Die Chefin des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, fordert, in der Grundschule verstärkt den Deutschunterricht statt den Fremdsprachenunterricht zu fördern. Der Vorschlag, statt Englisch an der Grundschule Türkisch, Polnisch oder Russisch zu lehren, sei „kontraproduktiv“, sagte Lin-Klitzing der „Welt“ (Dienstagsausgabe). „Deutsch ist die erste Integrationspflicht.“

Kinder spielen auf einem Schulhof, über dts Nachrichtenagentur

Die Befunde der letzten Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) zeigten, dass „viele Schüler an Grundschulen nicht mal vernünftig Deutsch können“, so Lin-Klitzing. „Wir sind also dringend in der Pflicht, Deutsch als Bildungs- und Verkehrssprache in Deutschland zu stärken und nicht neue Fremdsprachen einzuführen.“ Sie forderte: Der Anteil des Deutschunterrichts solle auf mindestens sechs Stunden in den Klassen eins bis vier wöchentlich ausgeweitet werden.

In der Debatte um die Vergabe von Schulnoten unterstützt Lin-Klitzing die konventionelle Notengebung im Regelschulsystem, zeigt sich aber offen für zusätzliche Bewertungsmöglichkeiten: „Wir sollten auch im Regelschulsystem über ergänzende Maßnahmen sprechen“. Als Beispiel nannte sie eine begleitende Diagnostik, bei der die Schüler individuelles Feedback und ein „Arbeitspapier mit passgenauen Übungen“ bekommen. Um den Mehraufwand umsetzen zu können, bräuchten die Lehrer aber mehr Zeit für Vor- und Nachbereitung. „Die Politik hätte längst die Stundenzahl senken müssen“, kritisierte Lin-Klitzing.

Die Verbandschefin forderte, die Zahl der Lehrer deutlich zu erhöhen: „Wir brauchen eine Unterrichtsversorgung von 120 Prozent.“ Eine Versorgung zu 105 Prozent – wie etwa in Hessen – sei zu wenig. Unterrichtsausfälle durch Krankheiten, Schwangerschaften und Exkursionen könnten nicht abgefangen werden. „Wir haben es in fast allen Bundesländern mit einer eklatanten politischen Fehlsteuerung zu tun“, sagte Lin-Klitzing.

Es habe keine soliden Schülerzahl- und Lehrerbedarfsprognosen vonseiten der Länder sowie insbesondere für das Grundschullehramt nicht genügend Studien- und Referendariatsplätze gegeben – und dementsprechend nicht genügend Einstellungen. Lin-Klitzing zeigte für die Tausenden Schüler, die unter dem Motto „Fridays for Future“ für Klimaschutz demonstrieren und freitags dem Unterricht fernbleiben, Verständnis: „Ich kann die existenzielle Angst um die Bedrohtheit unserer Erde sehr gut nachvollziehen.“ Allerdings warnte sie: „Die Demos dürfen kein Ersatz für den Freitagsunterricht werden.“ Wenn ein Schüler ausnahmsweise freitags auf eine Demonstration gehe, „sollte man auch keinen Hype darum machen“.

Ihr Appell: Die Klasse solle sich „klug damit auseinandersetzen“, wie sie den Protest kontinuierlich unterstützen könne, ohne dabei permanent die Schule zu schwänzen.