Philologenverband: Kultusminister verursachen Lehrermangel selbst

Der Deutsche Philologenverband hat den Kultusministern vorgeworfen, den Lehrermangel selbst zu verursachen. „Es ist ein Märchen, dass nicht genug Gymnasiallehrkräfte vorhanden wären“, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben). „Sie sind da. Und sie müssen eingestellt werden.“

Dts Image 11065 Dbmmssntqe 3121 800 600Kultusministerkonferenz, über dts Nachrichtenagentur

Statt sie einzustellen, wurden die Lehrer nach Angaben des Verbandes vor dem Start der Sommerferien gekündigt. Zudem kritisierte die Verbandschefin, dass die Kultusminister ihre Pflichtaufgaben nicht wahrnehmen würden, sich stattdessen um „Corona- Nachholprogramme“ kümmerten. „Sommerkurse und außerschulische Angebote sind schön und gut, aber was wir dringender brauchen, ist, dass die vorhandenen und gut ausgebildeten Lehrkräfte endlich eingestellt werden“, sagte Lin-Klitzing. Laut Philologenverband würden in Bayern jährlich mindestens 2.000 ausgebildete Lehrkräfte allein am Gymnasium nicht eingestellt. Demnach erhielten Im Jahr 2019 1.946 Lehrkräfte kein Einstellungsangebot, ein Jahr später hätten die Zahl noch höher gelegen. „Das kann 2021 unmöglich so weitergehen, denn unsere Kinder brauchen dringend Unterricht von gut ausgebildeten Lehrkräften“, sagte Verbandschefin Lin-Klitzing. Nach ihren Angaben ist es beispielsweise in Baden-Württemberg noch immer üblich, dass sich ausgebildete Lehrkräfte mit Beginn der Sommerferien beim Jobcenter melden müssen, um dann nach den Ferien wieder an ihren Schulen eingestellt zu werden. Jährlich seien jährlich tausende Lehrkräfte betroffen. Der Deutsche Philologenverband kritisiert zudem, dass die Kultusminister der Länder generell mit einer zu niedrigen Lehrkräfteversorgung für die reguläre Abdeckung allein des Pflichtunterrichts kalkulieren würden. Schon der `normale` Unterrichtsausfall, beispielsweise durch Schwangerschaft und Klassenfahrten, könne mit der jetzigen Berechnung der Unterrichtsversorgung nicht kompensiert werden: „Es fällt deshalb immer mehr Unterricht aus, als es müsste“, sagte Susanne Lin-Klitzing. Sie fordert deutlich mehr Lehrkräfte an den Schulen. Nötig sei „eine umfassendere Versorgung mit Lehrkräften für den Unterricht als bisher, nur um jede reguläre Unterrichtsstunde halten zu können“. Sollten darüber hinaus die Schuler weiterhin individuell gefördert werden, führe „an einer generellen Unterrichtsversorgung mit 130 Prozent Lehrkräften allein für den Pflichtunterricht kein Weg vorbei“, sagte die Verbandschefin.