Quo vadis FC Augsburg? – Ein Versuch, die aktuelle Situation zu beleuchten

Der FC Augsburg befindet sich in einer desolaten Verfassung. Wer dies noch nicht sehen wollte, dem wurden beim 1:5 in Freiburg die Augen geöffnet. Doch was könnten die Gründe sein, wie soll es weitergehen? Wir haben versucht die aktuelle Situation zu beleuchten.

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Trainer Manuel Baum schloss trotz der schwachen Bilanz seiner Mannschaft einen Rücktritt aus | Foto: Wolfgang Czech

Der FC Augsburg fährt zur Zeit Rekorde um Rekorde ein, leider allerdings Negativrekorde. 6 der letzten 7 Spiele gingen verloren, oder besser gesagt eines der letzten vierzehn Spiele gewonnen. Noch nie hatte man nach 23 Spieltagen nur 18 Punkte auf dem Konto. Auch die Torstatistik ist verheerend. 45 Gegentreffer, soviel hatte man noch nie. Doch nicht nur die Zahlen sprechen Bände, auch die Art und Weise wie man auftritt, ist abstiegswürdig. Aktuell hält sich der FCA primär dadurch über dem Strich, dass es die drei Teams darunter (Nürnberg, Hannover, Stuttgart) zumeist mindestens genauso schlecht machen. Negativer Höhepunkt aus Augsburger Sicht war dabei wohl das blutleere Auftreten bei der hochverdienten 1:5-Klatsche am vergangenen Samstag in Freiburg. Was als Charakter- und Willensspiel angekündigt war, ging aus schwäbischer Sicht nach hinten los.

Wo bei anderen Vereinen spätestens jetzt die Alarmglocken schellen, hält man in Schwaben in Nibelungentreue zusammen. Manager Stefan Reuter jedenfalls hatte direkt nach dem Spiel jede Personaldiskussion weggeschoben. Diese Aussagen bekräftigte der Geschäftsführer Sport gestern in einem Pressegespräch nochmals. „Wir haben eine sehr gute Mannschaft, die selbstkritisch und offen zum Spiel gesprochen hat. Wir halten fest zum Trainer.“

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Manager Reuter sprach dem Trainer eine Jobgarantie aus | Foto: Wolfgang Czech

Die taktischen Ideen können nicht umgesetzt werden

Die Mannschaft weist aber seit Wochen, wenn nicht Monaten große Defizite auf. Gerade mental sind enorme Probleme nicht von der Hand zu weisen. Mehr als nur einmal wurden Spiele in den letzten Minuten aus der Hand gegeben, individuelle Fehler in Hülle und Fülle (Beispiel Khediras „Luftloch“ vor dem 1:0 am Samstag) und fehlendes Verständnis für die taktischen Vorgaben sind augenscheinlich. „Wir haben die Mannschaft mit einer Idee ins Spiel geschickt, die aber nicht umgesetzt werden konnte. Personaldiskussionen gibt es nicht, wir haben andere Probleme.“, so Baum, der sich ebenfalls den Medien gestellt hatte.

Ein Problem, dass dem Taktikfan Baum schon vor seiner Zeit als Chefcoach der Bundesligamannschaft nachgesagt wurde. Ein großartiger Theoretiker und Fachmann, doch nicht jeder Spieler kann seine Vorstellungen auch so auf den Platz transportieren. Verteidiger Martin Hinteregger hatte unter anderem dies in seinem inzwischen legendären, zu seinem Abschied führenden Interview kritisiert. Damals hatte der Österreicher betont, dass er nicht gewusst hatte, was die Taktik bei der Niederlage in Gladbach war.

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Die vorgegeben Spielidee kann nicht immer umgesetzt werden | Foto: Klaus Rainer Krieger

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz“ hat mit Otto Rehhagel ein Großer der deutschen Trainergilde einstmals gesagt, und er hatte Recht. Denn das was Hinteregger verbalisiert hatte, brachte die Augsburger Mannschaft am Samstag beim Debakel in Freiburg klar zum Vorschein. Man war den Breisgauern in allen Belangen unterlegen, hatte kein Rezept gegen den durchschnittlichen Sportclub parat, der zuvor seit einer gefühlten Ewigkeit kein Heimspiel mehr gewonnen hatte.