Pflegenotstand, seit langem ist dieses Wort zu hören. Immer wieder wird davor gewarnt, dass sich daran etwas ändern muss. Doch ganz im Gegenteil: Der Mangel an Pflegekräften schreitet stetig voran. Doch warum ist dies so, was bedeutet Pflegenotstand genau, wie beeinflusst er den Pflegealltag konkret und welche Maßnahmen können dem Notstand entgegenwirken? Der folgende Beitrag erörtert dieses wichtige Thema umfassend.

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Symbolbild

Pflegenotstand in deutschen Kliniken – altbekanntes Problem

Seit Jahren ist erkennbar, dass sich die Situation des Mangels an Pflegekräften kaum verbessert. Dies zeigt sich an der hohen Anzahl an offen Stellenangeboten im Gesundheitswesen auf medizinischen Jobbörsen wie Medi-Karriere, wo monatlich tausende Jobs im Pflegebereich ausgeschrieben sind.

Konkret bedeutet dies: In Pflegeinstitutionen herrscht ein akuter Mangel an Personal. Immer weniger Menschen sind dazu bereit, im Bereich der Pflege zu arbeiten und viele berufstätige Fachkräfte sind aufgrund des personellen Mangels überlastet und gestresst. Dies hat ebenso Auswirkungen auf die kranken oder zu pflegenden Menschen. Laut Studien leidet darunter die Arbeitsqualität und hin und wieder ist zu lesen, dass Hygienestandards nicht eingehalten werden. Dies resultiert zu großen Teilen aus mangelndem Personal und damit geht einher, dass die vorhandenen Arbeitskräfte zu wenig Zeit zur Verfügung haben. Es herrscht ein erhebliches Ungleichgewicht: Immer weniger Pflegekräfte müssen mehr Pflegebedürftige betreuen. Der erhebliche Druck, der auf dem Personal lastet, zehrt an den Nerven. Die Folge sind vermehrte Krankheitsausfälle. 

Viele Pflegekräfte berichten von:

  • Verstärkte psychische Belastung
  • Ängste
  • Schlafstörungen
  • Depressive Symptome bis hin zu Depressionen
  • Erschöpfung und Burnout

Warum herrscht Pflegenotstand?

Der Pflegenotstand gehört zu den größten aktuellen Herausforderungen innerhalb der Generation. Dabei steigt die Nachfrage nach Pflegekräften stetig. Es gibt verschiedene Gründe wie insbesondere der demografische Wandel und die schlechten Arbeitsbedingungen.

Demokratischer Wandel

Die Menschen werden heutzutage älter. Die Gründe sind die technischen Fortschritte im medizinischen Bereich und die besseren Lebensbedingungen, zum Beispiel durch gesündere Ernährung. Dadurch steigt das durchschnittliche Alter der Bevölkerung, gleichzeitig aber auch die Anzahl an kranken und pflegebedürftigen Personen. Ob im medizinischen oder pflegerischen Bereich, die Behandlung erfordert zusätzliches Personal. 

So wird die ohnehin bereits bestehende Versorgungslücke größer. Die Anzahl der Pflegebedürftigen hat sich in 20 Jahren verdoppelt. Immer mehr ältere Menschen leben außerdem allein. Kinder wohnen oft nicht in der Nähe oder sind beruflich selbst stark eingebunden und können sich nicht um ihre Eltern kümmern. So benötigen immer mehr Menschen Unterstützung durch Außenstehende. Die geburtenstarken Jahrgänge werden ab dem Jahr 2030 in Rente gehen. Dies verschärft den Pflegenotstand weiter.

Arbeitsbedingungen

Ein weiterer Grund für den Pflegenotstand sind die schlechten Arbeitsbedingungen: Der Beruf erfordert hohe psychische und körperliche Belastungen, die Arbeitszeiten sind schlecht, hinzu kommt Schichtdienst, der nicht unbedingt förderlich für die Gesundheit ist und zudem mangelt es an Teilzeitmodellen. Durch Corona kam es zur weiteren Eskalation. Dadurch verlieren viele Pflegekräfte die Motivation. Sie suchen nach einer Tätigkeit in anderen Branchen und wechseln oftmals schon nach einigen Jahren ihren Beruf. Die Abwanderung hat gravierende Wirkungen auf den Pflegenotstand. Die Bezahlung steht ebenso seit Jahren in der Kritik und ist ein Grund dafür. Auch die Belastung der Pflegekräfte ist regional verschieden. In Berlin und Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist die Arbeitsintensität überdurchschnittlich hoch.

