Pfarrer, Kabarettist und Stadtführer | Evangelisch-Lutherisches Dekanat Augsburg trauert um Wolfgang Wunderer

Nach kurzer schwerer Krankheit ist Pfarrer Wolfgang Wunderer (84) am Freitag, den 6. November verstorben. Mit ihm verliert das Evangelisch-Lutherische Dekanat Augsburg einen profilierten und engagierten Christen und einen herausragenden Kenner der Kirchengeschichte.

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Wolfgang Wunderer kam 1979 nach Augsburg, um die Feierlichkeiten zur 450-Jahrfeier der Confessio Augustana hauptverantwortlich zu organisieren. In der Folge war er von 1980 bis 2001 Pfarramtsführer der Kirchengemeinde Dreifaltigkeitskirche in Göggingen, zu der auch Bergheim, Inningen und Leitershofen gehören. Besonders wichtig war es ihm, in der großen Gemeinde ein kirchliches Angebot möglichst nah am Wohnort der Menschen zu schaffen. Er stärkte daher das dezentrale Konzept auch mit Baumaßnahmen in den umliegenden Orten.

Bereits in den 1980er Jahren hat Pfarrer Wunderer dazu beigetragen, die Zusammensetzung des Kirchenvorstands in Göggingen jünger und weiblicher zu gestalten, indem er gezielt jüngere Frauen, zum Beispiel aus den Mutter-Kind-Gruppen, zur Kandidatur ermutigte.

Neben der Ökumene und vielen weiteren Themen war Bildung für Wolfgang Wunderer von besonderer Bedeutung. So verfügte er nicht nur selbst über umfangreiches Wissen, sondern war immer auch bestrebt, es in ansprechender Weise weiterzugeben. Als Schulbeauftragter im Dekanat verantwortete er den Religionsunterricht. Als Mentor unterstützte er viele angehende Pfarrer und Pfarrerinnen.

Im Ruhestand engagierte sich Wunderer verstärkt in der Erwachsenenbildung. Er war, Gründungsmitglied und Ideengeber des Augsburger Freundeskreises der Evangelischen Akademie in Tutzing und organisierte Reisen, Vorträge und Tagungen.

In Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Forum Annahof und der Citykirchenarbeit entwickelte Wolfgang Wunderer ein detailliertes Konzept für Evangelische Stadtführungen in Augsburg. Sein umfassendes kirchengeschichtliches, kunsthistorisches und theologisches Wissen kamen ihm dabei zugute. Seine Führungen hatten einen großen Anhängerkreis. Auch als Kirchenführer von St. Anna war er lange Jahre aktiv.

Viele kannten Wolfgang Wunderer auch als Kabarettist, der nicht nur über seine Kirche, sondern auch über sich selbst lachen konnte. Er war, ebenfalls gemeinsam mit seiner Frau, Gründungsmitglied der „Schwarzarbeiter“ und Jahrzehnte im bayrischen Pfaffenkabarett „Weißblaues Beffchen“ engagiert.

„Wolfgang Wunderer war ein versierter Kenner der Stadtgeschichte, ein kritischer Begleiter kirchlicher Entwicklungen und ein humorvoller und zugewandter Mensch – wir werden ihn sehr vermissen“, so Stadtdekan Michael Thoma. Die Beerdigung findet coroanabedingt im kleinen Kreis statt.