München – In einer gemeinsamen Initiative der Polizeibehörden in Deutschland und Österreich wurde eine international operierende Schleusergruppe zerschlagen. Die Bundespolizei in München, die Landespolizei in Oberösterreich und das Bundeskriminalamt in Wien haben die Erkenntnisse dieser Ermittlungen in einer Pressekonferenz in Passau vorgestellt.
Die Ermittlungen begannen nach einer Kontrolle der Bundespolizei im Oktober des Vorjahres in Jandelsbrunn, Bayern, die wichtige Informationen über die Struktur und Arbeitsweise der kriminellen Organisation lieferte. Bei einer Kontrolle an der deutsch-österreichischen Grenze wurde ein Fahrzeug mit zwei Schleusern und vier geschleusten Personen aus der Türkei entdeckt, was die intensiven länderübergreifenden Untersuchungen ins Rollen brachte. Die Auswertung der sichergestellten Handys der Verdächtigen zeigte ein weit verzweigtes Netzwerk auf.
Im Laufe der einjährigen Ermittlungen wurden mindestens 30 Verdächtige, hauptsächlich syrischer Herkunft, identifiziert. Zu den Hauptakteuren gehörten unter anderem mehrere Schleuserfahrer aus verschiedenen Ländern, “Hawala-Banker”, die illegale Finanzströme ermöglichten, Wohnungsvermittler und Koordinatoren. Die Gruppe schleuste etwa 2.000 Menschen auf der Balkanroute nach Mitteleuropa und erzielte Einnahmen in Millionenhöhe.
Durch die enge Zusammenarbeit mit Polizei-Einheiten in weiteren europäischen Ländern konnten zahlreiche führende Mitglieder der Gruppe verhaftet und angeklagt werden. Im November verurteilte das Landgericht in Passau den Haupttäter zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe, und weitere Mitglieder der Gruppe erhielten ebenfalls Haftstrafen. Einige Mittäter sind noch in Untersuchungshaft oder werden international gesucht.
Die Schleusergruppe agierte äußerst professionell und benutzte häufig verkehrsuntaugliche Fahrzeuge, was die Sicherheit der Menschen, darunter viele Kinder, ernsthaft beeinträchtigte. Illegale Geldtransfers wurden durch das anonyme “Hawala”-System abgewickelt, das außerhalb des offiziellen Bankensystems operiert. Der Erfolg dieser Ermittlungen zeigt, wie effektiv die internationale Polizeikooperation bei der Bekämpfung von Schleuserkriminalität ist und wie sehr diese die Aktivitäten solcher Banden stören kann. In Österreich dauern die Ermittlungen an, um weitere Täter zu überführen und die Hintermänner der Geldströme zu identifizieren.

