Przewalskipferdhengst aus Augsburger Stadtwald nach Warschau abgegeben

Am Mittwoch, den 20. Januar, hat der Landschaftspflegeverband den Przewalskipferdhengst „Lars“ an den Zoo Warschau zur Zucht abgegeben. Im Laufe des Jahres wird dann ein neuer Junghengst als Ersatz nach Augsburg kommen.

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Der Narkosepfeil sitzt. Foto:LPVA

Kurz vor Weihnachten kam die gute Nachricht von der Koordinatorin des Erhaltungszuchtprogramms für Przewalskipferde: Unser Hengst Lars darf das Gehege im Stadtwald verlassen und zieht als neuer Haremshengst in den Zoo Warschau. Am 20.1. war es dann soweit – Lars wurde in einen Pferdetransporter verladen. Die Aktion wurde wie üblich von Mitarbeitern des Augsburger Zoos, der Tierklinik Gessertshausen, des Landschaftspflegeverbands und unseren Landschaftspflege-Landwirten durchgeführt.

Ziel der Reise ist der Zoo Warschau, wo Lars künftig in einem großen Gehege mit natürlicher Vegetation zusammen mit einer vierköpfigen Stutengruppe leben und für Nachwuchs sorgen wird. Der mit inzwischen sieben Jahren ausgewachsene Lars kam im Jahr 2015 aus dem Zoo Leipzig nach Augsburg. Lars hat schon früh begonnen, dominante Verhaltensweisen zu zeigen und geriet dadurch auch über die Jahre immer wieder mit unserem ranghöchsten Pferd Marlon aneinander, was nicht immer ohne Verletzungen blieb. Zum Jahreswechsel 2020/2021 war es aber dann soweit, dass Lars tatsächlich – ganz unblutig – die ranghöchste Position in unserer Junggesellengruppe übernahm. Gegenüber den anderen Pferden setzt sich Marlon aber weiterhin durch, nach dem Fortgang von Lars wird er daher den Spitzenplatz in der Rangordnung sehr wahrscheinlich erneut übernehmen.

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Mit vereinten Kräften wird das narkotisierte Przewalskipferd Lars zum Transportanhänger getragen. Im Anhänger erhält er dann ein Gegenmittel und wird wach und stehend transportiert. Foto:LPVA

Seine neue Rolle in der Hengstgruppe konnte Lars nur rund drei Wochen genießen – seine nun gut trainierten Fähigkeiten, sich gegen andere durchzusetzen, wird er bei den vier Stuten, mit denen er in Warschau zusammenleben wird, am Anfang sicher brauchen. Zwei der Stuten sind mit einem Alter von 20 und 26 Jahren sehr erfahrene Tiere, gegen die Lars sich erst einmal behaupten muss. „Nachdem der letzte Haremshengst in Warschau im Jahr 2016 starb, waren die Stuten dort unter sich. Aus Gründen des Populationsmanagements wurde dort seitdem auch nicht mehr gezüchtet“, erläutert Zoodirektorin Barbara Jantschke. „Seine ersten Tage in Warschau dürften für Lars und auch für die Zoomitarbeiter und -mitarbeiterinnen sehr spannend werden.“

Das Gehege der Przewalskipferde in Warschau ist recht weitläufig und beinhaltet neben natürlicher Bodenvegetation auch einige Bäume – beides Dinge, die Lars aus Augsburg kennt. „Als Ersatz für Lars wird von der Koordinatorin des Erhaltungszuchtprogramms wahrscheinlich im Laufe des Jahres ein neuer junger Hengst an uns vermittelt werden“, so Projektleiter Norbert Pantel vom Landschaftspflegeverband.

Beim Beweidungsprojekt Stadtwald Augsburg sorgen die Przewalskipferde mit ihrem Fraßverhalten dafür, Heide und Kiefernwald im Gehege offen zu halten und den Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Gleichzeitig sind Junggesellengruppen wie in Augsburg wichtige „Parkplätze“ für genetisch wertvolle Przewalskipferde im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms, bis sie zur Zucht eingesetzt werden können. Lars ist übrigens das fünfte Przewalskipferd, dass das Augsburger Gehege seit 2007 zur Zucht verlassen hat. Die Tochter eines unserer ehemaligen Hengste hat es sogar bis in die Mongolei geschafft – sie war im Jahr 2018 Teil eines Transports von vier Przewalskipferden in die Gobi B Strictly Protected Area, um die dortige, seit dem Jahr 1992 im Südwesten der Mongolei in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder freilebende Population von Przewalskipferden zu ergänzen.