Facettenreich und kontrovers diskutiert | Eine Bilanz zum Augsburger Brechtfestival 2017

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Mit dem Gastspiel „Gas. Plädoyer einer verurteilten Mutter“ des belgischen Theaters Malpertuis, ging am Sonntag Abend das Brechtfestival 2017 zu Ende. Die dramatische Selbstanklage einer Mutter (gespielt von Viviane de Muynck), deren Sohn zum Islam konvertiert und als Selbstmordattentäter hunderte Menschen mit in den Tod reißt, setzte einen Schlusspunkt, der zeigte, wie Theater mit minimalistischen Mitteln große poetische und tragische Kraft entfaltet.

Foto: Wolfgang Czech

10 Tage lang stand, erstmals unter der Leitung von Patrick Wengenroth, die Auseinandersetzung mit Brecht in Bezug und in Reibung zu unserer Gegenwart auf dem Programm. Statt Brecht-Heimspielen zum Wohlfühlen gab es in vielen experimentellen Formaten neue, aktuelle gesellschaftliche und politische Bezüge zu entdecken, Brüche und Anregungen zum Überdenken von festgefahrenen Vorstellungen – über die Welt, das Theater und natürlich auch über Brecht.

„Es war ein herrlich freches, verstörendes und animierendes Festival. Eine Werkstatt zu Brecht, die ihm und seiner Person gerecht wurde: seinem Arbeiten an so vielem gleichzeitig und an so vielen Formen“, meint Juliane Votteler, Intendantin des kooperierenden Theaters Augsburg. „Die Anarchie im Umgang mit der Gesellschaft und mit der Literatur. Und: der unangenehme Brecht, der, dessen Denken uns verwirrt und verängstigt, ja abstößt, kam zu Wort. Das hat mir sehr gefallen. Sehr schön war der Kontakt der Mitwirkenden mit den Mitgliedern des Festivals in Augsburg. Man kam ins Gespräch, tauschte sich aus. Kompliment an alle, Dank an Patrick Wengenroth: er hat der Stadt ein Geschenk gemacht!“

In der Presse wurde das neue Programm viel beachtet und vor allem überregional für seinen brecht-gerechten und inspirierenden Ansatz gelobt. Regional war das Echo traditionell gespalten – wenn es um den berühmtesten Sohn der Stadt geht, bleibt es augenscheinlich schwer, den richtigen Ton zu treffen.

Für Kulturreferent Thomas Weitzel, der Wengenroth als Festivalleiter nach Augsburg geholt hat, ging das Konzept jedenfalls auf. „Patrick Wengenroth ist es mit seinem Festival gelungen, das Werk Brechts von seiner politischen und diskursiven Seite auszuleuchten. Konventionelle Gattungsgrenzen wurden dabei oftmals ganz im Brechtschen Sinne gesprengt, um dessen Werk aus unterschiedlichsten Perspektiven mit der Gegenwart und ihren drängenden Fragen zu konfrontieren. Das dabei zugrunde liegende inklusive Konzept hat dem Festival auch neue Orte und Publikumsschichten in der Stadtgesellschaft erschlossen.“

Vor allem ein jüngeres Publikum war mit viel Neugierde und guter Stimmung dabei, mischte sich in die Debatten ein und fühlte sich offensichtlich mit dieser Art der Brechtrezeption in der Gegenwart abgeholt. Insgesamt besuchten rund 6.500 Zuschauerinnen und Zuschauer das Brechtfestival 2017.

Ob Patrick Wengenroth das Festival auch 2018 leiten wird, ist noch nicht entschieden. Der Kulturausschuss berät darüber am heutigen Dienstag. Er selbst sieht die Aufgabe des Festivals darin, Brecht möglichst wahrhaftig, umfassend und mit allen Widersprüchen zu vermitteln:

„Das Brechtfestival 2017 war aus meiner Sicht als Festivalleiter ein für die Zuschauer, die Mitwirkenden und die Organisatoren in jeder Hinsicht herausforderndes und zugleich beglückendes Ereignis: polarisierend, bereichernd, streitbar, komisch, nachdenklich und facettenreich. Und insofern ein Abbild all dessen, was Brechts Werk und seine Person uns – den „Nachgeborenen“ – als Material und Erbe und Vision und Streit hinterlassen hat und was uns auch weiterhin fordern soll und kann und muss.“

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