Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst – unter diesem Dach bewirbt sich die Stadt Augsburg um den Titel UNESCO-Welterbe. Vom Wasserreichtum Augsburgs profitierten Handel und Industrie schon seit der römischen Gründung 15 v. Chr. und ermöglichten großartige Leistungen auf dem Gebiet der Kunst und des Kunsthandwerks. Zur LANGEN NACHT DES WASSERS am 16. Juni 2018 schaffen über 200 Programmpunkte, ähnlich den zahlreichen Wasseradern der Stadt, vielfältige Quellen der Inspiration und lassen die Besucher übersprudelnde Freude am Thema Wasser in Kunst und Kultur erleben.

Progetto Seicento | Foto: Saskia Wehler

Orchesterkonzerte, Kammermusik und Liedprogramme stellen den Hauptfluss des Programms, der an insgesamt über 50 Spielorten von Theater-Inszenierungen, Lesungen,Führungen, Performances etc. ergänzt und erweitert wird.

Wasserbau und Wasserkraft

2018 steht Augsburg ganz im Zeichen des Wassers: Die Stadt gibt ihre Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe ab. Passend dazu präsentiert das Maximilianmuseum unter dem Titel „Wasser Kunst Augsburg– Die Reichsstadt in ihrem Element“ in einer einmaligen Sonderausstellung die Wassergeschichte Augsburgs. Früh nutzte man die Wasserkraft über komplexe Kanalsysteme zum Antrieb verschiedenster Mühlen und für aufwendige Brunnenwerke. Das Wasser machte Augsburg zu einer Stadt der Künste, die ihrerseits die Nutzung von Wasser zu einer besonderen Kunst erhob. Daher dürfen besondere Wasserorte in dieser Nacht natürlich nicht fehlen! So öffnen ab 19 Uhr das historische Wasserwerk am Hochablass und die Wassertürme am Roten Tor ihre Pforten. Eineexklusive Stadtführung mit Werner Bischler (vhs) führt die Besucher vom Amtssitz des städtischen Brunnenmeisters durch die Altstadt, vor bei an zahlreichen Kanälen und Wasseradern der Stadt. Dass Augsburg immer noch eine Kunst- und Künstlerstadt ist, lässt sich am Abend der Langen Nacht des Wassers in vielerlei Programmen aus Kunst, Musik, Theater und Geschichte erleben.

Regenlieder, Gewittermusik und die Sintflut

Zahlreiche Orchesterkonzerte, kammermusikalische Preziosen oder Liedprogramme der hochkarätigen Augsburger Klassikszene geben dem Wasser einen Klang. Den Anfang machen hier wie jedes Jahr die Augsburger Philharmoniker des Theater Augsburg mit einem Programm, das nicht nur an die Strauss’sche „schöne blaue Donau“ führt, sondern mit Rossinis „Gewittermusik“ auch die bedrohliche Seite des Elements beleuchtet. Wasser von oben gibt es auch im Festsaal des Schaezlerpalais bei den „Regenliedern“ von Brahms, dargeboten von Mieke Stoel und der Sopranistin Lea-Ann Dunbar. Der Musica Suevica Chor beherrscht die Elemente mit Ausschnitten aus dem Oratorium „Die Sündfluth“ und führt mit dem Komponisten Friedrich Hartmann Graf im Kleinen Goldenen Saal von der Themse bis an den Lech.

Ein Bad in der Wanne und Synchronschwimmerinnern auf dem Trockenen

swoolish garage, Niederlande | Foto: Rene Keijzer

„Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh“, heißt es auf dem Elias-Holl-Platz, wenn die Waschfrauen der niederländischen Straßentheatergruppe Directieen Co ihre Laken waschen und der ein oder andere Besucher zum Wäscheständer wird. Im Annahof laden die Nageuses sur Bitume (F) zum Bade und vollführen ihre Synchronschwimmchoreografie auf dem Trockenen. Wem das nicht nass genug ist, der kann eine Erfrischung am Rathausplatz mit Swool
ish Garage (NL) wagen, die eine Badewanne inklusive Leihbadeanzügen und Handtüchern zur Verfügung stellen. Wer eine Auszeit braucht, kann sich hier auch mit einem beruhigenden Fußbad, einem Kaffee oder einem prickelnden Becher Augsburger Trinkwasser von der swa-Wasserbar auf die nächsten Programmpunkte einstellen.

Schiff voraus!

Gollwitzer / Kahnfahrt | Foto: Lina Mann

Mit mehr Brücken als Venedig kann sich Augsburg ja schon schmücken, doch was fehlt, ist ein Hafen: In „Hoi a Schiff!“ werden an der Kahnfahrt im Ruder
boot die Pläne des Augsburger Architekten Gollwitzer Augsburg an die Donauschifffahrt anzubinden, szenisch-musikalisch vorgestellt. Im Römerlager im Zeughaus steht die römische Schiffslende und die Geschichte der römischen Binnenschifffahrt in Augusta Vindelicorum im Mittelpunkt.

Im Fluss

Theater Anu, Berlin | Foto: Johannes Gaertner

Auch literarisch ist an dem Abend viel geboten: Matthias Klösel lässt sich in seiner Lesung in den Poe’schen „Maelström“ hinab ziehen, während das Schauspielensemble des Theater Augsburg Ausschnitte aus T.C. Boyles „Wassermusik“ liest und im Programmpunkt „Panta Rhei“ in einem Potpourri aus Wassertexten Gedanken fließen und sprudeln lässt. Das Märchenzelt Augsburg stellt dieses Jahr erstmals seine Jurte in den Hofgarten und erzählt mit schmelzendem Eisberg in der Mitte das Inuit-Märchen „Die Mutter des Meeres“. Zum Ausklang verzaubert das Theater Anu den Fronhof in eine Welt des Wassers und inszeniert verschiedene Wassermythen in traumhafter Kulisse neben dem Dom.

Unter freiem Himmel

Nicht nur Museen und historische Säle sind bei der Kunstnacht bis Mitternacht geöffnet, einige Plätze und Höfe werden, bei hoffentlich schönstem Sommerwe
tter, stimmungsvoll inszeniert: Im Damenhof ertönen wundersame und exotische Klänge aus der Wasserstichorgel, während im Anschluss ein Tanzpaar das Becken des Damenhofs zur Tanzbühne erhebt. Der Brunnenhof im Zeughaus zeigt sich weltmusikalisch mit Wasserliedern aus Brasilien und der ganzen Welt dargeboten von den Ensembles Todo Mundo und Vatapá. Rund um den Holbeinplatz lädt die Open-Air-Ausstellung in den Kanälen mit wellenschlagenden Kunstwerken des Altstadtvereins und der Unterwassergalerie des Kunstvereins 38/40 zum Staunen ein.

Ausplätschern

Um Mitternacht geht der Kunstnachtabend an mehreren Nachtschwärmer-Orten in den musikalischen Schlussakkord über: Uli Fiedler and friends werden
im Jazzclub einheizen. Im Thalia Kaffeehaus spielen Harry Alt & friends einen jazzigen Ausklang und auf der Soho Stage kann man zu selbstgestrickter und live gespielter Minimal Music mit Tom Jahn, Jan Kiesewetter und Tilman Herpichböhm noch das Tanzbein schwingen.

Das detaillierte Gesamtprogramm finden Sie unter www.langekunstnacht.de

Die Tickets kosten an der Abendkasse  14,- / 12,- EUR (erm.), einen Ticketaufschlag von 4,- EUR gibt es für das Eröffnungskonzert.