Private Hermann-Schmid-Akademie verkündet Aus – Übernimmt die Stadt Augsburg das Gebäude?

Seit mehreren Monaten steht die private Hermann-Schmid-Akademie in den Schlagzeilen, seit gestern ist ein weiteres Thema hinzugekommen. Die Privatschulen mit aktuell insgesamt rund 560 Schülern schließt zum Ende des Schuljahres. Während viele Schüler und Eltern nun vor einem neuen Problem stehen, ergeben sich für die Stadt daraus möglicherweise Möglichkeiten.

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Dunkle Wolken über der HSA Akademie

„Keine Ahnung!“, so lautete die meistgehörte Antwort, wenn man sich am Freitag mit Eltern, Schülern und Lehrern der Hermann-Schmid-Akademie unterhielt. Sie alle haben wissen nicht, wie es mit ihnen weitergehen sollte.  Die Prokuristin des Privatschulenträgers Nicole Schmid hatte kurz zuvor das Aus für ihre Schulen zum Schuljahresende verkündet. Für über 360 von aktuell 560 Schülern bedeutet dies eine ebenso ungewisse Zukunft, wie für die 70 Lehrkräfte der Einrichtungen. Für die Schüler, zumeist Realschüler, sollen nun Plätze in möglichst wohnortnahen öffentlichen Schulen gefunden werden. Einfach dürfte dies nicht werden, die weiteren Schulen im Stadtgebiet sind bereits jetzt gut ausgelastet.

Lehrermangel als Begründung für das Aus

Als Grund für das Ende der vor über 30 Jahren von ihrem Vater gegründeten Einrichtung gibt Schmid einen akuten Lehrermangel an. Es wäre nicht mehr gelungen ausreichend Personal für die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs finden zu können. Die Schlagzeilen und die gegen die Verantwortlichen laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft (wir berichteten), die sich in den letzten Monaten um die HSA rankten, sollen dabei nur bedingt eine Rolle gespielt haben.

Übernimmt die Stadt die HSA als neues Schulgebäude?

So oder so ist das Ende nun beschlossen, das erst vor fünf Jahren an der Ackermannstraße errichtete Schulgebäude wird zum Schuljahresende frei. Die CSU-Stadtratsfraktion sieht darin die Möglichkeit, kurzfristig an benötigte Schulräume zu kommen. Besonders die anstehende Sanierung des Peutinger Gymnasiums an der Blauen Kappe wird nochmals Raumprobleme aufwerfen. Eine Verlagerung des Peutingers in den Augsburger Westen (Reese) war in der Vergangenheit immer wieder aufgekommen, nun wäre die Möglichkeit dazu da. Die Planungen für einen möglichen Umzug in die Räume der HSA zum Schuljahr 2021/22 sind bereits angelaufen. „Liegenschaftsreferentin Eva Weber und Bildungsreferent Hermann Köhler haben im Hintergrund mit hoher Sensibilität schnell gehandelt und bereits Vorgespräche geführt“, bestätigt der CSU-Fraktionsvorsitzende Bernd Kränzle. „Für den Erwerb und weiteren Ausbau sollten die zusätzlich Schlüsselzuweisungen des Freistaates jetzt genutzt werden, so wie bereits von Finanzreferentin Eva Weber im Stadtrat im Dezember angekündigt“. Am Montag sollen die Ideen für die Weiternutzung des Gebäudes bereits vorgestellt werden.

SPD: Zuerst müssen die betroffenen Schüler und Lehrer eine Perspektive bekommen

Für die an der aktuellen Stadtregierung beteiligte SPD geht dies deutlich zu schnell. „Dem CSU-Vorschlag, die HSA-Gebäude zu erwerben, können wir als SPD zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder zustimmen noch ihn ablehnen, weil – wie üblich – ein dahinterstehendes pädagogisches Konzept fehlt.“, so Florian Freund, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten. Er sieht im Aktionismus der beiden Referenten kurz vor der Kommunalwahl ein durchschaubares Manöver im Kampf um die Wählergunst.

Auch sein Parteifreund, der Landtagsabgeordnete Harald Güller  spricht sich gegen  übereilte Entscheidungen und ein entsprechendes Votum in der Stadtratssitzung vom März aus. Vor überstürzten Angeboten, die Schulgebäude von Seiten der Stadt zu kaufen, warnt der Abgeordnete sogar.

In den nächsten Wochen muss aus seiner Sicht nun zunächst einmal im Mittelpunkt stehen, dass die von der Schließung betroffenen Schüler, aber auch Lehrer, eine Perspektive bekommen, dann muss man in Ruhe entscheiden, ob die Gebäude für einen staatlichen oder städtischen Schulbetrieb und gegebenenfalls in welcher Form, geeignet sind. „Nicht zuletzt spielt natürlich auch die Frage nach einem fairen Preis für die Übernahme eine Rolle. Hier jetzt sofort schon großes Kaufinteresse zu signalisieren ist nicht klug und wenig hilfreich.“, so Güller.