Der Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps hat für Deutschland einen Mentalitätswandel gefordert. Das Land dürfe nicht dem Zeitgeist folgen, und sozialistische Ideen umsetzen. „Deutschland braucht eindeutig mehr Kapitalismus als weniger“, sagte Phelps der „Welt“ (Montagsausgabe).

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Schon in der Schule bekämen die Kinder die völlig falschen Werte vermittelt. Dort gelte Kapitalismus als brutal, Start-Ups als waghalsige Unterfangen. Da müsse sich das Land nicht wundern, wenn es für junge Menschen wenig erstrebenswert sei, ein Unternehmen zu gründen und sich dabei Kapital zu besorgen. „Werte wie Selbstverantwortung, ökonomische Freiheit, Wettbewerb, Leistung, Erfolg genießen keine Wertschätzung“, so Phelps weiter. Eine groß angelegte Industriepolitik, die sich zum Ziel macht, europäische Champions zu schmieden, die im Kampf mit den USA und China mitspielen können, lehnte Phelps ab. Die Politik sei nicht unbedingt gut darin, wettbewerbsfähige Unternehmen zu errichten. „In Europa ist ausreichend private Expertise vorhanden. Die muss nur entfesselt werden durch einen generellen Mentalitätswandel. Bloße Subventionen und Industriepolitik nützt da nichts.“ Phelps sprach sich jedoch für eine konsequente Wettbewerbspolitik aus. „Große Monopolisten wie Google, Amazon oder Facebook gehören zerschlagen“, sagte Phelps. Google müsse nicht so breit diversifiziert sein und immer neue Geschäftsfelder hinzufügen. Allerdings müsse die Wettbewerbsbehörde bei einer Zerschlagung klug und vorgehen. Sie dürfe nicht dazu führen, dass das Kerngeschäft nicht mehr funktioniert. Phelps bekam seinen Nobelpreis im Jahr 2006.

Noch heute forscht der 86-jährige an der Columbia Universität in New York und leitet dort das Zentrum für Kapitalismus und Gesellschaft.