Der Augsburger Stadtrat Alexander Süßmair (parteilos) kritisierte zuletzt, dass die städtische Wohnbaugruppe (WBG)  die Vorgabe von mindestens 600 neuen Wohnungen bis Ende der Legislaturperiode im Jahr 2020 nicht erreichen wird. Nun entkräftete WBG-Geschäftsführer Dr. Mark Dominik Hoppe diese Aussagen. Gegenüber unserer Redaktion zeigte er auf, was in den kommenden Jahren geplant ist.

WBG-Geschäftsführer Dr. Mark Dominik Hoppe stellt die genauen Zahlen der Baumaßnahmen vor | Foto: Wolfgang Czech

 

Der Augsburger Stadtrat Alexander Süßmair (parteilos) hatte in den letzten Tagen angezweifelt, dass die städtische Wohnbaugesellschaft (WBG)  das im Jahr 2014 von der Stadt Augsburg ausgegeben Ziel von mindestens 600 neue Wohnungen  in der Legislaturperiode des Stadtrates von 2014 – 2020 erreichen wird.

 „Die Menschen in Augsburg haben ein schwerwiegendes Problem: Es gibt zu wenige bezahlbare Wohnungen. Viele der neu errichteten Wohnungen sind für die meisten Menschen unbezahlbar. Der Anteil der geförderte Wohnungen (Einkommensorientierte Förderung – EoF) mit meist 20-30% ist viel zu niedrig, siehe aktuelles Beispiel Fabrikschloss-Areal.Besonders wenn man weiß, dass mittlerweile ca. 70% der Augsburger Bevölkerung diese Förderung in Anspruch nehmen könnte, wenn es entsprechende Wohnungen gäbe! Die Situation wird immer schwieriger, die Miete frisst einen immer größeren Anteil des Einkommens auf und immer mehr Menschen sind von Wohnungslosigkeit bedroht. Neben Bund und Ländern, die hier dringend gesetzgeberisch und markregulierend eingreifen müssen, sind auch die Kommunen gefordert für ausreichend bezahlbaren Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu sorgen.“

In der Stellungnahme des früheren Linken-Stadtrat heißt es, es würden nur bis 2020  296 neue Wohnungen durch die WBG zur Verfügung gestellt werden und weitere 650 Wohnungen für die Folgejahre geplant. Die Vorgabe würde damit deutlich verfehlt.

Wie Dr. Mark Dominik Hoppe, Geschäftsführer der Wohnbaugruppe Augsburg (WBG), gegenüber unserer Redaktion bestätigte, werden 2020 nur etwas mehr als 55% des Ziels erreicht werden. In den Folgejahren werden aber zudem  zahlreiche Projekte abgeschlossen werden können: „In der Tat gab es seitens der Stadt Augsburg zu Beginn der Legislaturperiode die Vorgabe an die Wohnbaugruppe, 100 Wohnungen pro Jahr zu erwerben oder zu errichten. Wir sind 2014 mit Vehemenz gestartet und haben Grundstücke erworben, das jeweilige Baurecht entwickelt, den Bebauungsplan mit dem städtebaulichen Vertrag mit der Stadt Augsburg erarbeitet und schließlich in die Objektplanung gegangen. Weil in den Jahren zuvor der Schwerpunkt unserer Tätigkeit auf der Modernisierung des Bestands lag, musste erst eine entsprechende Neubau-Abteilung aufgebaut werden. Bei durchschnittlichen Bauvorhaben ist zudem eine Bauzeit von eineinhalb bis zwei Jahren zu berücksichtigen.

Bis Ende des Jahres 2020 werden wir 339 Wohneinheiten fertiggestellt haben, weitere 662 werden sich im Bau befinden. Ende des Jahres 2021 werden wir insgesamt 681 Wohnungen fertiggestellt haben, weitere 320 Wohneinheiten werden sich im Bau befinden. Bis Ende 2022 werden weitere 320 Wohneinheiten bezugsfertig sein. Zu diesem Zeitpunkt werden wir die Vorgaben der Stadt von 100 Wohneinheiten pro Jahr übertreffen und insgesamt 1001 statt 800 neue Wohneinheiten seit 2014 geschaffen haben.“ so Dr. Hoppe.

