Konzert abgesagt! Wann bekommen Betroffene ihr Geld zurück?

Sei es Lady Gaga oder Helene Fischer: Immer wieder kommt es vor, dass Künstler ein Konzert aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Meist gibt es dann direkt einen Ersatztermin – aber was, wenn ein Konzert ganz ausfällt? Bekommen Betroffene ihr Geld zurück? Und was ist mit Reise- und Übernachtungskosten? Markus Mingers, Rechtsanwalt und Inhaber der Kanzlei Mingers & Kreuzer, klärt, was es in solch einem Fall zu wissen gilt.

Was gilt für Konzerte ohne Ersatztermin?

„Grundsätzlich besteht beim Ausfall eines Konzerts ohne Ersatztermin Anspruch auf Rückerstattung des Eintrittspreises. Hierfür ist unerheblich, aus welchem Grund das Konzert abgesagt wurde. Der Erstattung des Tickets liegt der Werkvertrag zugrunde – damit haftet der Veranstalter bei Nicht-Erbringung der Leistung“, erklärt Markus Mingers. In der Regel geben Konzertveranstalter die Rückabwicklung der zu erstattenden Tickets an die Vorverkaufsstellen ab. Bieten diese keine Anlaufstelle für Ticketbesitzer, müssen Betroffene sich direkt an den Veranstalter wenden.

Übrigens: Auch, wenn es für das Konzert, für das ein Ticket erworben wurde, einen Ersatztermin gibt, hat man das Recht, seine Eintrittskarte zurückzugeben. Neben dem Ticketpreis, muss außerdem eine eventuelle Vorverkaufsgebühr erstattet werden. Wird durch eine Klausel im Vertrag eine Rückgabe des Tickets ausgeschlossen, sollte es zur Verlegung des Konzert- beziehungsweise des Veranstaltungstermins kommen, ist davon auszugehen, dass diese unwirksam ist. Wenn ein Ticket postalisch verschickt wird und es den Empfänger zu spät erreicht, besteht ebenfalls Anspruch auf Rückerstattung.

Werden auch Übernachtungs- und Reisekosten erstattet?

Viele Fans nehmen längere Anreisen auf sich, um Lieblingsband,           -sänger oder -sängerin live zu erleben. Dementsprechend muss sowohl die Anreise, als auch eine Übernachtungsmöglichkeit organisiert und bezahlt werden. Fällt das geplante Konzert aus und die Schuld liegt beim Veranstalter – was zum Beispiel der Fall wäre, wenn der Künstler einfach keine Lust hatte, aufzutreten – kann Schadensersatz für die Anfahrt und das gebuchte Hotel verlangt werden. Häufig ist allerdings schwierig zu ermitteln, inwiefern der Veranstalter schuldhaft gehandelt hat. Dazu der Rechtsexperte: „Kann der Künstler wegen Krankheit nicht auftreten, handelt der Veranstalter eindeutig nicht schuldhaft, sodass er auch keine Zusatzkosten tragen muss. Gleiches gilt, wenn ein Konzert wegen Unwetter oder Terror-Gefahr ausfällt.“ Beim Abbruch eines Konzerts haben Ticketbesitzer die Möglichkeit, zumindest einen Teil des Eintrittspreises zurückzufordern.

Wann können Online-Tickets zurückgegeben werden?

Für viele Waren, die man im Internet bestellt, gilt ein 14-tägiges Rückgaberecht. Bei Tickets, die im Netz bestellt werden, sieht dies allerdings anders aus: Gemäß § 312g Abs. 9 BGB besteht kein Widerrufsrecht für Verträge zur Erbringung weiterer Dienstleistungen im Zusammenhang mit Freizeitbetätigungen, wenn vertraglich spezifische Termine oder Zeiträume vorgesehen sind. „Gefällt mir nicht mehr“ ist bei Konzerten folglich kein legitimer Rückgabegrund. Ein Vertrag kann nur dann widerrufen werden, wenn: 1. ein Widerruf vertraglich vereinbart ist oder wenn es sich 2. um ein Fernabsatzgeschäft handelt.

In welchen Fällen ist eine Erstattung noch möglich?

Besucht jemand beispielsweise ein Konzert in einer Halle mit unzumutbaren Voraussetzungen (z.B. ohne Beheizung im Winter), hat derjenige das Recht, die Veranstaltung unter Protest zu verlassen und den sogenannten Besuchervertrag zu kündigen. Hier besteht die Möglichkeit, sein Geld zurückzufordern.

Ein Rücktritt vom Vertrag ist auch dann möglich, wenn die Veranstaltung nicht zum angegebenen Zeitpunkt beginnt. „Natürlich sind Verzögerungen in einem gewissen Rahmen zu akzeptieren – allerdings gilt, dass eine Verzögerung über eine Stunde nicht hingenommen werden muss. Auch hier stehen die Chancen gut, seinen Eintrittspreis zurückzufordern. Gleiches gilt für zu kurze Konzerte oder eine Ersatzdarbietung, für die Betroffene eigentlich nicht gezahlt haben“, so Mingers abschließend.