Die Regierungschefs der ostdeutschen Bundesländer Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt werben für einen neuen Anlauf im Dialog mit Russland. „Ich will den Teilnehmern des G7-Treffens keine Ratschläge von der Seite geben. Aber je mehr Formate es gibt, um mit Russland zu sprechen, desto besser“, sagte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) der „Welt am Sonntag“. Fahne von Russland, über dts Nachrichtenagentur

Sprachlosigkeit habe in Krisenzeiten noch nie geholfen. „Auch deshalb habe ich Wladimir Putin bei meinem Besuch in St. Petersburg nach Sachsen eingeladen. Was die Beziehungen zu Russland angeht, sind wir im Osten sensibler als im Westen“, so der CDU-Politiker weiter. Dass Moskau dauerhaft von Gesprächen ausgeschlossen bleibe und mit Sanktionen belegt werde, fände in Ostdeutschland keinen Beifall. Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) plädiert für einen Dialog. „Der Ausschluss Russlands aus der damaligen G8 aufgrund der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim“ sei zum damaligen Zeitpunkt richtig gewesen, sagte er. Die Ausgrenzung habe „aus heutiger Sicht jedoch die Situation der Menschen dort ebenso wenig verbessert, wie die seither gegen Russland verhängten Sanktionen“, so der Linken-Politiker weiter. Stattdessen hätten die politische Isolation und wirtschaftliche Schwächung die autokratischen Tendenzen in Russland befördert. Die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit Russland, an deren Ende auch eine Wiederaufnahme in die G8 stehen könnte, wäre kein Zeichen unzulässiger Nachgiebigkeit des Westens, „sondern vielmehr eines von Souveränität und politischer Weitsicht“, sagte Ramelow der „Welt am Sonntag“. Er kritisierte zudem „die negativen Wirkungen der `America-first`-Ideologie“ des US-Präsidenten Donald Trump. Sie sei „nicht nur ein Risiko für die gedeihliche weltwirtschaftliche Entwicklung“ sondern schwäche auch die internationalen Beziehungen, so Thüringens Ministerpräsident.