Palmer wehrt sich gegen Kritik an Äußerungen über ältere Menschen

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe in einem Interview mit dem Fernsehsender Sat.1 suggeriert, das Leben alter Menschen sei in der Coronakrise nichts wert. Er habe in dem Gespräch „nachweislich das Gegenteil gesagt“, sagte Palmer dem Magazin Cicero. Palmer hatte dem Sender gesagt: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem Jahr sowieso tot wären.“

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Dem Magazin sagte der Grünen-Politiker, dieses Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er habe zeigen wollen, welche fatalen Folgen die Verabsolutierung des Schutzes von Menschenleben habe. Im globalen Süden würde sich die Kindersterblichkeit durch die lockdown-bedingte Weltwirtschaftskrise drastisch erhöhen.

Auf dieses „moralische Dilemma“ habe er hinweisen wollen. Im Internet und in den Medien hatte der Tübinger Oberbürgermeister mit dem Satz einen Shitstorm ausgelöst. Kritiker warfen ihm vor, er bediene damit die rechte Ideologie, dass nur Starke und Gesunde überleben dürften, berichtet das Magazin. Palmer wies diesen Vorwurf von sich: Sein Satz sei eine Antwort auf Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) gewesen, der in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ gesagt hatte, der Staat könne nicht jedes Leben retten.

Auf die Frage, wie er reagieren würde, wenn seine eigene Mutter an Corona erkranken und nicht beatmet werden könnte, weil das Gerät für einen jüngeren Patienten benötigt würde, sagte Palmer: „Ich würde es akzeptieren, dass ein Arzt diese Entscheidung genauso trifft.“ Seine Mutter gehöre zu der Risikogruppe, für die die Stadt Tübingen unter anderem Taxifahrten zum ÖPNV-Tarif anbietet. Mit strenger Isolation will Palmer die alten Menschen vor Ansteckung schützen. „Ich gehe arbeiten und sorge dafür, dass der Laden läuft. Sie bleibt drin und sorgt dafür, dass sie nicht vom Virus erwischt wird.“

Das sei der Generationenvertrag, den man jetzt brauche, so der Tübinger Oberbürgermeister.