Nach schwindenden Fahrgastzahlen durch die Pandemie steht der ÖPNV in der Region durch explodierende Energie- und Kraftstoffpreisen vor der nächsten, großen finanziellen Herausforderung. „Um das ÖPNV-Angebot im gewohnten Umfang aufrechterhalten zu können, müssen wir den Verkehrsunternehmen die enormen Kostensteigerungen ausgleichen. Diese Finanzierung erfolgt soweit möglich über die Aufgabenträger, jedoch müssen leider hierfür auch die Tarife angehoben werden.“, so Dr. Linda Kisabaka, AVV-Geschäftsführerin. Vor allem aufgrund der überdurchschnittlich gestiegenen Energiepreise müssen die Ticketpreise auf Basis der im AVV festgelegten, indexbasierten Berechnung ab Januar 2023 im Durchschnitt um 9,9 Prozent angehoben werden.

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Die neuen Ticketpreise sind im Detail ab spätestens Ende Oktober auf der AVV-Website einsehbar. Anfang Dezember werden dann auch die aktualisierten Tarifmedien in Print vorliegen.

Überdurchschnittlich hohe Kostensteigerungen bei Strom und Diesel

Zur Ermittlung der Preiserhöhung wird ein festgeschriebenes, indexbasiertes Verfahren angewandt. Für AVV-Tarifanpassungen des Folgejahres ist die Berechnungsgrundlage immer die Indexentwicklung von April des Vorjahres bis März des laufenden Jahres. Im letzten Jahr führte der herangezogene Zeitraum im verbundweiten Vergleich zu einer Erhöhung um 0,9 %. In diesem Jahr wirken sich die hohen Energiekosten massiv aus. „Im Berechnungszeitraum sind die Kosten für Strom um durchschnittlich 48 % und die für Diesel um 37,7 % gestiegen.“, erklärt Dr. Kisabaka. Auch die Personalkosten erhöhten sich bei den Verkehrsunternehmen, wenn auch im Vergleich zur Energie moderat um durchschnittlich um 1,55 %. Entsprechend des Berechnungsverfahrens kommt es daher zu der überdurchschnittlich hohen Anpassung der Ticketpreise von 9,9 %.

 

Vergleichsweise hohe Zuschüsse im AVV

Bereits heute decken die Einnahmen aus Ticketverkäufen nur etwa 45% der tatsächlichen Kosten des ÖPNV. Die darüber hinausgehenden Kosten von aktuell zirka 20 Millionen Euro für den AVV-Regionalbus werden jährlich durch die AVV-Aufgabenträger – die Landkreise Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen a.d.Donau und die Stadt Augsburg – ausgeglichen. Zusätzlich dazu bezuschussen die Stadtwerke Augsburg den Nahverkehr in der Stadt Augsburg mit über 40 Millionen Euro jährlich.

Diese hohen Zuschüsse im AVV belegen, dass die AVV-Aufgabenträger einen leistungsfähigen ÖPNV in der Region als sehr wichtig erachten. Vergleicht man die Zahlungen der umliegenden Landkreise, wird dies besonders deutlich: Im Landkreis Neu-Ulm wurden 2,6 Millionen Euro im Jahr 2020 für klassische ÖPNV-Leistungen ausgegeben, im Landkreis Günzburg 366.500 Euro. Eine komplette Übernahme der ermittelten Kostensteigerungen lässt sich in den Haushalten der Aufgabenträger oder der Stadtwerke Augsburg aber nicht darstellen. Daher müssen die Kostensteigerungen anteilig an die Fahrgäste weitergegeben werden.