Der neue Wirtschaftsweise Martin Werding hat die Bundesregierung dazu aufgefordert, Renten-, Pflege- und Krankenversicherung neu aufzustellen. „Die Bundesregierung muss dringend grundlegende Reformen der sozialen Sicherungssysteme anstoßen“, sagte er dem „Handelsblatt“ (Donnerstagsausgabe).

Das Bundeskabinett hat den Bochumer Ökonomen am Mittwoch in den „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ berufen. Bis 2035 werde der demografische Alterungsprozess ein enormes Tempo entfalten, warnte Werding. „Der ganz große Druck steht uns noch bevor.“ Insbesondere fordert der Ökonomen, das Renteneintrittsalter mit der steigenden Lebenserwartung zu erhöhen.

„Die Bundesregierung muss dringend ihre Blockade aufheben und das Eintrittsalter an die Lebenserwartung koppeln“, so Werding. Diese Maßnahme sei „logisch und gerecht zugleich“. Er verteidigte zudem den Plan von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), die Schuldenbremse im kommenden Jahr wieder einzuhalten. „Die Bundesregierung sollte alles daran setzen, 2023 nicht erneut von der Ausnahmeregelung der Schuldenbremse Gebrauch zu machen.“

Zu seiner Berufung als Wirtschaftsweiser sagte er: „Ich will Teil eines Sachverständigenrats sein, der Wegweiser für die Politik aufstellt und eine Bandbreite sinnvoller Handlungsmöglichkeiten absteckt.“ Zur Kritik von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), die dieser zuletzt mehrfach an Ökonomen geäußert hat, sagte Werding: „Das Beste ist es, solche Aussagen vorüberziehen zu lassen.“

Foto: Seniorin im Rollstuhl, über dts Nachrichtenagentur

Neuer Wirtschaftsweiser Verlangt Grundlegende Sozialreform