Trotz Brandkatastrophe blickt Caritas Augsburg voller Zuversicht in die Zukunft – Arbeit wird am Montag wieder aufgenommen

Ab Montag können wieder Sachspenden abgegeben werden – Beratungsdienste werden ab kommender Woche Schritt für Schritt ihre Dienste wieder aufnehmen – Caritas dankt Bischof und Generalvikar für schnelle und eindeutige Hilfszusagen.

Foto: Wolfgang Czech

Vor weniger als einer Woche brannte das Caritas-Zentrum in Augsburg-Göggingen ab. Es war ein Schock für alle Augsburger und darüber hinaus. Noch immer sind die die verantwortlichen Vorstände bei der Caritas nach der Brandkatastrophe vom vergangenen Sonntag tief erschüttert, die Mittarbeiter um ihren Arbeitsplatz besorgt . Geschäftsführer Dr. Walter Semsch zeigt den Weg, wie es weitergehen soll. Wenn die Ermittlungen beendet seien, will man noch in diesem Jahr die Brandruine abreissen lassen. Eine Spezialfirma wird beauftragt das kontaminierte Gebäude zu entsorgen. Das Architekturbüro Schrammel hat sich bereiterklärt, sofort mit der Planung eines Neubaus an gleicher Stelle zu beginnen. Der Komplex soll bis 2020 bezugsfertig sein.

Die Leistungen des Sozialzentrums werden fortgeführt und auf andere Örtlichkeiten verteilt. Mit Mitarbeitern, die nah am Rentenalter sind, will man über einen vorzeitigen Ruhestand sprechen. Mit der Arbeitsagentur kam man überein, alle Arbeitslosen im Förderprogramm zu halten. Es besteht der Wille, alle Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Beratung und Betreuung wird neu organisiert. Die Sammelstelle für Kleider soll vor Ort bleiben. Lager werden in St. Canisius und anderen Örtlichkeiten entstehen.

Nach neuesten Erkenntnissen wird Brandstiftung vermutet, weil Feuer an mehreren Stellen gleichzeitig ausbrach. Beeindruckend ein verkohltes Holzkreuz an einer rußgeschwärzten Wand. Dieses hatten einst Alkoholkranke angefertigt.

Foto: Wolfgang Czech

Gestern konnte der gesamte Vorstand des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Augsburg e. V. diesen Menschen, aber auch den eigenen rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute Nachricht verkünden. Ab Montag, 16. Juli 2018, nimmt der Caritasverband seine Arbeit schrittweise wieder auf. Möglich wird dies durch die schnelle Unterstützung der Diözese Augsburg. Sie stellt mit Zustimmung der zuständigen Kirchenverwaltungen zwei Pfarrhäuser und eine Unterkirche zur Verfügung. Trotz aller Unterstützung bleibe man auf Spenden angewiesen.

Ab kommender Woche will man mit der Kirchenstiftung St. Georg und Michael die Einzelheiten besprechen, um die Beratungsdienste im dortigen Pfarrhaus in der Von-Cobres-Straße 8 in Göggingen einzurichten. Ebenso hat der Caritasverband eine Zusage für das Pfarrhaus vom St. Canisius und für die „Unterkirche“ der Pfarrkirche in der Hochfeldstraße 63 in Augsburg-Hochfeld. Dort werden Schritt für Schritt die Beratungsdienste so schnell wie möglich ihre Dienste aufnehmen, kündigte der Caritas-Geschäftsführer Dr. Walter Semsch bei einer Pressekonferenz am Freitag am Brandort in Augsburg-Göggingen in der Depotstraße 5 an.

Gleichzeitig bittet Dr. Semsch die Bevölkerung darum, Kleidung, Wohnungsgegenstände, Kleinteile und Möbel wieder zu spenden. Bereits ab kommenden Montag können von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr diese Sachspenden für die Caritas in der Unterkirche von St. Canisius in Augsburg-Hochfeld, aber auch in der Depotstraße 5 abgegeben werden. „Wir brauchen diese Spenden, damit wir Menschen, die wenig Geld haben, damit so schnell wie möglich wieder helfen und mit unserem Arbeitslosenförderprojekt die Arbeit wieder aufnehmen können.“

Caritas lebe, so der Geschäftsführer in seinem Appell weiter, vom „Mitleid“. „Unser Caritas-System lebt davon.“ Es könne nicht sein, dass man mit aller Sorge das Schicksal der philippinischen Kinder in der Höhle verfolge, aber die Menschen vergisst, die auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken. Es dürfe nicht sein, dass politischer Streit dazu führe, dass man einer Gruppe von Menschen die Schuld für die Missstände zuschiebe. Am Donnerstag seien erst 20 Flüchtlinge vorbei gekommen und haben ihre Hilfe angeboten, erzählte Dr. Semsch. Er wünscht sich deshalb, dass die Brandkatastrophe als Anstoß verstanden wird, wieder mehr über „Mitleid“ zu sprechen und auch davon zu erzählen, was Kirche und Caritas alles für ein gutes Miteinander leiste. „Das Ziel unserer Gesellschaft muss ein gutes Miteinander sein“, so sein Appel.

„Ein Teil meines Lebens“

Wie tief der Schock bei allen Anstrengungen und allem Engagement für einen Neuanfang noch sitzt, das machte Pfarrer Karl Mair, seit über 20 Jahren Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes, in sehr persönlichen Worten am Freitag bei einer Pressekonferenz im Brandort noch einmal deutlich. „Das ist ein großer Einschnitt für uns alle, ich bin erfüllt von großer Erschütterung. Dieses Haus ist Teil meines Lebens.“ Und dennoch erinnerte er gleichzeitig daran, warum die Caritas dieses Haus gebaut hatte. „Es gibt so viele Menschen in einer bedrängten Lebenssituation. Sie brauchten Hilfe und wir wollten sie ihnen geben.“ Zwischen 300 und 400 Menschen kamen zuletzt täglich in das Caritas-Zentrum, um zu essen, weil sie zuhause nicht mehr kochen konnte, weil sie kein Geld mehr hatten, überschuldet waren oder in einer anderen Krisensituation waren.