Die Rosenau Gazette | Gegen jede Quote: Wer hätte Manuel Baum das zugetraut?

 

Die letzte Saison war eine Achterbahnfahrt. Nach dem Intermezzo von Dirk Schuster, das uns neben einer vollen Sommerpause zur Weiterentwicklung des sportlichen Plans auf dem Feld zusätzliche Unruhe neben dem Platz bescherte, die wir in Augsburg nicht gewohnt sind, übernahm Manuel Baum die Mannschaft. Dies ist nun noch nicht einmal 11 Monate her und ich muss mich an die momentane Ruhe erst wieder gewöhnen. Die Verpflichtung von Manuel Baum war ein Experiment für den FCA. Es gibt zwar positive Fälle, in denen eine Übernahme der Profimannschaft durch einen Trainer aus dem Jugendbereich erfolgreich war (mehrfach in Mainz und auch in Freiburg), allerdings verlaufen nicht alle Fälle mit Erfolg. Der SV Werder Bremen versucht es gerade zum dritten Mal hintereinander und hat die zwei vorherigen Versuche immer mitten im Abstiegskampf abbrechen müssen.

Es sah dann während Manuel Baums erster Saison auch nicht immer so aus, als ob er in Augsburg dauerhaft Erfolg haben würde. Nach einer ersten Phase, in dem er Gegner mit seiner etwas offensiveren Spielweise überraschen könnte, fanden die gegnerischen Trainer schnell einen Plan, um die nun etwas löchrigere Augsburger Defensive zu attackieren. So fand sich der FCA mitten im Abstiegskampf wieder und konnte sich – wenig fußballerisch attraktiv, aber kämpferisch voll überzeugend – am letzten Spieltag retten.  Manuel Baum stand einige Spieltage vor dem Saisonende stark in der Kritik, vor allem da die Auftritte der Mannschaft blutleer gewirkt hatten. Tiefpunkt war die englische Woche, in der man sich zu Hause von Ingolstadt auseinander nehmen ließ.

Der FCA war nach der Pleite gegen Ingolstadt ratlos. Foto: Andreas Klein

Vor allem die Probleme für Torgefahr zu sorgen haben dann wohl im Sommer dazu geführt, dass der FCA von vielen Experten als erster Abstiegskandidat genannt wurde. Manuel Baum wurde von den Wettanbietern als Kandidat Nr.1 für eine Trainerentlassung in der Bundesliga gesehen. Derweil hat die Mannschaft sich von den negativen Einschätzungen eher motivieren lassen und in dieser Saison bisher sportlich die Erwartungen vollkommen übertroffen. Während die Abwehr bei 11 Gegentoren stabiler steht als der BVB, die TSG Hoffenheim oder RB Leipzig, konnten wir zusätzlich schon 16 Treffer für uns verbuchen. 8 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sind zumindest ein kleines Polster, das die Aufgaben in dieser Saison erleichtern wird. Wir stehen momentan im gesicherten Mittelfeld der Tabelle.

Nun kann man lange darüber nachdenken, wer bisher der Mann der Saison ist. Michael Gregoritsch und Alfred Finnbogason haben beide schon häufig getroffen, Philipp Max ist Dauergast in der Elf des Spieltags, Daniel Opare ist der Wiederauferstandene auf der rechten Abwehrseite und Marwin Hitz hält immer noch besser als die meisten anderen Bundesligakeeper. Daniel Baier lenkt weiterhin das Geschehen. Derweil ist diese Diskussion sofort beendet, wenn man den Kreis der Kandidaten über die Spieler hinaus ausdehnt, denn dann wird schnell klar, dass Manuel Baum derjenige ist, der das Puzzle zusammengesetzt hat. Ihm ist es bisher auch gelungen, dass unter den Spielern, die nicht zum Einsatz kommen, zumindest öffentlich keine Unruhe aufkommt. Insgesamt hat er in dieser Saison bisher eine formidable Leistung abgeliefert, die wohl nur noch von André Breitenreiter und Hannover 96 überstrahlt wird. Der FCA ist bisher dennoch eine der größten Überraschungen der Saison.