Radonbelastung: Wie kann ich Radon messen?

Allmählich wächst das Gefahrenbewusstsein für das Edelgas, das aus der Tiefe kommt. Die Rede ist von Radon, das über Ritzen und Spalten in Wohnungen dringt und sich im Mikrokosmos des Hauses ausbreitet. Das radioaktive Edelgas sammelt sich durch seine Schwere zunächst im Keller an. Als massivstes aller Edelgase ist es siebenmal schwerer als Luft. Über den Kamineffekt kann es allerdings allmählich in die oberen Wohnbereiche vordringen.

Produkt Rapidos
Kurzzeit-Exposimeter (©Radonova)

Der Kamineffekt wird wiederum durch die Höhe der Gebäude sowie die Existenz von Aufzügen, Versorgungsschächten, Wäscherutschen, Müllschluckern, offenen Treppenhäusern und Kabeldurchführungen beeinflusst und durch Temperaturunterschiede zwischen Umgebung und Haustemperatur verstärkt. Der Unterdruck nimmt zu und damit der Luftaustausch zwischen den unteren und oberen Etagen.

Erste Indizien für erhöhte Radonbelastung

Seit der Jahrtausendwende wird die Radon Belastung in Deutschland systematisch erfasst und in Regionen aufgegliedert. So lässt sich jederzeit ablesen, in welchen Gebieten eine besondere Vorsicht geboten ist. Verantwortlich für die Messungen ist die Behörde für Strahlenschutz (BfS), welche die Messungen in periodischen Abständen wiederholt. Die Ergebnisse werden systematisch erfasst und in einer Radonkarte veröffentlicht, die für jeden Bürger einsehbar ist.

Die Radonkarte ersetzt nicht eigene Messungen, vermittelt allerdings eine erste Orientierung über den möglichen Grad der Radonbelastung in der Region. Die Bundesregierung definiert Gebiete mit erhöhter Radonbelastung als Radonvorsorgegebiete. In diesen Gebieten herrschen striktere Regelungen zum Schutz der Bevölkerung vor dem radioaktiven Edelgas.

Radon messen: Selbsthilfe des Bürgers

Jeder Bewohner kann zur Selbsthilfe schreiten. Radonmessgeräte werden im Fachhandel angeboten und können bereits für etwa 30 bis 50 Euro erworben werden. Unterschieden werden die Detektoren in passive und aktive Radonmessgeräte. Alternativ kann auch zwischen Kurzzeit- und Langzeitmessgeräten differenziert werden. Beide Arten bieten unterschiedliche Vorteile und können sich sinnvoll ergänzen.

Aktive Radonmessgeräte

Aktive Radonmessgeräte sind Kurzzeit-Exposimeter. Sie werden an das Stromnetz angeschlossen und liefern direkte Ergebnisse über die Radonbelastung im eigenen Haus, die auf dem Display angezeigt werden. Sie lassen sich gut dafür verwenden, um Radoneintrittsstellen zu ermitteln. Wer bei diesem Vorgang, der in der Fachsprache Sniffing genannt wird, Hilfe benötigt, kann sich an zertifizierte Radonfachpersonen werden. Diese haben ein geschultes Auge für potenziell verdächtige Eintrittspfade, können die betreffenden Stellen deshalb schneller ermitteln und führen mehrere Kurzzeitmessungen durch. Natürlich beraten sie bei dieser Gelegenheit auch zum Umgang mit dem Edelgas.

Passive Radonmessgeräte

Passive Messgeräte sind hingegen zur Langzeitmessung gedacht. Typisch ist ihr Einsatz in den Heizmonaten, denn im Winter wird weniger gelüftet und die Temperaturunterschiede zwischen dem Haus und der Umgebung sind wesentlich höher, sodass die Radonkonzentrationen in der kalten Jahreszeit am ausgeprägtesten sind. Wer den Jahresmittelwert zur Radonbelastung erfahren möchte, lässt die Messgeräte das ganze Jahr über laufen. Passive Radonmessgeräte werden nicht an den Strom angebunden. Die Ermittlung der Radonwerte findet über Detektorfolien statt. Nach Abschluss der Messungen werden die Proben ins Labor geschickt. In der Regel erhält der Kunde nach der Auswertung einen Brief mit dem Ergebnis der Untersuchungen.

Wo werden die Messgeräte aufgestellt?

Für die Messungen bieten sich vor allem der Keller zur Ermittlung der potenziellen Radongefahr im Haus sowie die unterste bewohnbare Etage an. In dieser sind die Radonwerte nämlich deutlich höher als in den oberen Etagen und anders als im Keller sind die Bewohner dauerhaft dem radioaktiven Edelgas ausgesetzt. Außerdem müssen die Messgeräte einen offenen Kontakt mit der Raumluft haben. Sie im Schrank zu verstauen, wäre demnach eine denkbar schlechte Wahl.

Ab welchen Werten wird es bedenklich?

In Deutschland liegen die durchschnittlichen Radonkonzentrationen in Gebäuden bei durchschnittlich 50 Becquerel/m³. Die Radonbelastung ist weitaus geringer als in unseren Nachbarländern Österreich und Schweiz, deren zerklüftete Bergregionen dem Radon beste Möglichkeiten zum ständigen Ausbruch bieten. Die WHO gibt als Richtwert eine Schwelle von 100 Bq/m³ an. Studien haben ergeben, dass die Gefahr an Lungenkrebs zu erkranken, pro 100 Bq/m³ zwischen 11 und 16 % ansteigt, sofern man diesen Konzentrationen dauerhaft ausgesetzt ist. In Deutschland liegt der Referenzwert wahrscheinlich aus Rücksicht auf die Bauwirtschaft mit 300 Bq/m³ wesentlich höher.