Wie kann man dem Pflegenotstand entgegenwirken?
Die Politik wird Wege, Strategien und Maßnahmen finden und entwickeln müssen, um den großen Pflegenotstand lösen zu können. Es besteht gravierender Handlungsbedarf. Doch bis zum heutigen Zeitpunkt wurde nicht viel getan, um den Beruf attraktiver zu machen, damit sich mehr Menschen für die Ausbildung entscheiden. Es ist anstrengend, kranke oder alte Menschen zu versorgen und zu pflegen, unter Stress und in Schichten zu arbeiten, da viele Stellen unbesetzt sind und dafür auch noch wenig Lohn zu erhalten. Hier muss sich dringend etwas ändern. Es genügt nicht, Personal aus dem Ausland anzuwerben.

Die aktuelle Entwicklung sieht dramatisch aus. Wenn dem Pflegenotstand nicht entgegengewirkt wird, könnten in der stationären Pflege bis zum Jahr 2035 rund 300.000 Pflegekräfte fehlen.

Verschiedene Maßnahmen zur Verhinderung eines Pflegenotstands

Gesundheitspolitiker fordern, den Beruf aufzuwerten, insbesondere durch eine bessere Bezahlung. Leasingkräfte verstärken den Negativtrend. Auch diesbezüglich sind Änderungen wichtig. Sie sollten lediglich dazu dienen, Spitzenkapazitätsauslastungen auszugleichen.

Mit der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung hat sich zur Vermeidung einer Überlastung bereits einiges getan: Sie legt fest, wie viele Pflegende für die Patientenversorgung notwendig sind. Bei Unterschreitung dieser Grenze werden Krankenzimmer oder sogar ganze Stationen geschlossen. Doch dies kommt nicht dem Pflegebedarf zugute, der nach wie vor gegeben ist und es reicht nicht aus, um sicherzustellen, dass die zukünftige Generation noch von einer zuverlässigen Pflege profitiert. Weitere Schritte zur Verbesserung des Gehalts durch die Einführung eines Tarifvertrags und Mindestlohns sowie der Arbeitsbedingungen sind wichtig. Einmalige Zuschüsse wie der Corona-Bonus für Pflegekräfte sind nicht ausreichend.

2020 wurde eine generalistische Pflegeausbildung eingeführt. So sind die Bereiche Alten-, Gesundheits- und Krankenpflege nicht mehr getrennt, sondern es gibt nur noch eine Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau, der die einst separaten Ausbildungen vereint. Die Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes kann ebenfalls zur Verringerung des Pflegenotstands beitragen. Es erleichtert Fachkräften die Einreise. Nur wenn die Politiker mit allen weiteren Verantwortlichen, wie den Krankenkassen, an diesem Problem arbeiten, wird der Pflegenotstand in Deutschlands Kliniken zu lösen sein.

Fazit

Der Pflegenotstand ist in allen Bereichen erheblich wahrnehmbar. Ob in der Klinik oder im Pflegeheim, es mangelt überall an Fachkräften, sodass das vorhandene Personal überlastet ist. Die Gründe sind vielfältig. Die zentralen Probleme sind die schlechten Arbeitsbedingungen in der Pflege und der demokratische Wandel. Deutschland altert, wodurch es immer mehr kranke und pflegebedürftige Menschen gibt. Verschiedene Ansatzpunkte können ihren Beitrag dazu leisten, den Pflegenotstand zu beseitigen. Sie müssen sinnvoll ineinandergreifen. Inwiefern dies gelingen wird, bleibt abzuwarten. Der Handlungsbedarf ist enorm, denn sonst wird sich der Personalmangel noch weiter verschärfen. Um dies abzuwenden, muss die Ausbildung attraktiver gemacht werden.