Vollendete Wohnungen sind blau, im Bau befindliche grau hinterlegt. Quelle: Wohnbaugruppe Augsburg

Stadt fördert WBG durch Übertrag von Grundstücken

Süßmair bemängelt  in seinen Ausführungen des Weiteren, dass die Stadt Augsburg der WBG keine oder nicht ausreichend finanzielle Mittel für die anstehenden Aufgaben zu Verfügung stellt. Dr. Hoppe sieht dies ganz anders. „Die Unterstützung der Stadt Augsburg setzt genau am dringendsten Punkt an: Sie möchte kurz- bis mittelfristig für den Geschosswohnungsbau geeignete und baureife Grundstücke, die in ihrem Eigentum stehen, in das Stammkapital der Wohnbaugruppe Augsburg übertragen. Dies betrifft zum Beispiel ein Grundstück an der Wernhüter Straße in Lechhausen und das ehem. Wohanka-Gelände im Bärenkeller. Nach Angaben der WBG konnte zudem  89.000 m² Bauland von der Stadt im derzeit in Planung befindlichen Bereich Haunstetten Südwest erworben werden. Die Wohnbaugruppe kann hier bis zu 600 Wohneinheiten neu schaffen.

Bestandsimmobilien für WBG keine Option

Einen zusätzlichen Aufkaufen von bestehenden Wohnungen und Wohnanlagen, wie von dem Stadtratsmitglied gefordert, lehnt Dr. Hoppe ab. Dabei hat er auch die Mieter im Blick: „Die Umsetzung des Vorschlags, bestehende Wohnungen und Wohnanlagen aufzukaufen, ist aktuell nicht mehr wirtschaftlich darstellbar. Die Verkaufspreise sind marktbedingt nahezu unerschwinglich und das vorhandene Mietniveau ist im Zweifelsfall mit unserer Mietenstruktur nicht vereinbar. Im Jahr 2018 lag die Durchschnittsmiete der Wohnbaugruppe Augsburg über den Gesamtbestand, d. h. egal ob frei finanzierte oder mietpreisgebundene Wohnungen, bei 5,73 €/m² netto kalt. “

Süßmair mag dies nicht so recht glauben und erachtet die Mieten allgemein als zu hoch: „Auch die geförderten Wohnungen der EoF sind für viele Menschen schon jetzt zu teuer und hier kann die Miete ganz normal alle drei Jahre erhöht werden. Es sind eben keine Sozialwohnungen!“

Die Einschätzung, dass die EoF-geförderten Wohnungen schon jetzt zu teuer sind, ist für die Wohnbaugruppe Augsburg derzeit nicht nachvollziehbar. In den beiden Wohnanlagen, die in diesem Jahr fertiggestellt wurden (in der Offinger Straße und in der Bärenstraße), liegt – bei einer Zielmiete von 9,50 €/m² – die tatsächliche Belastung für den Mieter der Förderstufe I bei 5,80 €/m². Damit können diese Wohnungen beispielsweise von Empfängern des Arbeitslosengelds II angemietet werden, da hier die Pauschalbeträge des Jobcenters die Miete abdecken.

Im Bärenkeller entsehen immer wieder Wohnanlagen der WBG | Foto: Wolfgang Czech

„Nachdem bei künftigen Bauvorhaben auch höhere Baukosten zu erwarten sind und dies mit einer höheren zu erwirtschaftenden Miete korrespondiert, können wir derzeit noch nicht abschließend beurteilen, inwieweit die Bezuschussung von staatlicher Seite allen Bevölkerungsgruppen/ Einkommensgruppen den Zugang zu unseren Neubauprojekten ermöglicht.“

Am Ende ist es wohl wie so oft, beide werden irgendwie Recht haben. Die Wohnbaugruppe Augsburg zeigt sich rührig, und doch wird es wohl bis auf Weiteres nicht gelingen, den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in der wachsenden Schwabenmetropole zu sättigen.