Politbarometer | SPD konstant vor Union

Weiterhin ist die parteipolitische Lage sehr stabil. Auch nach der TV-Debatte bei ARD und ZDF gibt es kaum Bewegung in der Politbarometer-Projektion.

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Grafik: ZDF/Forschungsgruppe Wahlen

 

Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU auf 22 Prozent und die SPD auf 25 Prozent. Die AfD könnte mit 11 Prozent rechnen, die FDP mit 11 Prozent und die Linke mit 6 Prozent (alle unverändert). Die Grünen würden einen Punkt abgeben und erzielten 16 Prozent. Die anderen Parteien lägen zusammen bei 9 Prozent (plus 1), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erreichen würde. Damit hätte von den Zweier-Bündnissen lediglich eine Koalition aus SPD und CDU/CSU eine knappe Mehrheit. Reichen würde es auch für eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP, für eine Regierung aus CDU/CSU, Grünen und FDP sowie für Rot-Grün-Rot. 

Insgesamt geben diese Projektionswerte, bei denen auch die statistischen Fehlerbereiche von Umfragen zu berücksichtigen sind, lediglich das Stimmungsbild für die Parteien zum jetzigen Zeitpunkt wieder und stellen keine Prognose für den Wahlausgang am 26. September dar. Bis dahin kann es durch kurzfristige Entwicklungen, koalitionstaktische Überlegungen und unterschiedliche Mobilisierungserfolge der verschiedenen Parteien noch zu Veränderungen kommen. Zudem wissen, ähnlich wie zum entsprechenden Zeitraum vor vier Jahren (Sep. 2017: 39 Prozent), aktuell 38 Prozent noch nicht sicher, ob sie wählen wollen und wenn, dann wen. 

Bundestagswahl: Große Mehrheit hält Rennen für offen


Für 82 Prozent und Mehrheiten in allen Parteianhängergruppen steht noch nicht fest, wer die Bundestagswahl gewinnen wird. Lediglich 17 Prozent sagen, das sei schon klar (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“). Gut eine Woche vor der letzten Bundestagswahl 2017 stellte sich die Situation für die Befragten ganz anders dar: Damals meinten nur 41 Prozent, dass das Rennen noch offen ist und mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) hielt es bereits für entschieden. 

Koalitionsmodelle: Alle wenig überzeugend


Die derzeit diskutierten Koalitionsmodelle, die nach den Projektionswerten eine rechnerische Mehrheit hätten, stoßen bei den Befragten auf mehr Ablehnung als Zustimmung. Noch am besten schneidet eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP ab, die 37 Prozent gut fänden und 39 Prozent schlecht (egal: 21 Prozent). Eine von der SPD geführte große Koalition fänden 34 Prozent gut und 45 Prozent schlecht (egal: 19 Prozent). Noch kritischer beurteilt werden eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP, für die sich 30 Prozent (schlecht: 52 Prozent; egal: 16 Prozent) aussprechen und eine von der Union geführte große Koalition mit ebenfalls 30 Prozent Zustimmung (schlecht: 55 Prozent; egal: 14 Prozent). Am wenigsten Zuspruch erhält ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linken, das von 27 Prozent positiv und von 56 Prozent negativ (egal: 15 Prozent) bewertet wird. Bei den von der SPD geführten Bündnissen gibt es in den eigenen Reihen sowohl eine mehrheitliche Unterstützung für eine Ampel als auch für eine große Koalition, nicht aber für Rot-Grün-Rot. So fänden 60 Prozent der SPD-Anhänger/innen eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP gut und 54 Prozent eine Koalition aus SPD und Union, aber nur 39 Prozent eine Koalition aus SPD, Grünen und Linken. 

Wichtige Themen für die Wahlentscheidung: Soziale Gerechtigkeit vorn


Anders als bei der Liste der wichtigsten Probleme in Deutschland, auf der Klimawandel ganz oben steht, spielt für die eigene Wahlentscheidung bei den meisten Befragten das Thema soziale Gerechtigkeit die größte Rolle. Als sehr wichtig bezeichnen das 53 Prozent (Sep. I: 51 Prozent), 43 Prozent (39 Prozent) nennen den Klimaschutz, 25 Prozent (21 Prozent) das Thema Flüchtlinge und Asyl und 22 Prozent (23 Prozent) die Coronapandemie. 

K-Frage: Scholz hält Vorsprung

Sowohl bei der Frage nach der Eignung als Kanzler oder Kanzlerin als auch nach der Präferenz für einen der drei Kandidaten liegt Olaf Scholz weiterhin mit klarem Abstand vor seinen Mitbewerbern. Mit 67 Prozent traut ihm eine deutliche Mehrheit das Amt zu (nicht geeignet: 28 Prozent). Armin Laschet bezeichnen lediglich 29 Prozent als kanzlerfähig (nicht geeignet: 67 Prozent) und Annalena Baerbock kommt hier nur auf 26 Prozent (nicht geeignet: 69 Prozent). 

Am liebsten als Kanzler oder Kanzlerin hätten 48 Prozent (unverändert) Olaf Scholz, Armin Laschet wünschen sich 22 Prozent (plus 1) und Annalena Baerbock 15 Prozent (minus 1). Der Rückhalt in den eigenen Reihen fällt weiterhin bei Olaf Scholz am größten aus, 88 Prozent der SPD-Anhänger setzen auf ihn als Kanzler, Armin Laschet und Annalena Baerbock haben jeweils rund zwei Drittel der eigenen Anhänger/innen hinter sich.