Über 800 Besucher kommen zur „Langen Nacht der Demokratie“ in die Stadtbücherei Augsburg

Die Organisatoren der Langen Nacht der Demokratie, die am gestrigen Samstag in der Stadtbücherei in Augsburg stattfand, zeigten sich mit der Resonanz sehr zufrieden. Manfred Gahler, Vorsitzender des Bezirksjugendrings: „Dass trotz starker Konkurrenz von anderen Veranstaltungen über 800 junge und junggebliebene Menschen den Weg in die Stadtbücherei gefunden haben, hat uns sehr gefreut. An den einzelnen Gesprächsinseln wurde viel diskutiert und die Besucherinnen und Besucher nahmen die vielen kreativen Angebote der über 30 Organisationen dankbar an.“

Wichtig war den Initiatoren der Nacht, dass es niederschwellige und spielerische Aktionen gab, mit denen unterschiedliche Menschen direkt ins Gespräch kommen konnten. Manfred Gahler: „Wir wollten zeigen, dass Demokratie Spaß machen kann und nicht langweilig ist.“ Deshalb gab es Stände, an denen mit Demokratiebegriffen gebastelt wurde, an einem anderen entstanden aus solchen Begriffen kleine Musikstücke.  Der Stadtjugendring Augsburg präsentierte die Videos, die im Rahmen des Wettbewerbs „1 Minute für die Demokratie“ eingegangen sind. Viel Betrieb herrschte beim gemeinsamen Angebot der Volkshochschulen der Region. Dort konnten Besucherinnen mit acht Politikerinnen verschiedener Ebenen kurze Gespräche auf Augenhöhe geführt werden.

Wie ein roter Faden zog sich die Beobachtung, dass die jungen Menschen Demokratie nicht auf Wahlen reduziert sehen wollen. So gab es Anregungen, wie Demokratie in der Familie, in Schulen oder in der Freizeit gestärkt werden könnte. Und immer wieder wurden Stimmen laut, die eine stärkere Mitsprache von jungen Menschen in politische Entscheidungen forderten. Hier müssten auch Strukturen für Jugendbeteiligung geschaffen werden.

In eindringlichen Worten beschrieb der chinesische Menschenrechtsaktivist Liu Dejun die Wirklichkeit in einem Land, in dem demokratische Spielregeln nicht gelten. Er deckte als Blogger mehrfach Menschenrechtsverletzungen auf und benannte Fehlverhalten von Behörden und Firmen. Deshalb wurde sein Blog gelöscht, er wurde mehrfach inhaftiert und musste schließlich nach Europa fliehen, da er um sein Leben fürchten musste. Da auch Angebote wie twitter, facebook, wikipedia oder google massiv eingeschränkt werden, ist ein freier Meinungsaustausch so gut wie undenkbar.

Zum Auftakt der Veranstaltung schilderten Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert und Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl ihre Erfahrungen mit demokratischen Strukturen. Jürgen Reichert appellierte an die Anwesenden, dass es aktuell „24 Stunden am Tag“ Einsatz für unsere Demokratie brauche, da sie von verschiedenen Seiten in Frage gestellt würde. Kurt Gribl sieht in einer demokratischen Struktur die Gewähr für ein friedliches Zusammenleben und kanalisierten Auseinandersetzungen: „Demokratie ist manchmal auch sehr anstrengend, aber sie führt zu guten Ergebnissen, da viele Meinungen einbezogen werden. Daran sollten wir alle mitwirken und nicht nur bei Fragen, die uns ganz unmittelbar betreffen.“

Begleitet und dokumentiert wird die Lange Nacht der Demokratie von einem Beteiligungsprojekt von und mit Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrung. Sie führten den ganzen Abend über Interviews und filmten wichtige Passagen. Daraus wird eine Videodokumentation entstehen. Angeleitet wird die Gruppe vom Verein Pareaz e.V.