Gersthofer Backbetriebe stellen Antrag auf Schutzschirmverfahren

Die Geschäftsführung der Gersthofer Backbetriebe GmbH hat einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren am zuständigen Amtsgericht München gestellt. Der Geschäftsbetrieb des Backbetriebes wird uneingeschränkt fortgeführt.

Die nächsten Monate werden wie jedes Jahr als umsatzstarke Monate für das Unternehmen erwartet und sind daher für die Umsetzung der Sanierung eine gute Grundlage. „Die Kunden und Geschäftspartner können weiterhin auf die gewohnt hohe Qualität der Produkte vertrauen. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten wurde bereits informiert und werden im weiteren Prozess eng eingebunden“, heißt es in einer Mitteilung.

Die Gersthofer Backbetriebe sind eine der führenden regionalen Großbäckereien im süddeutschen Raum. Die bisherige Kernkompetenz des Unternehmens ist die Kombination aus Vollsortiment und einer täglichen Belieferung an die Filialen und Zentralläger des Lebensmitteleinzelhandels mit frisch und komplett fertig gebackenen, verpackten, Backwaren. Dazu der Geschäftsführer Dr. Benedikt Grebner: „Qualitativ hochwertiges Brot ist am Markt weiterhin gefragt, muss sich aber heute billigen Aufback-Alternativen stellen. Hierauf müssen wir das Unternehmen neu ausrichten.“

Der Markt für Backwaren befindet sich in einem Umbruch, welcher sich zuletzt weiter verschärft hat. Frische, hochwertige Backwaren, wie sie die Gersthofer Backbetriebe herstellen, werden im Lebensmitteleinzelhandel immer weniger nachgefragt. Der Trend bei den Großkunden und Handelsketten, insbesondere im Discount, geht zu kostengünstigeren Aufback-Stationen, in welchem die Backwaren (zumeist aus Tiefkühlware) aufgebacken werden.

Durch intensive Sparbemühungen konnte das Ergebnis in der Vergangenheit noch stabilisiert werden. Zudem wurden durch gezielte vertriebliche Maßnahmen mehrere Neukunden gewonnen. Allerdings reichen diese Anstrengungen allein nicht aus, um die rasanten Änderungen der Kundenanforderungen auszugleichen. Die Möglichkeiten eines Schutzschirmverfahrens eröffnen diese Chance.

Im Jahr 2017 wurde ein Verlust erwirtschaftet. Für die Jahre 2018 sowie perspektivisch 2019 sind keine Verbesserungen der Situation zu erwarten. Die Geschäftsführung möchte mit dem Schutzschirmverfahren das Unternehmen neu aufstellen, um das Geschäftsmodell den neuen Kundenanforderungen anzupassen.

Hierzu hat die Geschäftsführung bereits ein erstes Konzept entwickelt, das den kundenseitigen Entwicklungen Rechnung trägt und durch Nutzung des Schutzschirmverfahrens weiterentwickelt und umgesetzt werden soll.

Das Schutzschirmverfahren ist ein gerichtliches Sanierungsverfahren zum Erhalt von Unternehmen und der dortigen Arbeitsplätze. Die Geschäftsführung führt weiterhin die Gesellschaft, wobei sie dabei von einem Gericht bestellten Sachwalter begleitet wird. Die Gersthofer Backbetriebe haben mit einem Schutzschirmverfahren die Möglichkeit, sich zukunftsfähig aufzustellen.

Gersthofer Backbetriebe sind noch zahlungfähig

Die Sanierung im Schutzschirmverfahrens können Unternehmen ausschließlich dann beantragen, wenn sie noch zahlungsfähig sind. Die Geschäftsführung behält die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Unternehmen und bleibt damit uneingeschränkt handlungsfähig. Es kann dabei die Restrukturierungsinstrumente der Insolvenzordnung nutzen.

Ziel in diesem aktuellen Verfahren ist es, sich auf die Kernkompetenzen der Gersthofer Backbetriebe als einer der wenigen verbliebenen regionalen Frische-Bäcker in Süddeutschland mit einer hohen Kompetenz insbesondere in den Bereichen Schnittbrot und handwerkliche regionale und saisonale Artikel sowie flexibler Logistik-Anlieferung zu konzentrieren. Das Geschäft mit den gewonnenen Neukunden soll weiter ausgebaut werden.

Der Gesellschafter hat bereits signalisiert, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen, um die zukunftsfähigen Arbeitsplätze zu sichern. Bereits in der Vergangenheit hat der Gesellschafter das Eigenkapital gestärkt und mit Liquidität die Lohn- und Gehaltszahlungen gesichert. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen knapp 400 Mitarbeiter.