Rekord-Teilnahme beim Wildwasser-Sprint auf dem Augsburger Eiskanal

143 Kanuten aus 14 Ländern messen am Wochenende in Augsburg Kraft und Können. Es geht um Punkte für die weltweite Rangliste, den EuropaCup – und die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2020 .

Sabine Füsser
Sabine Füsser zählt mit 44 Jahren immer noch zu den Favoriten

Vom Interesse an den Augsburger Rennen im Wildwasser-Sprint ist Manuela Gawehn sehr beeindruckt. Eine „gigantische Teilnahme“ kündigt die Wettkampfleiterin – aktiv in verschiedenen Funktionen beim Deutschen Kanu Verband (DKV), der European Canoe Association (ECA) und der International Canoe Federation (ICF) – für die Rennen auf einem 350 Meter langen Abschnitt der Wildwasser-Olympiastrecke von 1972 an. 143 Kanuten aus 14 europäischen Ländern werden am morgigen Samstag, 27. April, und am Sonntag, 28. April, in Augsburg an den Start gehen. Wegen des großen Interesses mussten die Organisatoren von Kanu Schwaben Augsburg (KSA) den Beginn der Wettfahrten an beiden Tagen auf 9.30 Uhr vorverlegen. Die Finalläufe beginnen an beiden Tagen um 14.30 Uhr. Der Eintritt zur Wettkampfstrecke ist frei.

Besonderer Wettkampf

Die Zuschauer werden sich wundern. Auf dem gewundenen Kanal sind derzeit keine Torstangen zu sehen, die sonst bei Trainings- und Wettkampfzeiten zur Standardausstattung dieser Sportstätte gehören. Beim Wildwasser-Sprint müssen die Kanuten ihre Ideallinie durch die tosenden Wellen finden, einzig die gepaddelte Zeit wird gewertet. Die Boote in dieser Disziplin sind dafür ausgelegt: Langgestreckt, mit hochgezogenem Bug sind sie deutlich weniger wendig als die flachen Wildwasserkanus, dafür aber wesentlich spurtreuer.

Punkte für die WM-Qualifikation

Am Samstag paddeln sie um Punkte in der Rangliste der ICF, die Zeiten der deutschen Kanuten im ersten Vorlauf zählen zudem für die DKV-Rangliste – und ist ausschlaggebend, wer 2020 bei der Weltmeisterschaft auf dem Manthala River in North Carolina (USA) starten kann. Am Sonntag geht es um ihre Platzierung für den Europa-Cup der ECA. Augsburg ist hier der dritte von insgesamt sechs Austragungsorten.

Im Canadier Herren wird wieder Deutschlands erfolgreichster Wildwasser-Sprinter, Normen Weber von KSA, im Einer und im Zweier antreten. Der 32-Jährige hatte 2017 zwar seinen Abschied vom internationalen Wildwasser-Zirkus angekündigt, doch so ganz kann er es offensichtlich nicht lassen. Bei der Auftakt-Pressekonferenz am gestrigen Freitag war der Bundeswehr-Kompaniechef aus dienstlichen Gründen noch verhindert. Er ließ aber seinen Zweier-Partner Rene Brücken mitteilen, dass er „hochmotiviert in die Konkurrenz mit dem amtierenden Weltmeister“ starten werde. Brücken bestätigt: „Das kribbelt in den Fingern! Da will man wissen: Können wir noch?“

Sabine Füsser: Mitt 44 eine der Favoritinnen

Bei den Kajak Damen ist im deutschen Team Sabine Füsser von KSA noch immer eine der Favoritinnen. Die 44-Jährige hat seit 1998 insgesamt 33 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften erpaddelt und sich seit 2001 in verschiedenen Disziplinen 26 Deutsche-Meisterin-Titel gesichert. Sie räumt ein, dass sie sich für das tägliche Training (auch in den Wintermonaten) inzwischen etwas mehr motivieren muss als zu früheren Zeiten, sieht aber vorerst noch kein Ende ihrer Sportlerkarriere. „Solange man die jungen Hühner noch ärgern kann“, so äußerte sie im Pressegespräch heute, wolle sie weiter an den Start gehen.

Auch wenn die Favoriten in die Jahre gekommen sind, so ist Manuela Gawehn durch aus optimistisch. „Wir haben hier in Augsburg ein sehr großes Nachwuchs-Feld am Start“, sagt Manuela Gawehn, ungefähr 60 Prozent der Paddler sind zwischen 15 und 18 Jahre alt. Nachdem in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der beim DKV gemeldeten Wildwasser-Rennsportler von etwa 650 auf rund 450 zurückgegangen ist. „Das kommt auch daher, dass die früheren Rennsportler jetzt mit ihren Kindern zum Training kommen“, merkt Bundestrainer Gregor Simon dazu an.

Weitere Infos zu den Wettkämpfen sowie einen Link zu den Live-Ergebnissen finden Sie im Internet

Hermann Schmid