Vereine fordern Tempo 30 für den Pferseer Tunnel

Autos, Busse und LKWs brausen mit bis zu 50 km/h durch den Pferseer Tunnel, die Straßenbahn rattert alle paar Minuten durch. Radfahrer haben die Wahl, für eine schnelle Fahrt den Straßenraum mit den motorisieren Verkehrsteilnehmern zu teilen, oder den für sie freigegebenen Fußweg mit zu nutzen, wofür sich die meisten entscheiden. Seit es auf dem Bahnhofsvorplatz und vor dem Nordzugang zum Bahnhof kaum noch kostenlose Radabstellplätze mehr gibt, nutzen etlicher Radler den Gehweg im Tunnel als überdachten Parkplatz.

Foto: Dominik Mesch

Viele, die sich ohne schützende Blechhülle durch den Tunnel bewegen, leiden unter dem Lärm und fühlen sich unsicher. „Aus Gründen der Verkehrssicherheit …“ beginnen Schilder, welche die Stadt Augsburg Ende Januar aufgestellt hat. Leider geht es nicht weiter, wie es viele Studien zur Verkehrssicherheit nahe legen würden: „… gilt im Pferseer Tunnel Tempo 30“. Tempo 30 senkt die Lärmbelästigung spürbar. Bei langsamerem motorisierten Verkehr können Radler auf die Straße wechseln, was wiederum den Fußgängern mehr Raum lässt. Viel Nutzen also für wenige Sekunden Zeitverlust bei Motorfahrzeugen.

Stattdessen lautet die Fortsetzung der neuen Schilder „… ist das Abstellen von Fahrrädern verboten!“. Offensichtlich hat dieses Verbot aber keine rechtliche Wirkung, jedenfalls hält sich die tatsächliche Wirkung nach über zwei Monaten in Grenzen, wie sich jeder täglich überzeugen kann. Hier hat die Stadt weder eine freundliche noch eine effektive Art der Kommunikation mit dem Bürger gefunden.

Eigentlich könnten Radler ihr Fahrzeug direkt nach dem Tunnel im neuen Radparkhaus abstellen. Von dessen gut 700 Stellplätzen hat erst knapp die Hälfte einen Mieter gefunden. Dies liegt wohl an den wenig kundenfreundlichen Konditionen: es gibt ausschließlich eine Jahreskarte für 70 Euro oder eine Monatskarte für 7€, keine Tages- oder Wochenkarten. Es gibt keinen Ansprechpartner direkt vor Ort, nur einen Automaten. Mit etwas Phantasie sollte es gelingen, diesen mit öffentlichen Geldern geschaffenen Parkraum vollständig seiner Bestimmung gemäß zu nutzen: flexiblere Tarife, (gesponserte) Schnupperabos oder ein Sonderrabatt bis zur Bereitstellung kostenloser Parkmöglichkeiten beim im Bau befindlichen Ostzugang zum Hauptbahnhof.