Pilotprojekt LEW-Energiefassade: Lechwerke ziehen erste Bilanz

Fotovoltaikanlage an der Außenwand und Batteriespeicher decken rund 80 Prozent des Strombedarfs der Ausbildungswerkstatt

Seit Ende Februar testen die Lechwerke (LEW) an ihrem Ausbildungszentrum in Augsburg-Oberhausen den Einsatz einer großen Fotovoltaikanlage an der Fassade und eines Batteriespeichers. Mit dem Pilotprojekt untersucht LEW, wie sich Solarstrom gleichmäßiger über den Tages- und Jahresverlauf nutzen lässt. So soll ein Großteil des Strombedarfs der hauseigenen Lehrwerkstatt gedeckt werden. Heute stellten LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann und Jürgen Münzer, LEW-Projektleiter Innovationen, die Ergebnisse vor. Die bisherigen Daten bestätigen, dass die Anlage den erwarteten Ertrag liefert. Bislang konnte die LEW-Energiefassade rund 80 Prozent des Strombedarfs der Ausbildungswerkstatt decken. Dabei wurden rund 58 Prozent des produzierten Solarstromes auch selbst verbraucht.

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Norbert Schürmann, Vorstandsmitglied der Lechwerke (l.), und Jürgen Münzer, LEW-Leiter Innovationen (r.), vor der LEW-Energiefassade in Augsburg-Oberhausen. | Foto: LEW/Plössel

„Bei sinkenden EEG-Vergütungssätzen wird das Thema Eigenverbrauch immer attraktiver – sowohl für Privathaushalte, als auch für Unternehmen. Die Ausrichtung am tatsächlichen Strombedarf ist dabei ein wichtiger Baustein“, sagt Norbert Schürmann. „Statt eines Energieüberschusses zur Mittagszeit brauchen wir einen gleichmäßigeren Ertrag über den Tag verteilt. Mit der Energiefassade und dem Batteriespeicher machen wir einen Schritt in diese Richtung. So können wir einen großen Teil des erzeugten Solarstroms auch selbst verbrauchen.“

Auf Grundlage der Gesamtverbrauchsdaten der Ausbildungswerkstatt berechnete Projektleiter Jürgen Münzer zunächst die Anlagengröße der Fotovoltaikanlage und die Speicherleistung des Batteriespeichers. Zum Einsatz kamen Solarmodule mit einer Gesamtfläche von 202 Quadratmetern. Darüber hinaus fiel die Entscheidung auf einen Blei-Gel-Batteriespeicher mit einer Bruttokapazität von 33 Kilowattstunden, wovon 16 Kilowattstunden nutzbar sind.

Im Anschluss installierten LEW-Mitarbeiter die Solarmodule über eine Gesamtlänge von 119 Metern entlang der Betriebshallen. Der Speicher sowie die Wechselrichter wurden in den Kellerräumen der Betriebshallen und des Ausbildungszentrums angeschlossen. Da die Module senkrecht angebracht sind, fallen Sonnenstrahlen gleichmäßiger über den Tag verteilt auf die Anlage. Vorteil gegenüber einer Dachanlage: Über den Tag und über das Jahr verteilt erzeugen sie kontinuierlicher Strom. Der zugehörige Blei-Gel-Batteriespeicher speichert den überschüssigen Solarstrom ein und gibt ihn bei Bedarf ab. Herkömmliche Dachanlagen waren bisher in erster Linie darauf ausgelegt, möglichst viel Strom zu erzeugen und ins Netz einzuspeisen, unabhängig davon, ob dieser überhaupt gebraucht wird.

„Die Kombination von Fassadenanlage und dem Batteriespeicher hat sich bewährt“, so Jürgen Münzer. „Die ersten drei Monate haben gezeigt, dass wir mit unseren Berechnungen und der Wahl der Komponenten richtig liegen. Der erzeugte Solarstrom wird zu großen Teilen direkt vor Ort verbraucht – das entlastet auch die Netze.“

Seit der Inbetriebnahme Ende Februar hat die Anlage 9.500 Kilowattstunden erzeugt. Während im sonnigen Monat März der Ertrag mit 3.254 kWh deutlich höher als erwartet ausfiel (+1.012 kWh), lag er in den darauffolgenden Monaten nur knapp unter den Prognosen (April: -259 kWh, Mai: -239 kWh). Der Gesamtverbrauch belief sich auf rund 6.450 kWh bei annähernd gleichen Monatswerten. Damit hat die Lehrwerkstatt einen durchschnittlichen Strombedarf von rund 90 Kilowattstunden pro Tag. Lag die erzeugte Energie bei gela-dener Batterie deutlich über diesem Bedarf, wurde der Strom in das Netz eingespeist.

Den Einsatz von Fotovoltaikanlagen und Batteriespeichern in Privathaushalten untersucht LEW im Rahmen von mehreren Pilotprojekten. So werden in drei Testhaushalten in Baye-risch-Schwaben seit zwei Jahren verschiedene Kombinationen aus PV-Anlagen und Batteriespeicher in der Alltagspraxis getestet. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Haushalte bis zu 75 Prozent ihres gesamten Strombedarfs decken können. Allerdings ist jeder der Haushalte auch weiterhin auf den Bezug von Reserve- und Spitzenleistung aus dem Stromnetz angewiesen.

Die Ausbildungswerkstatt der Lechwerke beherbergt die Auszubildenden Elektroniker für Betriebstechnik. In dreieinhalb Jahren bekommen die insgesamt 48 Lehrlinge vor Ort alle praktischen Inhalte vermittelt, die für das Berufsbild relevant sind. Hierzu gehört auch der richtige Umgang mit Stromverbrauchern, wie Werkzeugmaschinen oder elektronischen Anlagen.

Die LEW-Gruppe ist als regionaler Energieversorger in Bayern und Teilen Baden-Württembergs tätig. LEW beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter, ist mit 35 Wasserkraftwerken und zwei Freiflächen-Fotovoltaikanlagen einer der führenden Erzeuger von umweltfreundlicher Energie in Bayern und bietet Dienstleistungen in den Bereichen Netz- und Anlagenbau, Energieerzeugung und Telekommunikation an. Die Lechwerke AG gehört zur RWE-Gruppe.

Quelle: PM Lechwerke