Überheblichkeit war ihm völlig fremd | Romanistik-Professor Reinhold Werner ist verstorben

Wenige Wochen nach seinem Eintritt in den Ruhestand ist am 11. November 2015 Prof. Dr. Dr. h. c. Reinhold Werner im Alter von 68 Jahren verstorben. Bei der Trauerfeier am vergangenen Montag würdigte der Dekan der Philologisch-Historischen Fakultät, Prof. Dr. Gregor Weber, den Verstorbenen als einen Menschen und Wissenschaftler, „der uns mit seinem Vorbild fehlen wird“. Prof. Dr. Dieter Götz hat als dessen langjähriger Kollege in der Leitung des Augsburger Sprachenzentrums Reinhold Werners Stationen und Leistungen als Sprachwissenschaftler, Hochschullehrer und Wissenschaftsorganisator in einem Nachruf nachgezeichnet, der sich unten an Passagen aus der Trauerrede von Dekan Weber anfügt.

 Prof. Dr. Dr. h. c. Reinhold Werner: Seit 1991 war er Ordinarius für Angewandte Sprachwissenschaft (Romanistik) an der Universität Augsburg, am 11. November 2015 ist er im Alter von 68 Jahren verstorben. | Foto: privat.
Prof. Dr. Dr. h. c. Reinhold Werner: Seit 1991 war er Ordinarius für Angewandte Sprachwissenschaft (Romanistik) an der Universität Augsburg, am 11. November 2015 ist er im Alter von 68 Jahren verstorben. | Foto: privat.

 25 Jahre lang war Prof. Dr. Dr. h. c. Reinhold Werner Inhaber des Lehrstuhls für Angewandte Sprachwissenschaft (Romanistik) an der Universität Augsburg gewesen, am 1. Oktober 2015 hatte er – zum Einstand in seinen Ruhestand – die Vertretung seines eigenen, noch nicht wiederbesetzten Lehrstuhls im Wintersemester 2015/16 angetreten. „Mir gegenüber hatte er erst kürzlich die Bereitschaft erklärt, seine Tätigkeit, wenn wir es denn wünschten und es erforderlich sei, auch im kommenden Sommersemester fortzusetzen; diese Selbstverständlichkeit ist typisch für ihn gewesen“, sagte Dekan Prof. Dr. Gregor Weber in seiner Trauerrede.

Weber würdigte seinen verstorbenen Fakultätskollegen als einen Wissenschaftler mit denkbar weitem Horizont, geprägt von der unbedingten Überzeugung, “ dass Sprache an sich, deren Verstehen und Analyse, entscheidend für das Verstehen anderer Kulturen sei – vor allem versuchte Reinhold Werner, Verbindungslinien herzustellen zwischen den Sprachen und zwischen den Kulturen.“ Wissenschaft sei für ihn weit mehr gewesen als nur Schreibtischtätigkeit, nämlich „das Herstellen von Kontinente übergreifenden Kooperationen und der enge Kontakt mit den Menschen, ein echtes Interesse an ihnen.“ Wenn er von einer Sache überzeugt gewesen sei, habe er mit der ihm eigenen Beharrlichkeit und realistischen Einschätzung nicht geruht, bis eine Lösung gefunden war. „Und“, so Weber weiter, „er war sich auch nicht zu schade, sich in die sogenannten Niederungen von Verwaltung und Abrechnung zu begeben – Überheblichkeit war ihm hier völlig fremd.“

„Bei seiner sehr geraden Art“, hob Weber in seiner Erinnerung an Reinhold Werner schließlich hervor, „wusste man immer, woran man war, und mit seinen klaren Argumenten konnte er mitunter auch ziemlich unbequem sein. Seine nüchterne Sachbezogenheit aber war gepaart mit einer großen Hilfs- und Gesprächsbereitschaft und mit einer Zugewandtheit und Großzügigkeit, die die Belange und Sorgen anderer deutlich wahrnahm. Für ihn besaßen Ämter in einer Weise, wie ich sie sonst kaum kenne, eine dienende Funktion – ein Dienst an den Menschen und an der Sache, ganz im Einklang mit einem tief verwurzelten christlichen Selbstverständnis, das sich nicht in Worten erschöpfte, sondern tatkräftig war. Gerade hier wird er uns mit seinem Vorbild fehlen! Machtspiele und die Ausnutzung des eigenen Vorteils waren seiner Person gänzlich fremd – mit ausbleibendem Engagement und großen Worten allein hatte man ihn nicht auf seiner Seite, im Gegenteil, hier nahm er genauestens auch feine Unterschiede wahr; sein Rat ist sicher nicht nur von mir geschätzt worden. Reinhold Werner wird uns als Wissenschaftler und als Mensch in guter Erinnerung bleiben; er fehlt uns jetzt schon.“