Günzburg bleibt der Platzhirsch im Handball-Süden – VfL entscheidet bayerisches Derby für sich

In einem dramatischen bayrischen Handballkrimi mit vielen Wendungen behielt der VfL Günzburg nach einem Kraftakt in den Schlussminuten mit einem knappen 24:23 (11:9) die Überhand; während die Münchner Akademie trotz einer tollen Leistung mit leeren Händen da stand, verausgabt, voller Harz und leider weiterhin punktlos. Sport ist hart, es zählt die Momentaufnahme. was genau nach 60 Minuten auf dem Spielbericht steht. Das ganze Vorher war einfach, das 18:21 ein paar Minuten vorher verschwindet im Reich der unbedeutenden Zwischenergebnisse. Was hatte der Gast dafür gerackert?

Doch der Reihe nach. Mannschaften von Trainer Hofmeister jammern nicht über Personalprobleme. Sie sind wie Regen oder Schiedsrichter – man kann nichts dran ändern. Doch diesmal erwischte es das Team heftig. Tim Hafner und Adam Czako fehlten komplett und Sebastian Grabher, das „Allgäuer Tier“ sollte wegen eines ausgerenkten Fingers wenig spielen. Das änderte sich als sich Louis Dück, der andere Kreisläufer, der eher in die Höhe als in die Breite gewachsen ist, bei der Einwärmung arg am Sprunggelenk verletzte. Schwierig für eine Jugendmannschaft gelassen und konzentriert zu bleiben, wenn der beste Handballfreund sich auf dem Boden vor Schmerzen krümmt.

Dann ging es los; genug Spieler waren es schon noch. Das 1:0 erzielte Johannes Rosenberger. Die Mannschaft war von Trainer Sandro Jooß bestens vorbereitet. Tore blieben auch deswegen Mangelware. Beim 11:8 nahm Gästetrainer Robert Hofmann eine Auszeit für sein Team, das nie wirkte wie ein Tabellenletzter. Ob es genau daran lag, dass der VfL eine doppelte Überzahl verbummelte und überhastet Handball-Blödsinn machte, wissen nur die Handballgötter. Auf jeden Fall erzielte das „Münchner Kindl“ Johannes Behm den 11.9-Halbzeitstand.

Sebastian Grabher hatte bis dahin hinten wie vorne fast alles richtig gemacht und einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die Deckung quasi in letzter Besetzung noch funktionierte. Zäh wurde nach Wiederanpfiff um jeden Millimeter des herrlichen blauen neuen Bodens gerungen. Zunächst mit Vorteilen für den VfL: Wirbelwind Lukas Bär erzielte das 15:11. Sollte es vor dem Tatort gemütlich werden? Nein, wie bei allen guten Krimis kam die Wende. Die VfL-Spieler konnten wenig wechseln. Johannes Rosenberger, schon wegen seiner Höhe, der Typ „Turm in der Schlacht“ wackelte zwar nicht, erhielt aber die zweite Zeitstrafe und musste für die Schlussphase vorsichtiger eingesetzt werden. Das nächste Personalproblem! Und es kam wie es kommen musste. Die Kräfte schienen zu schwinden, gegen 18.00 Uhr witterten die Oberbayern  ausgerechnet in der Rebayhalle Morgenluft. Die VfL-Abwehr hielt nicht mehr. 18:21 prangte unbarmherzig für die Ersatzgeschwächten von der Anzeigentafel. Nicht nur die Günzburger Handballmütter bangten. Doch die VfL-Handballregisseure ließen sich zum Schluss noch etwas einfallen. Das Abwehrrisiko wurde erhöht. Oft bringt das nichts, doch Weinrote glauben an sich. Das war schon am Vortag in Lohr so. Mit verschiedenen Manndeckungen konnte man die Gäste tatsächlich noch einmal verunsichern. Sage und schreibe fünf Tore in Folge sollten gelingen. Stark hatte Spielmacher Devin Ugur angetrieben, Frieder Bandlow und Johannes Rosenberger übernahmen unter größtem Ergebnisdruck Verantwortung. Dem „Allgauer Tier“, das manchmal leise, aber erfolgreich Rückraumgefühle entwickelt, gelang ein ganz überraschendes Tor. Die letzte große Wendung in einem Handballdrama war vollzogen. Der VfL trotzte den schwierigen Bedingungen, die Akademie konnte einem leid tun. Freude pur und jähe Enttäuschung auf einem Haufen in zwei Farben beim gleichen Spiel. Die Zuschauer hatten was erlebt.