungszeitraum des Romans festlegen. Es sind seine Werke, die immer wieder wie ein apokalyptischer Soundtrack zwischen den Erzählungen zu hören sind.

Der ganze Roman ein zur Symphonie gewordenes Stimmengewirr, das multiperspektivisch ein Panorama des 20. Jahrhunderts öffnet — im Zentrum die beiden großen mörderischen totalitären Systeme, die Vollmann gegenüberstellt und moralisch gleichsetzt. Sein durch jahrelanges Quellenstudium und tiefschürfende Recherchen in Biografien, historischen Arbeiten, Tagebüchern und Briefen angehäuftes Faktenwissen verflicht der Autor mit fiktionalen, mitunter surrealen Momenten und schafft dadurch eine beklemmende, fast unheimliche Atmosphäre. Ausgehend von den Mikrokosmen der verschiedenen Erzähler*innen untersucht Vollmann die grundsätzlichen Bedingungen menschlicher Existenz in Extremsituationen. Und obwohl die Handlung des Tausendseiters mit Schostakowitschs Tod 1975 endet, hat all das seltsam viel mit dem Europa von heute zu tun, von dessen Landkarte Deutsches Reich und Sowjetunion längst verschwunden sind.

Premiere 12.1.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk

Weitere Termine 17.1.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 19.1.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 25.1.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 8.2.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 15.2.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 12.3.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 31.3.2019 18:00 | brechtbühne im Gaswerk 5.4.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 13.4.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 17.4.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk 12.6.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk