Der Spielplan, für Sportinteressierte mitunter ohnehin ein Buch mit sieben Siegeln, ist einer jener Faktoren für Erfolg oder Misserfolg, den Sportlerinnen und Sportler am wenigsten beeinflussen können. Umso mehr freut sich der geneigte Athlet, wenn eben jene Abfolge von sportlichen Vergleichen ihn in seiner Entwicklung voranbringt. Im Mannschaftssport gilt es in der Regel als förderlich, wenn sich die Anforderungen langsam steigern und die Höhepunkte erst gegen Ende einer Spielzeit anstehen, eben dann, wenn man selbst gut trainiert und im Team gefestigt ist. Soweit die Theorie.

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Viel Grund zur Freude hatten die Angels-Akteurinnen im bisherigen Saisonverlauf (von links): Sami Hill, Elina Koskimies, Lena Graf, Olena Vasylenko, Lea Favre, Lucy Michel, Laken James, Johanna Klug, Anissa Pounds und Mariam Hasle-Lagemann Foto: Jochen Aumann

In der Praxis können sich die Bundesliga-Basketballerinnen der Eigner Angels Nördlingen über den Spielplan der Saison 2022/23 nicht beklagen. Mit Ausnahme des glatt verlorenen Auftaktspiels beim auch nach der fünften Runde noch ungeschlagenen Tabellenführer TK Hannover gab es in der ersten Saisonhälfte durchweg machbare Aufgaben und die hat das Team von Trainer Ajtony Imreh mit Bravour gelöst. Die Erfolgsserie von vier Siegen hintereinander, die das Team bis auf den dritten Tabellenplatz hievte, kann dabei an den nächsten beiden Wochenenden noch ausgebaut werden: In eigener Halle gegen die GiroLive Panthers Osnabrück (diesen Sonntag um 16 Uhr) und sechs Tage später gegen die inexio Royals Saarlouis (19. November, 18 Uhr) wollen Sami Hill, Elina Koskimies und Co. ihren Spitzenplatz festigen, ehe die Vorrunde dann im Dezember mit den Krachern in Freiburg, daheim gegen Keltern und bei den Rheinland Lions abgeschlossen wird.

Ist Osnabrück, Überraschungs-Vizemeister der Corona-Saison 20020/21 und im Jahr darauf erneut Halbfinalist, wieder eine machbare Aufgabe für die Rieser Korbjägerinnen? Machbar ja, aber sicher nicht im Vorbeigehen. Die Niedersachsen, mit rund 510 Kilometern einfach das Team mit der längsten Anfahrt ins Ries, überzeugten zuletzt mit einem souveränen 71:50-Heimsieg gegen Halle, obwohl mit Jenny Strozyk, Chelsea Waters und Victoria Poros drei Leistungsträgerinnen fehlten. Die „Galavorstellung“, so die Neue Osnabrücker Zeitung in ihrem Nachbericht, bedeutete den zweiten Saisonsieg nach dem 66:52 in Herne; Niederlagen gab es zum Saisonauftakt gegen Aufsteiger Alba Berlin (61:64) und am dritten Spieltag beim deutschen Meister Freiburg, hier allerdings hauchdünn mit 71:72. Aktuell steht das Team von Trainer Aleksandar Cuic mit ausgeglichener Bilanz auf Tabellenplatz sechs.

Beide Teams trafen bereits in der Saisonvorbereitung aufeinander, als sich die Panthers mit einem 66:61-Erfolg im Finale gegen Gastgeber Nördlinger den Angels-Cup sicherten. Die Niedersachsen beeindruckten dabei mit einem starken Kollektiv aus guten deutschen Akteurinnen und sehr effektiven Ausländerinnen. Das bestätigt auch die Statistik im bisherigen Saisonverlauf, in der die US-Amerikanerin Paisley Harding, eine starke Dreierwerferin (15,3 Punkte im Schnitt), die Slowakin Stella Tarkovicova (11,8) und die junge Centerin Stella Reichert, Neuzugang aus Göttingen (11,3 Punkte und 10,5 Rebounds im Schnitt) besonders überzeugten. Zu beachten sind zudem US-Centerin Chelsea Waters und die zuverlässige Aufbauspielerin Jenny Strozyk.

Dem steht ein Nördlinger Team gegenüber, das sich bislang vor allem auf die kanadische WM-Vierte Sami Hill sowie die beiden finnischen Nationalspielerinnen Elina Koskimies und Anissa Pounds verlassen konnte. Pounds führt mit 85 Punkten aus fünf Spielen sogar die aktuelle Liste der DBBL-Topscorerinnen an. Im Angels-Tableau vermisst man allerdings nach wie vor eine klassische „Abräumerin“ auf der Position fünf, wo sich nach Verletzung und Heimflug von US-Girl Julia Ruzevich Johanna Klug mehr oder weniger allein mühen muss. Dem Vernehmen nach bemühen sich die Angels-Verantwortlichen gerade  intensiv um einen Ruzevich-Ersatz, wie Vorstandsmitglied Thomas Lambertz bestätigt: „Wir haben einer Spielerin, die in unser Anforderungsprofil passen würde, ein Vertragsangebot gemacht. Unterschrieben ist allerdings noch nichts.“

Osnabrück wird übrigens nach dem Angels-Cup und dem sonntäglichen Gastspiel demnächst ein weiteres Mal die weite Fahrt ins Ries antreten: Die diese Woche vollzogene Auslosung für das Pokal-Achtelfinale ergab die Paarung Eigner Angels gegen Osnabrück. Gespielt wird am Mittwoch, 7. Dezember, um 19 Uhr in der Hermann-Keßler-Halle. Also ein weiteres Mal Glück mit dem – in diesem Fall ausgelosten – Spielplan.

Robert Milde